Von Uwe Menschner

Zehn Mal hat die gemeinsame Kunstauktion der Landkreise Görlitz und Bautzen bereits stattgefunden. Die großen Zentren der Region wie die beiden Kreisstädte und Hoyerswerda zählten bereits zu den Veranstaltungsorten, ebenso wie kleinere Gemeinden mit einem besonderen Bezug zu den Themen Kunst und Kultur wie Rammenau oder Neschwitz.

Jetzt beim 11. Mal also Bischofswerda – eine im regionalen Maßstab eher „mittelgroße“ Stadt, die in Weißwasser oder Zittau wohl in erster Linie im Zusammenhang mit Fußball Bekanntheit genießt, spielt doch hier der derzeit „ranghöchste“ Vertreter der Oberlausitz. Doch was prädestiniert „Schiebock“, wie es die Einheimischen gern nennen, als Auktionsort? Oberbürgermeister Holm Große (parteilos) muss da nicht lange überlegen: „Wir verfügen mit der Carl-Lohse-Galerie über ein ganz besonderes Kleinod, das sich einem Künstler von überragender Bedeutung widmet, der die meiste Zeit seines Lebens in Bischofswerda verbracht hat.“

Tatsächlich lebte Carl Lohse (1895 bis 1965) von 1919 bis 1921 und später von 1929 bis zu seinem Tode in der westlausitzer Kleinstadt. Laut Wikipedia gilt er als „einer der bedeutendsten Vertreter des deutschen Expressionismus nach dem Ersten Weltkrieg.“

Bischofswerda würdigt Carl Lohse mit einer ständigen Ausstellung in der nach ihm benannten Galerie, die zahlreiche Werke aus seinem Nachlass umfasst. Zuweilen wird diese durch Leihgaben bereichert, beispielsweise aus dem Stadtmuseum Bautzen, das ebenfalls über eine umfangreiche Lohse-Sammlung verfügt. „Wir haben 2020, das Jahr des 125. Geburts- und 65. Todestages, als Carl-Lohse-Jahr ausgerufen“, so der Bischofswerdaer OB. Dies hat die Stadt auch 2015 schon getan. Dann sollen auch Werke, die sich in einem weiteren Umkreis befinden, wieder „heim“ nach Bischofswerda kommen.

Doch beschränkt sich die Kulturaffinität der Stadt Bischofswerda nicht auf die Erbepflege für Carl Lohse: „Wir vergeben gemeinsam mit unserem früheren Stadtrat Dr. Ernst Wirth den Jugendkunstpreis ‚MaWi‘ und sorgen dafür, dass unser Stadtsymbol – der Schiebock – in künstlerischer Form im Stadtbild präsent ist. Außerdem arbeiten wir daran, das geschlossene Kulturhaus wieder zu beleben und ‚leisten‘ uns zahlreiche freiwillige Aufgaben auf kulturellem Gebiet, wie die Bibliothek und den Tierpark. Auch die Erinnerung an den ‚ältesten Jugendclub der Welt‘, die Junggesellenfraternität, lebt in Bischofswerda.“

Holm Große könnte sicher noch mehr aufzählen, doch für Joachim Mühle ist dies schon mehr als genug. „Bischofswerda ist zweifellos ein würdiger Ort für unsere 11. Auktion“, stellt der Vorstand der Stiftung für Kunst und Kultur in der Oberlausitz fest. Und gerade diese Auktion – sie findet im jährlichen Wechsel in den Landkreisen Bautzen und Görlitz statt – vereinigt in ihrem Portfolio eine Vielfalt, wie sie größer nicht sein könnte: Vom Schüler bis zur 90-Jährigen, von der einfachen Pinselzeichnung bis zur Skulptur aus Eiche, Olive und Alteisen, von 30 bis 4500 Euro Startpreis reicht die Spannweite. Wobei dieser Preis ja nur eine Momentaufnahme bildet: „Man geht bei einer Versteigerung im Schnitt von einer Verdopplung aus“, so Joachim Mühle. Und weiter: „Wir wünschen uns heiße Bietergefechte.“ Klar, denn: Je höher die Preise getrieben werden, desto mehr profitiert davon – neben dem Künstler oder seinen Erben – auch die Stiftung.

„Schließlich verfolgen wir nach wie vor das Ziel, in Königshain ein Depot für Künstlernachlässe aus der Oberlausitz einzurichten“, so Beigeordnete Birgit Weber, die den Kreis Bautzen in der Stiftung vertritt. Doch dafür seien Summen erforderlich, die die Stiftung auch über die Auktionsprovision nicht erzielen kann. „Wir hoffen diesbezüglich auf die Förderung im Zuge des Strukturwandels“, so Weber. Bereits jetzt betreut die Stiftung für Kunst und Kultur Nachlässe mehrerer Oberlausitzer Künstler, die in „von den Sparkassen kostenlos zur Verfügung gestellten Räumen“ lagern. Auch bei der Auktion kommen Werke nicht mehr lebender Künstler wie Dietrich Arlt (Herrnhut), Erhard Gassan (Bautzen) und Dieter Strahl (Löbau) zum Aufruf.