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Frost-Bilder lassen keinen kalt

Joanna Janiak und Piotr C. Kowalski in ihrer Ausstellung im Neuen Schloss in Bad Muskau.
Joanna Janiak und Piotr C. Kowalski in ihrer Ausstellung im Neuen Schloss in Bad Muskau. FOTO: Regina Weiß
Bad Muskau. Die neue Sonder ausstellung "In unserem Garten" ist eröffnet worden. Bis Mitte August ist sie im Neuen Schloss Bad Muskau zu sehen. Regina Weiß

Die Natur mit ihren vier Jahreszeiten ist seit Mittwochabend zu Gast im Neuen Schloss in Bad Muskau. Ihrem umfangreichen Spielraum gleich sorgt sie für einen farbenfrohen Auftritt. Doch überraschenderweise sorgen gerade die Werke in purem Weiß für das größte Erstaunen und den tollsten Aha-Effekt.

Joanna Janiak und Piotr C. Kowalski sind seit 40 Jahren miteinander verheiratet. Seit 2004 arbeiten sie auch künstlerisch zusammen. Damals setzten sie sich künstlerisch mit verschiedenen Kunstformaten auseinander. Joanna Janiak arbeitete fürs TV, ihr Mann Piotr C. Kowalski hatte sich den Ölfarben verschrieben. Dass die Zusammenarbeit die beiden künstlerisch befruchtet und vorantreibt, davon können sich Besucher seit Mittwoch im Neuen Schloss in Bad Muskau selbst ein Bild machen.

Der Überzeugung treu bleibend, Abwechslung macht den Schlossbesuch interessant, setzt die Stiftung jetzt auf moderne Kunst und dafür die Zusammenarbeit mit dem Lebuser Landesmuseum Zielona Gora (Grünberg) fort. Unter dem Schlagwort "Topografie der Moderne" ist es die vierte Ausstellung der Polen in Bad Muskau. Leszek Kania, Direktor des Landesmuseums, musste die Künstler nicht lange überzeugen, "an diesem einzigartigen Ort" auszustellen.

Auch Cord Panning, Direktor der Stiftung Fürst-Pückler-Park Bad Muskau, freut sich, dass den Besuchern die moderne polnische Kunst wieder zugänglich gemacht wird. "Es ist eine unkonventionelle und zugleich künstlerisch hochwertige Doppelausstellung", so Panning. Tatsächlich stellt das polnische Ehepaar das erste Mal gemeinsam in Deutschland aus.

Fakt ist, eigentlich müssten drei Autoren für die Ausstellung benannt werden. Denn neben den beiden Künstlern hat Mutter Natur mit all ihren Facetten einen großen Anteil an der neuen Schau. Der natürliche Kalender beeinflusse nicht nur ihre Kunst, beschreibt es Leszek Kania. Das Paar arbeite mit Naturmaterialien und lasse Wind und Wetter sich künstlerisch austoben. So finden sich Sand, Moos und Erde auf den großformatigen Bildern wieder. Leuchtende Ölfarben sind quasi das verbindende Element.

Doch für Erstaunen und Begeisterung sorgen die weißen Frost-Bilder von Joanna Janiak. Sie sind sozusagen der krönende Abschluss im Turmzimmer. Ähnlich wie im russischen Märchen von der Schneekönigin, wo Eiskristalle die Fenster in bizarre Kunstwerke verwandelten, haben Temperaturen von bis zu minus 20 Grad Celsius, der entsprechende Wind und die Zeit die Wasserfarben geformt. "Wir haben die Natur sprechen lassen", so Joanna Janiak. Dass das jeder nachmachen könnte, sorgt vor allem bei Ausstellungsbesuchern, die selbst malerisch kreativ sind, für Redebedarf. Dolmetscher Jerzej Bielerzewski ist deshalb stark gefordert.

Übrigens haben nicht nur die Bilder die Jahreszeiten ins Schloss gebracht. Mit Ausschnitten aus dem gleichnamigen Stück von Vivaldi haben Schüler der Staatlichen Musikschule Zielona Gora die Ausstellungseröffnung sehr gekonnt begleitet.

Zum Thema:
Die Sonderausstellung "In unserem Garten" ist bis zum 20. August im Neuen Schloss zu sehen. Sie ist täglich von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt drei Euro pro Person, ermäßigt 1,50 Euro. Zu sehen sind Bilder, die zum Teil vor 30 Jahren entstanden sind oder erst kurz vor dem Ausstellungsstart vollendet wurden. Joanna Janiak ist Journalistin und TV-Produzentin. Piotr C. Kowalski ist Professor an der Kunstuniversität in Poznan.