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| 01:12 Uhr

Frauenschicksale, die unter die Haut gehen

Weißwasser.. Über mehrere Jahre haben sich engagierte Weißwasseraner mit der Geschichte des Außenlagers Weißwasser des ehemaligen Konzentrationslagers Groß Rosen beschäftigt. Erst 50 Jahre nach der Befreiung durch den Faschismus, kamen die Schicksale der jüdischen Frauen und ihrer Familien, deren Leidensweg auch an den Baracken am Kromlauer Weg vorbeiführte, ans Licht. Von Angelika Brinkop

Ein Arbeitskreis unter Leitung von Diakon Ernst Opitz ist seit 1994 auf Spurensuche gegangen, um ein Zeichen gegen das Vergessen zu setzen.
Am Donnerstag wurden in der Stadtbibliothek Weißwasser die frisch gedruckte Broschüre mit dem Titel „Geschichte(n) vor der Haustür“ sowie eine Wanderausstellung präsentiert, die sich mit den Schicksalen der jüdischen Frauen, die im Arbeitslager Weißwasser des KZ Groß Rosen untergebracht waren, beschäftigen.
Angelika Mätzig und Gudrun Albrecht gehören zu den Mitgliedern des Arbeitskreises und haben sich während einer ABM sowie darüber hinaus mit der Problematik intensiv beschäftigt und unzähliges Material zusammengetragen. So hat man Kontakte zu Überlebenden geknüpft und und sich mit Museen in Washington, Israel oder Bergen-Belsen in Verbindung gesetzt. „Wo ich die ersten Berichte bekommen habe, war ich schon tief bewegt. So etwas Erschütterndes bekommt man nicht alle Tage zu lesen. Noch heute bekomme ich eine Gänsehaut, wenn ich daran denke, was viele Juden durchmachen mussten“ , erzählt Gudrun Albrecht. Dabei hatten die Frauen, die in Weißwasser Zwangsarbeit verrichten mussten noch Glück. Ihre Geschwister, Eltern und Freunde wurden in den Gaskammern von Auschwitz- Birkenau getötet. Für die Überlebenden ist es teilweise noch heute schwer, über die Grausamkeiten zu sprechen, die ihnen in der Nazizeit widerfahren sind. Einige konnten nicht einmal mit ihren Kindern darüber reden.
Doch fünf Frauen fanden die Kraft nach Weißwasser zurückzukehren und nahmen an der feierlichen Einweihung eines Gedenksteines am Kromlauer Weg teil. In vielen Diskussionsrunden mit Schulklassen berichteten Frauen wie Luiza Kovacs oder Magda Eggens über das dunkelste Kapitel deutscher Geschichte. Viele Schüler bekamen neue Eindrücke von der Zeit des Krieges. „Die Worte Opfer und Juden haben dadurch für uns ein Gesicht bekommen“ , schreiben Peggy Fehse und Peggy Petow auf einer der Anschauungstafeln. Auch Dirk Nieter, Schulleiter der 2. Mittelschule, freut sich, das mit dem neuen Material Geschichtsunterricht besser erlebbar gemacht wird. „Menschen sind erst dann tot, wenn wir sie vergessen“ , erinnerte er während der feierlichen Präsentation.

Hintergrund Außenlager Weißwasser
  1944 werden 300 ungarische Jüdinnen in Auschwitz für das Arbeitslager in Weißwasser ausgesucht.
Die Frauen und Mädchen mit feingliedrigen Fingern und guten Augen müssen in den Glasbetrieben Zwangsarbeit leisten.
An der Stelle am Kromlauer Weg, wo sich die Baracken befanden, wurde 2000 ein Gedenkstein enthüllt.
Die eindrucksvolle Ausstellung über das Schicksal einzelner Frauen ist gegenwärtig im Saal der Stadtbibliothek zu sehen und kann über die Kreismedienstelle ausgeliehen werden.