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| 17:49 Uhr

Niederschlesische Magistrale
Frost bringt Tiefbau zum Erliegen

Im Bahnhofsbereich Niesky musste der Tiefbau die letzten Tage wegen der Minustemperaturen eingestellt werden.
Im Bahnhofsbereich Niesky musste der Tiefbau die letzten Tage wegen der Minustemperaturen eingestellt werden. FOTO: Regina Weiß
Niesky. Der Bahnübergang Muskauer Straße in Niesky wird nach Ostern für den weiteren Fortgang der Bauarbeiten an der Niederschlesischen Magistrale gesperrt. Von Regina Weiß

Das Wetter kann dem besten Plan einen Strich durch die Rechnung machen. So geht es auch gerade den Projektverantwortlichen der Deutschen Bahn. Beim Endspurt zum Ausbau der Bahnstrecke Knappenrode-Horka hat Väterchen Frost in den letzten Tagen erst Mal den Bremsklotz reingehauen. „Am Mittwoch haben wir die Ingenieur­bauleistungen eingestellt. Bei Minus zehn Grad kann man kein Eisen mehr biegen“, so Ulrich Mölke, Projektleiter für den Streckenabschnitt Knappenrode-Horka bei der Netz AG der Deutschen Bahn (DB), bei einem Pressegespräch am Freitag in Niesky. Teilweise ist der Boden 80 Zentimeter tief gefroren. „Da können wir nicht mehr rein“, so Mölke weiter. Das heißt aber nicht, dass die Baustelle komplett zum Erliegen kommt. Es werden Oberlichtmasten zwischen Niesky und Horka gestellt, Schwellen abgeladen und Kontrollen durchgeführt.

„Ab Montag geht es wieder richtig los“, gibt Ulrich Mölke schon mal die Devise vor. Denn es muss Zeit kompensiert werden. Drei bis vier Wochen liegt die Baustelle hinter dem Zeitplan zurück. Daran ist nicht nur das Wetter schuld, sondern beim Beispiel Niesky sind es auch komplizierte Bodenverhältnisse. Zu hohes Grundwasser, mal Torf, mal Kohle erforderten einen umfangreichen Bodenaushub und Neuaufbau sowie teilweise angepasste Lösungen bei Bauwerken. Am Bahnhof Niesky wird schließlich der gesamte Bahnkörper, bestehend aus dem Oberbau (Gleise und Schotter) und dem tragenden Unterbau ertüchtigt, und mit vier Gleisen ausgestattet. Zudem entsteht ein Personentunnel als Zugang zu den Bahnsteigen.

Aufholen bedeutet, dass von 6 bis 22 Uhr zweischichtig gearbeitet werden muss. Doch dafür müssen erst noch die notwendigen Anträge gestellt werden, heißt es beim Pressegespräch.

Beim Tiefbau liegt dann der Schwerpunkt auf der Fertigstellung der Umfahrung für den Bahnübergang Muskauer Straße. Dieser soll spätestens ab Dienstag nach Ostern (3. April) für die Autofahrer gesperrt werden. Dann geht der Verkehr aus Richtung Rietschen ins Stadtzentrum über eine Behelfsumfahrung für Fahrzeuge bis 7,5 Tonnen. Diese wird über die Neuhofer- und Bahnhofstraße geführt. Beim Bahnübergang Muskauer Straße ist dann ebenfalls zügiges Arbeiten angesagt. Denn diese Maßnahme steht wiederum in Abhängigkeit zum Bau der neuen Brücke an der B 115. Diese wird ab dem 1. August für den Abriss gesperrt.

Apropos Brücke. Auf dem sieben Kilometer langen Bauabschnitt zwischen Niesky und Horka werden vier Eisenbahnbrücken und zwei Bahndämme erneuert sowie eine Straßenüberführung gebaut.

Im Mai lautet das große Ziel Gleisbau im genannten Streckenabschnitt. „Von den Gleisen arbeiten wir sozusagen weiter. Davon ist unsere Logistik abhängig“, erklärt Mölke.

Im 40 Kilometer langen Abschnitt Niesky-Lohsa sind dagegen Gleis- und Oberleitungsbau abgeschlossen. Dort laufen die Abnahmen, die einige Wochen Zeit in Anspruch nehmen werden. Schwerpunkt ist hier der Aufbau der Signaltechnik. Kurzzeitig hatte man überlegt, diese Technik mit Hubschraubern setzen zu lassen, doch dann wegen der komplizierten Genehmigungssituation im Biosphärenreservat Abstand davon genommen. „Wir kommen genau in die Zeit rein, wo die Vögel zurückkommen und balzen“, sagt Ulrich Mölke.

20 Bahnübergänge müssen mit der neuen Signaltechnik versehen werden. Dazu gehören auch die Stellwerke. „Das ist alles sehr, sehr aufwendig, und damit werden wir sicherlich im Sommer noch zu tun haben. In dieser Zeit kann es auch dazu kommen, dass einzelne Bahnübergänge kurzzeitig noch mal gesperrt werden müssen.“ Klar ist auch, dass bei den jetzigen Temperaturen keine Schwarzdecke an den Bahnübergängen aufgetragen werden kann.

Und auch wenn die Lärmschutzwände stehen, sind sie noch nicht komplett fertiggestellt. Fluchttüren und Treppen nennt Mölke als Beispiele, die nun noch gebaut werden müssen. Dabei ist die Deutsche Bahn vor zusätzliche Herausforderungen gestellt. Sie arbeitet ja von den Gleisen ausgehend. Draußen, vor den Wänden, habe man keine Logistikflächen. Doch es war gefordert worden, dass die Lärmschutzwände zeitig aufgebaut werden.

Beim Lärmschutz betreibt die DB nach eigenen Angaben einen sehr großen Aufwand. Für die gesamte Neubaustrecke sei im Vorhinein eine Lärmmessprognose erstellt worden. Dabei wurde ersichtlich, welche Eigentümer davon betroffen sind. Auf deren Befindlichkeiten wurde unterschiedlich reagiert. Mobile Lärmschutzwände, Übernachtungen für den Schichtarbeiter im Hotel oder die Übernahme einer Kurzzeitpflege für vier Wochen – das alles hat die Bahn schon übernommen. Was sie noch nicht gemacht hat, sind Entschädigungen für Baulärm gezahlt. Das erfolge nach Abschluss des Baus. Doch alle Betroffenen hätten einen entsprechenden Rechtstitel. Was Baulärm ist, stellen an der Neubaustrecke rund 30 Referenzmesspunkte fest. Das sind Mikrofone, die über die Jahre Geräusche aufzeichnen. So kostet die Erfassung der Messungen im Abschnitt Niesky-Lohsa das Unternehmen über die ganze Zeit eine Million Euro.

Allerdings stünden Aufwand und Entschädigungssummen in keinerlei Verhältnis, heißt es Freitag. Über jeden Euro sei man schließlich dem Bund rechenschaftspflichtig.