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Bauvorhaben
Foyer aus Dornröschenschlaf geweckt

Amtsgerichtsdirektor Martin Hinrichs freut sich über die sanierte Eingangshalle, wo viele Details an den ursprünglichen Bau 1910/1911 erinnern.
Amtsgerichtsdirektor Martin Hinrichs freut sich über die sanierte Eingangshalle, wo viele Details an den ursprünglichen Bau 1910/1911 erinnern. FOTO: Gabi Nitsche
Weißwasser. Nach umfangreicher Sanierung kann ab 2. Mai wieder im Amtsgericht Weißwasser verhandelt werden. Von Gabi Nitsche

Martin Hinrichs bekommt das Strahlen nicht mehr aus seinem Gesicht. Er steht in der Eingangshalle des Amtsgerichtes Weißwasser und freut sich, was mit dieser in den vergangenen Monaten gelungen ist. „Sie ist jetzt wieder in dem Zustand, wie sie 1910 gebaut wurde“, sagt der Amtsgerichtsdirektor. Nichts erinnert mehr an den eingemauerten Eingangsbereich. „Hier war alles zugebaut. Hier eine Wand, da eine Wand - das war zu DDR-Zeiten so erforderlich schon wegen der Kreis­urkundenstelle hier“, berichtet Hinrichs. Er zeigt auf die jetzt freie Niesche rechts neben der Treppe. Dort habe sich bis 2016 noch die Teeküche befunden, wo auch das Essen angeliefert wurde. Nichts erinnert mehr daran. Wer diese Halle betritt, dem rutscht unweigerlich ein anerkennendes „Wow“ über die Lippen. Die Decken und der obere Teil der Wände leuchten weiß, der Rest trägt  jetzt Grün. Es ist das Grün aus den Anfangsjahren. Ein Restaurator war im Auftrag des Staatsbetriebes Immobilien- und Baumanagement (SIB) hier zugange und hatte Farbproben genommen, wo die Baujahre des Gebäudes 1910/1911 verewigt sind.

„Auch das Ornament im Goldton ist dem Original nachempfunden“, weiß Hinrichs. Als er berichtet, dass auch der Stuck in der Halle und die Reliefs an den historischen Säulen wieder in alter Schönheit den Blick auf sich ziehen, gerät er ins Schwärmen. Denn diese waren ja genauso überpinselt wie die Wände. „Alles wurde Stück für Stück abgetragen.“

Seit August 2016 wird saniert, und ein Großteil der Mitarbeiter zog derweil in freie Räume des Grundbuchamtes an der Carl-Friedrich-Gauß-Straße. Eigentlich sollten die Arbeiten schon im vergangenen Sommer abgeschlossen sein. Doch aufgrund von fehlenden oder unwirtschaftlich hohen Angeboten  mussten mehrere Vergaben zum Bauvorhaben aufgehoben und erneut ausgeschrieben werden. Dadurch kam es zur Verzögerung.

Nun steht der Zieleinlauf am Marktplatz bevor. Der normale Amtsbetrieb kann am 2. Mai wieder hier aufgenommen werden. „Vom 23. bis 27. April ziehen wir alle wieder hierher zurück, und in dieser Woche ist das Amtsgericht dann auch geschlossen“, erläutert Geschäftsleiterin Sandra Fritsche. „Das bedeutet aber nicht, dass die anberaumten Verhandlungen ausfallen. Die finden alle wie vorgesehen statt. Und auch auf Notfälle sind wir in der Woche eingerichtet und telefonisch unter 03576 2847227 erreichbar“, informiert die „ranghöchste Rechtspflegerin, die für den gesamten inneren Dienstbetrieb zuständig ist“, wie Chef Hinrichs berichtet.

Über 1,18 Millionen Euro investierte das Land Sachsen in die Sanierung und verfolgte damit in erster Linie das Ziel, das Gericht behindertengerecht und brandschutzsicher herzurichten. „Ein Amtsgericht muss auch für einen Rollstuhlfahrer erreichbar sein“, betont Martin Hinrichs. Eine Forderung, die er schon vor Jahren aufgemacht hatte. „Doch der damalige Justizminister in Sachsen, ein FDP-Mann, hat die Sanierung grundsätzlich abgelehnt und gesagt, in dieses Gericht steckt er kein Geld rein. Dabei wäre das dringend notwendig gewesen. Denn seit der Wende wurde hier nur notdürftig etwas gemacht.“

Erst mit dem Nachfolger  2014 hatte die Behörde in Weißwasser wieder eine Chance. Auch die Schließungspläne wurden dann ad acta gelegt. Jetzt hat das Gebäude einen Aufzug erhalten. Installiert wurde dieser an der Außenseite zum Innenhof. Hinrichs freut das, denn: „Nun muss kein Rollstuhlfahrer mehr mit Muskelkraft durch den Fahrdienst des Roten Kreuzes und die Wachleute hier die Treppen hochgewuchtet werden.“ Ein neuer Empfangstresen wurde ebenfalls eingebaut, der die heutigen Sicherheitsanforderungen erfüllt. Zudem wurden die Elektro- und Heizungsinstallation überarbeitet und Maler- sowie Bodenbelagsarbeiten in den Büroräumen des Haupthauses durchgeführt. Von den sieben Büros und 21 Firmen, die an dem Projekt beteiligt waren, so die SIB, stammen 95 Prozent aus Sachsen und 70 Prozent kamen wiederum aus dem Landkreisen Görlitz und Bautzen.

Am Amtsgericht Weißwasser sind sechs Richter, einschließlich Martin Hinrichs, zehn Rechtspfleger und zwanzig Servicekräfte beschäftigt. Hinzu kommen drei Gerichtsvollzieher. Pro Woche werden hier zwischen 15 und 20 Fälle verhandelt. Laut Hinrichs kommen pro Jahr bis zu 350 Sitzungstage zusammen. Dabei gehe es um Straf-, Zivil- und Familienrecht. Zu wenig Personal habe er nicht, schätzt Hinrichs ein. „Wenn sich mal etwas zieht, dann hat das mit dem einzelnen Fall zu tun.“ Er weiß wohl, dass es bei Verwaltungs- und Sozial­gerichten anders aussieht und sich die Akten sinnbildlich oft bis an die Decke stapeln würden. „Die Justiz mahlt langsam, aber recht gründlich.“

Ein Hinweis hat Sandra Fritsche noch: Das Nachlassgericht und das Grundbuchamt bleiben weiterhin in der Außenstelle an der Carl-Friedrich-Gauß-Straße.

Das Amtsgericht in Weißwasser hat im Zuge der Sanierung auch einen Aufzug erhalten und ist nunmehr behindertengerecht.
Das Amtsgericht in Weißwasser hat im Zuge der Sanierung auch einen Aufzug erhalten und ist nunmehr behindertengerecht. FOTO: Gabi Nitsche
Die letzten Arbeiten stehen kurz vor dem Abschluss. Derzeit wird noch das neue Schließsystem eingebaut.
Die letzten Arbeiten stehen kurz vor dem Abschluss. Derzeit wird noch das neue Schließsystem eingebaut. FOTO: Gabi Nitsche
Ab 2. Mai wird im Amtsgericht Weißwasser wieder der normale Amtsbetrieb aufgenommen. Das altehrwürdige Gebäude ist fertig saniert..
Ab 2. Mai wird im Amtsgericht Weißwasser wieder der normale Amtsbetrieb aufgenommen. Das altehrwürdige Gebäude ist fertig saniert.. FOTO: Gabi Nitsche