Ein als Motel VIP gekennzeichnetes Gebäude im Zentrum von Leknica in der Nähe der Stadtverwaltung erinnere mit einer Betonmauer mit Stacheldraht und installierten Kameras eher an eine Festung, schreibt die Zeitung. Die dort festgehaltenen Ukrainerinnen, Weißrussinnen und Russinnen seien über fünf Jahre zur Prostitution gezwungen worden.
Obwohl sie im Besitz der Pässe waren und ihnen freie Bewegung im Ort zugesichert worden sei, wären sie stets in diskreter Begleitung des angestellten Wachschutzes gewesen, so dass ein Fluchtversuch schier unmöglich gewesen sei, wie es heißt. Nach Angaben der Redaktion wurden die Mädchen von einer Ukrainerin angeworben.

Für 500 Euro verkauft
Den an einer Arbeit in Polen interessierten Mädchen habe sie eine Beschäftigung als Kellnerin oder Barfrau versprochen. Erst an Ort und Stelle hätten sie die Wahrheit erfahren.
Wie die Zeitung schreibt, wurden sie für 500 Euro verkauft und zur Prostitution gezwungen, um das Geld für den Besitzer wieder einzubringen. Sie hätten ihre Schulden jedoch niemals bezahlen können, denn ihnen sei die Hälfte des Kundengeldes abgenommen worden und den Rest hätten sie für Strafen abgeben müssen. Nach Zeitungsangaben hätten sich die Zuhälter ein Strafsystem ausgedacht und angewandt.
So wäre ihnen zum Beispiel ein Teil des Geldes weggenommen worden, wenn sie zu einem Kunden zu spät kamen oder untereinander stritten. Ihnen sei nur ein geringer Betrag zum Überleben geblieben.
In den letzten fünf Jahren hätten ungefähr 100 Frauen in diesem Bordell gearbeitet. Aus ihren Aussagen könne entnommen werden, dass sie dem Eigentümer über eine Million Zloty einbrachten.

Lange observiert
Wie die „Gazeta Regionalna“ berichtete, wurden am 28. Februar in den frühen Morgenstunden der Besitzer des Bordells, Wladyslaw Z. (39.), seine Lebensgefährtin (28.) und Mitinhaberin, die Ukrainerin, welche die Frauen anwarb, sowie die Barfrau festgenommen. Die Festnahmen seien das Ergebnis langer Observationen und operativer Tätigkeit der Gruppe gewesen, die sich mit Menschenhandel befasst, so die Pressesprecherin der Polizei Gorzow.
Dem Besitzer und der Ukrainerin sei dem Pressebericht zufolge Menschenhandel sowie Erlangung von Vermögensvorteil aus Prostitution vorgeworfen worfen.
Die Barfrau werde der Kuppelei und der Erlangung von Vermögensvorteil aus Prostitution beschuldigt. Als Sicherheitsleistung sei für die zu erwartende Strafe das Eigentum im Wert von 500 000 Zloty sichergestellt worden.
Zeugenvernehmungen hätten ergeben, dass dem Zuhälter die Mädchen von einem nicht mehr lebenden Kaliningrader beschafft und verkauft worden seien.

Eine andere Meinung
Wie Beate Petrick, eine im Altkreis Weißwasser lebende Polin weiß, hätten die Einwohner von Leknica zu dem Fall eine andere Meinung. Außer dem betreffenden Bordell gäbe es nach ihren Angaben in Leknica noch sechs weitere.
„Die Besitzer machen ihre Sache und lachen die Polizei aus. Seit Jahren wissen doch alle, was dort abgeht“ , meint Beate Petrick, wobei sie sich auf Aussagen von Einwohnern beruft. Wie man sich erzähle, so sagt sie, hätten die Mädchen nicht danach ausgesehen, als ob man sie einsperren würde. Die Prostituierten seien ohne jegliche Begleitung frei im Ort umhergelaufen, hätten Einkäufe gemacht, wären immer gut angezogen und freundlich gewesen und hätten nicht verschreckt gewirkt.
Keineswegs hätte man nach Darstellung von Bürgern aus Leknica den Eindruck gehabt, so Beate Petrick, dass die Mädchen eingesperrt gewesen seien.

Konkurrenzkampf
Nach ihren Angaben herrsche in der Grenzstadt in der Prostituerten-Szene ein erbitterter Kampf um jeden Kunden. Deshalb würden Einwohner vermuten, dass die Sache von der Konkurrenz eingefädelt worden sei und die Mädchen gestellt gewesen wären.