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Freie Sicht für Wolf und Autofahrer

Weißwasser. Die Bundesstraße 156 zwischen Weißwasser und Boxberg ist für Wölfe gefährlich. Acht Tiere wurden von 2004 bis heute entlang eines zwölf Kilometer langen Abschnitts getötet. Mit einer Fällaktion will die Bundesforst die Situation nun entspannen. Von Daniel Preikschat

Förster Franz Graf von Plettenberg hat - zumindest, wenn er im Auto sitzt - den Wolf ständig im Blickfeld. Auf dem Armaturenbrett klebt ein Aufkleber, der einem kanadischen Verkehrsschild nachgebildet ist. Gute Bekannte haben dem Leiter des Bundesforstbetriebs Lausitz den Aufkleber geschenkt. "So ein Sonderschild wäre auch für die B 156 geeignet." Wahrscheinlich, so Plettenberg, würde es mehr Aufmerksamkeit erregen als die Wildwarn-Tafeln, die derzeit an der Bundesstraße stehen.

Um die für Wölfe unfallträchtige Strecke zu entschärfen, greift die Bundesforst jetzt jedoch erstmal zu einem anderen Mittel. Auf sechs Kilometer Länge entfernen Männer mit Motorsägen entlang der Bundesstraße auf beiden Seiten Bäume und Gestrüpp. In einer Breite von bis zu 25 Metern. Nächste Woche, so Plettenberg, haben die Mitarbeiter einer Firma aus Süd-Brandenburg die Arbeit verrichtet. Das Unternehmen darf das Holz verwerten. Die Rodung wird daher vermutlich nichts weiter kosten.

Plettenberg ist sich sicher, dass ein auf diese Weise verbreitertes Sichtfeld Verkehrsunfälle mit den geschützten Tieren zumindest unwahrscheinlicher macht. Autofahrer könnten die Wölfe, umgekehrt die Wölfe die Autofahrer besser wahrnehmen.

Die Gefährdungsstrecke ist allerdings noch einmal sechs Kilometer länger als der jetzt bearbeitete Abschnitt. Anfang nächsten Jahres sollen auch die Vattenfall-Flächen entlang der B 156 gerodet werden, sagt der Bundesförster. Mit weiteren Flächeneigentümern werde noch das Gespräch geführt.

Den Impuls für die Rodungsarbeiten hatte das sächsische Umweltministerium bereits 2009 gegeben. In Dresden hatte man die bis dato sechs tödlichen Wolfsunfälle aufmerksam registriert. Die Unfall-Kommission des Landkreises Görlitz, in der Polizei, Straßenbauamt, Forstbehörde und das Wildbiologische Institut Lupus einen Vertreter haben, wurde gebeten, sich etwas einfallen zu lassen. In der Kommission stellte man fest, dass sich ein Tempo-Limit verkehrsrechtlich nicht begründen lasse. Lediglich zwei Wildwarn-Tafeln wurden an der Straße aufgestellt. Wildzäune mit Durchlässen zu bauen, sah man zwar als geeignet an. Noch aber ist nicht geklärt, ob für diese kostspielige Maßnahme Fördergeld zu bekommen ist.

Der Einsatz von Reflektoren wurde in der Kommission verworfen, da sie im Landkreis Bautzen nicht die gewünschte Wirkung erzielen konnten. Elektronisch gesteuerte Lichtsignale werden in Brandenburg getestet, Ergebnisse liegen aber noch nicht vor. Kurzfristig, sagt Plettenberg, könnten nur die verbesserten Sichtverhältnisse die Situation entspannen.