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Freie Schule startet mit viel Stolz ins nächste Jahrzehnt

Von der polnischen Delegation bekam Schulleiter Ralph Berthold ein Gefäß mit einer weisen Eule überreicht.
Von der polnischen Delegation bekam Schulleiter Ralph Berthold ein Gefäß mit einer weisen Eule überreicht. FOTO: amz1
Boxberg. Seit dem Jahr 1971 nennen die Boxberger eine Schule ihr Eigen. Doch erst seit genau einem Jahrzehnt gibt es die heutige Freie Schule Boxberg. amz1

Im August 2007 ist die Einrichtung als "staatlich anerkannte Ersatzschule" wiedereröffnet worden. Klar, dass das kleine Jubiläum gebührend gefeiert wird. Zahlreiche Lehrer, Schüler, Eltern und ehemalige Pennäler sind der Einladung gefolgt. Maike Seffner, Vorsitzende des Trägervereins Freie Schule Boxberg, kann ihre Freude und ihren Stolz kaum hinterm Berg halten. "Ich bin besonders froh, dass es uns gelungen ist, aus jedem Schüler einen rechtschaffenen Menschen zu formen, der fest im Leben steht. Alle haben nach erfolgreichem Schulabschluss eine Ausbildung begonnen oder setzten ihre Ausbildung an einer weiterführenden Schule fort."

Unterrichtet werde nach dem sogenannten "Jena-Plan-Konzept". Das funktioniere nach dem Motto "Lass es mich tun, und ich begreife es." Wichtigster Aspekt sei der enge Praxisbezug der Schule. Es komme dabei weniger auf das Auswendiglernen als vielmehr auf das Verstehen von Sachverhalten an.

Aktuell lernen 88 Schüler der Klassenstufen 5 bis 10 an der Freien Schule. Die Klassenstärken bewegen sich zwischen zwölf und 19 Kindern beziehungsweise Jugendlichen. Diese werden von zwölf Lehrern unterrichtet. Ralph Berthold ist seit dem Jahr 2009 Schulleiter. Überaus stolz präsentiert der frühere Honorarlehrer die erfolgreichen Projekte der vergangenen Jahrzehnte. Am markantesten hebt sich dabei der Findlingspark im Miniaturformat heraus, dort wo sich zuvor der Appellplatz befand. Darüber hinaus gibt es unter anderem einen modernen Sportplatz, einen großzügigen Spielplatz, ein Insektenhotel und vieles mehr.

Allerdings fällt den Besuchern sofort auch der Bauzaun ins Auge, der Teile der Schule umgibt. "Wir passen unsere Einrichtung der heutigen Zeit an", erklärt Ralph Berthold. Investiert werde unter anderem in den Brandschutz. Zudem erhalte die Außenfassade einen neuen Anstrich, und das Dach erfahre seine Erneuerung. Ende 2018 solle alles vollendet sein. Apropos Bauzaun: Anlässlich des zehnten Gründungstages der Schule haben sich dort mehrere ehemalige Schüler verewigt. Die Porträtbilder entstammen einem Projekt aus dem Kunstunterricht.

Kein ehemaliger Boxberger Schüler, dafür aber ehemaliger Bürgermeister ist Roland Trunsch. Das frühere Gemeindeoberhaupt fühlt sich bereits seit über viereinhalb Jahrzehnten der Schule verbunden. "Während meiner Berufsausbildung im Wohnungsbaukombinat Cottbus durfte ich die Stützenlöcher an den Fertigteilelementen, aus denen sich das Schulgebäude zusammensetzt, zuschmieren." Als der Erhalt der Boxberger Schule Mitte des vorigen Jahrzehnts aufgrund zurückgehender Schülerzahlen auf der Kippe stand, hatte Trunsch mit vielen Kindern, Jugendlichen, Lehrern und Eltern um den Fortbestand gekämpft. "Mich beeindruckt es noch heute, wie viele Menschen damals so engagiert dabei waren", resümiert der Altbürgermeister. Heute sieht er die Einrichtung in ruhigem Fahrwasser. "Kein Wunder bei diesem kompetenten Personal", lobt Roland Trunsch.

Seit mehreren Jahren pflegen die Boxberger eine Partnerschaft mit einer Schule aus dem Südwesten Polens. 40 Kinder und Jugendliche aus dem Nachbarland sind bei der Jubiläumsfeier mit dabei. Hinter ihnen liegt eine spannende Projektwoche, in der es unter anderem ums Grüne Klassenzimmer, Exkursionen durch Teichlausitz und Faltenbogen sowie zur Sozialen Berufsfachschule Hoyerswerda ging. Ermöglicht wird das Projekt durch das grenzüberschreitende Interreg-Programm der EU.

Erst seit wenigen Wochen besucht Mark Sascha Mertsching die Freie Schule Boxberg. Der elfjährige Weißwasseraner sagt, dass er sich in der 6. Klasse inzwischen gut eingelebt habe. Im Vergleich zur Heimatstadt sei die Boxberger Schule besser aufgestellt. Mutter Mareen Mertsching ergänzt, dass sie das Schulkonzept überzeuge und die geringen Klassenstärken imponierten.

Ins gleiche Horn stößt Romy Wagner. Seit Kurzem ist ihr Sohn Sascha Wagner neu an der Freien Schule. Das Konzept der Ganztagseinrichtung sei überzeugend. Für die Mönauer Familie hätte es nur die Alternativen in Lohsa und Mücka gegeben, doch letztendlich wussten die Boxberger zu überzeugen. Insgesamt hat es zu Schuljahresbeginn 2017/2018 laut der Einrichtung 17 Neuanmeldungen in Klassenstufe 5 in Boxberg gegeben.