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| 12:39 Uhr

Naturschutz
Für die Kreuzkröte rollen Wasserwagen

Die Kreuzkröten wirken in der Hand winzig. Sie werden nur zwischen vier und acht Zentimeter groß.
Die Kreuzkröten wirken in der Hand winzig. Sie werden nur zwischen vier und acht Zentimeter groß. FOTO: Torsten Richter-Zippack
Bärwalde. Auf der Kippe bei Bärwalde arbeiten Naturschützer mit originellen Mitteln für den Erhalt der Amphibienart. Von Torsten Richter-Zippack

Normalerweise gibt es im weitläufigen Kippenland zwischen Bärwalde, Lippen und Lohsa 25 Tümpel, die von Kreuzkröten zum Laichen genutzt werden. Doch aufgrund der bereits seit Mitte April anhaltenden Dürre sind es in diesem Jahr bislang nur drei dieser temporären Gewässer, von Experten auch als Himmelsteiche bezeichnet, in denen sich der Krötennachwuchs eingestellt hat, erklärt Herbert Schnabel vom Biosphärenreservat Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft (BROHT). „Und selbst dort mussten wir mit Wasserwagen anrücken“, erklärt der passionierte Naturschützer aus Wittichenau.

Das Problem: Kreuzkröten benötigen zur Vermehrung diverse Wasserflächen, die möglichst arm an Pflanzen sind. Durch die zeitige Trockenheit waren aber die meisten dieser Gewässer ziemlich schnell ausgetrocknet. Somit hatten die am Boden der Tümpel abgelegten Laichschnüre nicht genügend Zeit, um sich über das Kaulquappen-Stadium zur fertigen Kreuzkröte zu verwandeln. Die Experten sprechen dabei von einer Metamorphose. Diese ist in rund sechs Wochen vollzogen.

Kreuzkröten gelten in Sachsen als stark gefährdet. „In den vergangenen zehn Jahren gab es einen deutlichen Rückgang“, sagt Herbert Schnabel. Denn ihre Lebensräume werden immer weniger. Kaum gibt es noch geeignete Gewässer, in denen die nächste Generation dieser Amphibienart heranwachsen kann.

Seit dem vergangenen Jahr existiert in Sachsen ein entsprechender Aktionsplan. Darin ist festgehalten, wo die Tiere leben. Zudem sind ihre Gefährdung sowie entsprechende Schutzmaßnahmen enthalten.

Die Bergbaufolgelandschaft bietet da teilweise mehr Möglichkeiten als das gewachsene Land. Denn auf den Kippen gibt es eine ganze Anzahl kaum bewachsener Kleinstgewässer, die zumindest bis zum Frühsommer Wasser führen. Dort können die Kreuzkröten weitestgehend konkurrenzlos aufwachsen. Innerhalb des Biosphärenreservates gibt es ein gutes Dutzend Amphibienarten. Davon leben etwa acht auf Kippenland.

Darüber hinaus helfen die Naturschützer des Schutzgebietes entsprechend nach. Sie vertiefen die Himmelsteiche, bringen hier und dort wasserhaltende Schichten ein und schaffen Zuflüsse, die bei Regen die Niederschläge von Wegen in die Tümpel leiten. „Doch am meisten hoffen wir auf nasse Frühjahre“, resümiert Herbert Schnabel. Allerdings seien diese selten geworden, sodass es für die Amphibien enger werde.

Neben der Kreuzkröte, die nach ihrem gelben Strich auf ihrem Rücken (Kreuz) benannt ist, bietet die Bergbaufolgelandschaft zwischen Bärwalde, Lippen und Lohsa weitere Naturschätze. Im Zuge des Neuaufbaus der Bahntrasse Hoyerswerda – Kohlfurt, die südlich vom Gebiet entlangführt, wurden mehrere Reptilienfunde in diese abgelegene Gegend umgesetzt. Darüber hinaus bieten die noch vorhandenen militärischen Hinterlassenschaften so manches Quartier. Beispielsweise ein übrig gebliebener Gefechtsturm, der heute als Fledermaus- und Turmfalkenquartier dient. Der Truppenübungsplatz der Nationalen Volksarmee südwestlich von Bärwalde war nie in Betrieb gegangen, da die politische Wende dazwischenkam.

Die jüngste Exkursion zu den Bärwalder Kreuzkröten fußt indes auf einer neuen Ausstellung im Museum der Westlausitz Kamenz, wie Kurator Olaf Zinke mitteilt. „Amphibien – vom Wunder der Verwandlung“ lautet der Titel der Schau, die noch bis Ende März 2019 besichtigt werden kann.

In einem der Himmelsteiche hielten die Exkursionsteilnehmer vergeblich nach Kreuzkröten Ausschau.
In einem der Himmelsteiche hielten die Exkursionsteilnehmer vergeblich nach Kreuzkröten Ausschau. FOTO: Torsten Richter-Zippack