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Fotokiste und Erinnerungen sind im Umzugsgepäck

Der Volkschor Eintracht kann auf eine 135-jährige Tradition zurückblicken. Jahrzehnte gehörten auch Waltraud Klumpe (erste Reihe 3.v.r.) und Werner Klumpe (oben 4.v.r.) zur Sangesgemeinschaft.
Der Volkschor Eintracht kann auf eine 135-jährige Tradition zurückblicken. Jahrzehnte gehörten auch Waltraud Klumpe (erste Reihe 3.v.r.) und Werner Klumpe (oben 4.v.r.) zur Sangesgemeinschaft. FOTO: R. Melcher
Bad Muskau. Bei der Jahreshauptversammlung des Volkschores Eintracht Bad Muskau wird am heutigen Mittwoch nicht nur Vergangenes bilanziert und Künftiges besprochen, sondern auch Abschied gefeiert. 44 und fast 40 Jahre hielten Waltraud und Werner Klumpe aus Bad Muskau dem Volkschor die Treue. Aus gesundheitlichen Gründen verlassen sie die Heimat und damit auch ihren Chor. Regina Weiß

Werner Klumpe holt die Chorkiste. Darin verstaut sind viele Fotos von Auftritten des Volkschores, mancher Artikel der RUNDSCHAU, aber auch Urkunden über die langjährige Mitgliedschaft des Muskauer Ehepaares in ihrem Chor. "Hier waren wir in Tschechien. Das ist mein Geburtstag, wo der Chor mir ein Ständchen singt. Hier sind Bilder, als das Fernsehen uns gefilmt hat", erzählt Werner Klumpe. Die Chorkiste und viele Erinnerungen werden mit umziehen, wenn Klumpes Pfingsten die Koffer und Möbel packen. Es geht an die Nordsee in die Nähe von Bremen. "Es sind gesundheitliche Gründe. Meinem Mann geht es dort oben einfach besser", erzählt Waltraud Klumpe. Und da man gemeinsam noch ein paar schöne Jahre erleben wolle, habe man sich auch im Rentenalter zum Umzug entschlossen.

Viel hat das Ehepaar gemeinsam mit dem Volkschor erlebt. Nicht verwunderlich: 1968 trat Waltraud Klumpe in den Chor ein. Singen war schon immer ihr Ding gewesen. "Am liebsten wäre ich auch Sängerin geworden. Doch meine Mutter war da ganz anderer Meinung. Ich sollte was Anständiges lernen, hat sie mir gesagt. Und am Ende wäre ein Studium auch wegen des Geldes nicht gegangen", so die 69-Jährige. Nach Schulchor und Auftritten mit Tanzkapellen fand sie ihre musikalische Heimat im Volkschor. Ein Cousin hatte sie "mitgeschleppt". Waltraud blieb beim Chor, der Cousin nicht. Dafür folgte Werner Klumpe seiner Frau zur Gemeinschaft. "Warum sollte jeder woanders hinrennen, so hatten wir etwas Gemeinsames. Nach der Schulnote gesehen, hätte das mit dem Singen gar nichts werden dürfen. Da hatte ich nämlich eine Vier", lacht Werner Klumpe. Doch der damalige Dirigent Jürgen Hubatsch sah das alles nicht so verbissen. Seitdem singt Werner Hubatsch Bass. "Am 1. Juni wäre ich 40 Jahre im Chor gewesen", klingt etwas Wehmut mit.

"Der Chor ist wie eine Familie", erklärt der 69-Jährige - mehr als nur eine Gemeinschaft, die sich demselben Hobby verschrieben hat. "Auch in Zeiten der Not steht man zusammen", kann Waltraud Klumpe mit eigenen Beispielen belegen. Aber genau so haben Klumpes auch für den Chor eingestanden. "Beim Geburtstag haben die Gäste zu Hause gesessen, weil wir in Weißkeißel Rundfunkaufnahmen gemacht haben", erinnert sie sich. Aber auch an drei Auftritte an einem Tag. "Bei den Jugendweihen waren wir gefordert." Damals haben die Betriebe Unterstützung geleistet, so dass Fahrten mit dem Bus kein Problem waren. Heutzutage sei mit den Beträgen der Vereinsmitglieder keine Sprünge zu machen. "Wir sind froh, dass wir in der Linde in Krauschwitz den Saal nicht bezahlen brauchen", so Werner Klumpe. Am heutigen Mittwoch werden Klumpes dort bei ihren Vereinsmitgliedern ihren Ausstand geben. Sicherlich mit einer Träne im Knopfloch.