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| 17:41 Uhr

Erstes Turmfest am Schweren Berg
Freier Turmblick am Tagebaurand

Viele Gäste nutzten die Gelegenheit, um aus luftiger Turmhöhe ihren Blick über die Tagebaulandschaft schweifen zu lassen.
Viele Gäste nutzten die Gelegenheit, um aus luftiger Turmhöhe ihren Blick über die Tagebaulandschaft schweifen zu lassen. FOTO: Ingolf Tschätsch
WEISSWASSER. Erstes Fest des Bergbau-Tourismus-Vereins Welzow am Schweren Berg in Weißwasser. Claudia Szonn betreibt als Angestellte die Imbissgaststätte und ist als Projektverantwortliche für den Turm eingesetzt. Von Ingolf Tschätsch

Der neunjährigen Aline hat es der mobile Wasserspielplatz angetan. Sie und die anderen Kinder sind mit Begeisterung dabei, die kreativen Möglichkeiten zu testen, die der Weg des kühlen Nasses durch das hölzerne Rinnensystem bietet. Die von den Mädchen und Jungen betätigte Handschwengelpumpe hat dabei Schwerstarbeit zu leisten. Alines Papa Marcel Voigt beobachtet derweil das Spiel seiner Tochter, während er an einem der Besuchertische einen Kaffee genießt. „Wir haben heute früh von diesem Fest hier am Schweren Berg gehört und wollten uns das mal ansehen“, erzählt der Weißkeißeler. Mit Ehefrau Stefanie und den beiden Töchtern Aline und Sophie hat er sich ins Auto gesetzt und ist nach Weißwasser gefahren. Aline und Sophie waren auch schon beim Muttertags-Basteln in der ersten Etage des Turmes.

Der Bergbau-Tourismus-Verein Welzow als neuer Betreiber des Kommunikations- und Naturschutzzentrums „Turm am Schweren Berg“ mit seiner Imbissgaststätte hat sich für sein erstes Turmfest an diesem Sonnabend prächtiges Wetter ausgesucht. Immer mehr Besucher strömen dem rund 30 Meter hohen Aussichtspunkt am nördlichen Rand des Tagebaues Nochten zu. Aus luftiger Höhe lassen sie den Blick über die Bergbaulandschaft, die rekultivierten Flächen bis hin zum Kraftwerk Boxberg schweifen. Und nutzen natürlich die Festangebote - den Auftritt des Posaunenchores der evangelischen Kirche Weißwasser, des Berliner Duos „Ohrenfreut“ und des Sorbischen Folkloreensembles Schleife.

Gleich am Eingang empfängt sie der Weißkeißeler Mineralien- und Fossiliensammler Hagen Hördler mit seinem Stand. Seine von ihm bearbeiteten Fundstücke wie Nadelgipse aus Polen, mexikanische Kugelkristalle sowie andere Exemplare aus der Türkei, Marokko oder Bulgarien ziehen erstaunte Blicke auf sich.

Claudia Szonn, das neue Gesicht des Turmes am Schweren Berg, mit Kindern auf dem Wasserspielplatz.
Claudia Szonn, das neue Gesicht des Turmes am Schweren Berg, mit Kindern auf dem Wasserspielplatz. FOTO: Ingolf Tschätsch

Inmitten des Trubels läuft eine Frau geschäftig hin und her, hilft die Gäste bedienen, schaut hier und da nach dem Rechten. Es ist Claudia Szonn, die als Angestellte des Welzower Vereins zusammen mit Köchin Michaela Weigang für die Gastronomie verantwortlich ist. Doch Claudia Szonn ist weit mehr als nur für hungrige Mägen oder durstige Kehlen  zuständig. „Ich bin hier Projektverantwortliche, kann den Besuchern beispielsweise bei Bedarf Tipps und Informationen zum Thema Bergbau oder Rekultivierung geben, Führungen oder Touren durch den Tagebau sowie Veranstaltungen organisieren“, erzählt sie. Da sie Tourismuswirtschaft studiert hat, sei das naheliegend.

Claudia Szonn hat eine bekannte Mutter - Anita Szonn. Viele kennen sie und ihren Mann Harald noch als Betreiber des Forsthausgaststätte auf dem Rietschener Erlichthof. Hätte Claudia Szonn als Tochter nicht die Einrichtung weiterführen können, als sich ihre Mutter  aus dem Gewerbe verabschiedete? Ihre Antwort: „Ich habe die Probleme in der Gastronomie bei meiner Mutter hautnah miterlebt. Der Fachkräftemangel hat uns sehr zu schaffen gemacht. Es fehlte einfach an Personal. Deshalb bin ich damals auch bei meinen Eltern helfend mit eingesprungen. Da habe ich mir geschworen, du machst dich einmal nicht selbstständig. Lieber möchte ich irgendwo angestellt sein.“ Diese Chance habe sich dann ergeben, als die LEAG einen neuen Betreiber für die Gaststätte im Schweren Turm gesucht und im Welzower Verein gefunden hat. Für ihn war Claudia Szonn bereits im Rahmen des Projektes Industriekultur tätig, indem beispielsweise Touren durch den dortigen Tagebau angeboten wurden. So war der jungen Frau die Materie bestens vertraut und sie ergriff die sich ihr bietende neue berufliche Möglichkeit.

Siegfried Laumen, der Vorsitzende des Bergbau-Tourismus-Vereins Welzow, der ebenfalls zum Fest gekommen ist, erklärt: „Wir wollen eine noch bessere Verbindung zwischen Turm als Kommunikations- und Naturschutzzentrum und der Stadt Weißwasser erreichen. Diese Sehenswürdigkeit soll noch mehr Einwohner und Touristen anlocken. Dabei haben wir auch die Flutung des Hermannsdorfer Sees in diesem Jahr im Auge, womit der Turm weiter an Bedeutung erfährt.“ Laumen denkt auch an die Zeit, wenn der Bergbau einmal weg ist. „Wir wünschen uns, dass wir dann von hier auf die rekultivierten Flächen schauen und dort Touren anbieten können“, sagen er und Claudia Szonn übereinstimmend.

Der in unmittelbarer Nähe befindliche Haltepunkt der Waldeisenbahn (Tonbahn) ist ein zusätzliches Plus, mit dem die Attraktion am Tagebaurand wuchern kann. Gerade ist die Lok angekommen und ein neuer Schwung an Besuchern strömt auf das Areal am Schweren Berg.