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| 21:13 Uhr

10 Jahre Landkreis Görlitz
Fünf Zehen stehen für fünf Städte

Mitautor Lars-Arne Dannenberg (l.) und Landrat Bernd Lange präsentieren hier das Buch zum Landkreis-Jubiläum.
Mitautor Lars-Arne Dannenberg (l.) und Landrat Bernd Lange präsentieren hier das Buch zum Landkreis-Jubiläum. FOTO: LR / Torsten Richter-Zippack
Görlitz. Der Landkreis Görlitz hat zu seinem zehnjährigen Bestehen ein Buch herausgegeben.

Am 1. August 2008 hatte die Stunde des heutigen Landkreises Görlitz geschlagen. Genau ein Jahrzehnt ist seitdem ins Land gegangen. Doch genau genommen geht der Görlitzer Kreis bereits auf das Jahr 1268 zurück, wie Historiker Dr. Lars-Arne Dannenberg während der Festveranstaltung im Görlitzer Landratsamt anmerkt. Vor genau 750 Jahren, hat der Vizepräsident der Oberlausitzer Gesellschaft der Wissenschaften recherchiert, ist die Oberlausitz, damals noch unter brandenburgischer Herrschaft (Askanier), in die Kreise Budissin (Bautzen) und Görlitz geteilt worden. Natürlich waren diese Gebiete damals geografisch anders zugeschnitten als heute. „Aber der eigentliche Anfang des Landkreises Görlitz war vor siebeneinhalb Jahrhunderten“, sagt Dannenberg.

Das jetzige Gebilde ist laut Landrat Bernd Lange ein Kunstprodukt. Denn 2008 waren die bisherigen Kreise Niederschlesische Oberlausitz, Löbau-Zittau sowie die bis dato kreisfreie Stadt Görlitz zu einem Landkreis verschmolzen. Mit einer Fläche von 2111 Quadratkilometern steht Görlitz im Freistaat hinter Bautzen und Mittelsachsen an dritter Stelle. Die rund 258 000 Einwohner zwischen Bad Muskau und dem Zittauer Gebirge bescheren dem Landkreis Görlitz einen Platz im Mittelfeld.

Auf der Landkarte wirkt das Gebilde wie der Abdruck eines rechten Fußes. Kein Wunder, dass da­raus das Kreislogo entwickelt wurde. „Die fünf Zehen stehen für die Städte Görlitz, Zittau, Löbau, Niesky und Weißwasser“, erklärt Bernd Lange. Also für die Kreisstadt und diejenigen Kommunen, die einmal Kreissitze innehatten und sich heute als Große Kreisstädte bezeichnen dürfen. „In Sachsen hinterlassen wir jedenfalls große Fußspuren“, kommentiert der Landrat. Schließlich sei das Gebilde im Freistaat das einzige, das auf einer Länge von 190 Kilometern an gleich zwei Nachbarstaaten, Polen und Tschechien, grenzt. „Wir überwinden Außengrenzen, indem wir Brücken bauen“, sagt Lange weiter. Tatsächlich hat sich seit der Wende die Anzahl der Grenzübergänge in die Nachbarländer vervielfacht. Allein im Altkreis Weißwasser stieg die Zahl von einem (Bad Muskau) auf inzwischen fünf.

Die vergangenen zehn Landkreis-Jahre hat ein Autorenteam unter Leitung der Redakteure Lars-Arne Dannenberg und Matthias Donath in Rekordzeit in ein neues Buch gepackt, das pünktlich zum Jubiläum erscheinen ist. Das Werk streift zwar nur die reichhaltige Geschichte der Region, porträtiert dafür bedeutende Einwohner, ebenso die vielseitigen Landschaften sowie die Gesellschaft. „Es handelt sich quasi um einen Überflug durch den Landkreis“, erklärt Dannenberg.

Der Daubitzer Erich Schulze war in den bewegten Jahren von 1990 bis 2001 Landrat in der Region, zunächst für den Kreis Weißwasser, ab 1994 dann auch für die Niederschlesische Oberlausitz (NOL). Der heute 69-Jährige berichtet von Diskussionen nach der Wende, in denen das Für und Wider eines Zusammenschlusses der damaligen Kreise Weißwasser und Hoyerswerda erwogen wurde. „Aber wir kamen schnell zu dem Schluss, dass zwei Sandhaufen keinen Landkreis ergeben“, sagt Schulze augenzwinkernd.

Stattdessen habe er sich beizeiten in Richtung Niesky und Görlitz orientiert. Was hingegen die südliche Oberlausitz mit Löbau und Zittau anbetrifft, zeigt sich Erich Schulze heute eher kritisch: „Bei solch großen Gebilden leidet oft die Bürgernähe.“

Darüber hinaus sehe er ein ständiges Konkurrenzdenken zwischen den beiden Oberlausitzer Landkreisen Görlitz und Bautzen. „Es sollte lieber miteinander gearbeitet werden“, schlägt der Kommunalpolitiker vor.