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| 18:33 Uhr

Forstwirtschaft
Förster geben Hilfe zur Selbsthilfe

Der Weißkeißeler Revierleiter Matthias Kruner präsentiert hier einen rund 250 Festmeter umfassenden Holzpolter bei Weißkeißel. Die Holzpreise sind für Waldbesitzer trotz des hohen Sturmholzanteils nach wie vor attraktiv.
Der Weißkeißeler Revierleiter Matthias Kruner präsentiert hier einen rund 250 Festmeter umfassenden Holzpolter bei Weißkeißel. Die Holzpreise sind für Waldbesitzer trotz des hohen Sturmholzanteils nach wie vor attraktiv. FOTO: Richter-Zippack
Weißkeißel. Um rund 1400 Waldbesitzer kümmert sich der Weißkeißeler Revierleiter Matthias Kruner. Der Forstmann versteht sich dabei als echter Dienstleister. Von Torsten Richter-Zippack

Es sind Zahlen, die beeindrucken: rund 10 000 Hektar Fläche, gut 1400 Eigentümer, ein Revierleiter. Matthias Kruner aus Weißkeißel ist bereits seit 32 Jahren im forstlichen Revierdienst in der Region um Weißwasser tätig. Dieses erstreckt sich von den Neißedörfern im Osten bis zum Bärwalder See im Westen. Der Staatswaldanteil liegt im Promillebereich. Stattdessen verteilen sich die Forstflächen auf zahlreiche kleine und große Besitzer, darunter auch die Kommunen Weißwasser und Boxberg sowie die Kirchgemeinden von Nochten und Reichwalde. „Die Flächengrößen der einzelnen Parzellen bewegen sich zwischen 0,1 Hektar und mehreren 100 Hektar“, sagt Matthias Kruner. Seine Aufgabe als Sachsenforst-Revierleiter sei, die Flächeneigentümer in allen Fragen rund um ihren Wald zu beraten. „Wir Revierleiter verstehen uns als Dienstleister.“ Sprechtag ist normalerweise jeden Donnerstagnachmittag. „Doch tatsächlich bin ich an 24 Stunden am Tag sieben Tage die Woche erreichbar“, berichtet Kruner aus seinem Alltagsgeschäft. Pro Jahr komme er auf 300 bis 350 Beratungen, das entspricht statistisch gesehen tatsächlich einem Gespräch pro Tag. „Hilfe zur Selbsthilfe“ laute dabei die Devise. Das beinhalte beispielsweise auch Fragen zu neuen Förderprogrammen und zum Naturschutz.

„Manche Leute, die bei mir erscheinen, wissen nicht mal, wo sich ihr Wald eigentlich befindet“, sagt der Förster. So gebe es Forstabteilungen von rund 50 Hektar Größe, die 100 Flurstücke enthalten. Dann existieren Grundstücke, die seien 300 Meter lang, aber nur fünf Meter breit. „In rund 80 Prozent der Fälle finden wir mithilfe der Technik die entsprechenden Grenzpunkte“, erzählt Matthias Kruner. Allerdings, so schränkt er ein, könne diese Hilfe nicht die offizielle Vermessung ersetzen. „Wir leisten nur eine Mithilfe bei der Grenzfindung.“ Den Kleinwald-Besitzern empfiehlt der Experte, sich zusammenzuschließen, um die Flächen gemeinsam bewirtschaften zu können. Dadurch könnten Holzerntefirmen effektiver arbeiten.

Darüber hinaus berate der Weißkeißeler die Waldbesitzer in allen Fragen rund ums Pflanzen, die Pflege und die Ernte von Wald. „Klar fokussieren wir auf den Waldumbau, also weg von den reinen Kiefernforsten zu vitaleren Mischwäldern. Aber oft gibt es der Standort nicht her. Da folgt Kiefer auf Kiefer. Sie ist nun mal der Brotbaum der Lausitz.“ Tatsächlich bestehen die Wälder der Region Weißwasser zu 95 Prozent aus Kiefern. Die Standorte, insbesondere in der Heidelandschaft, sind zu nährstoffarm und zu trocken, um anderen Baumarten einen angemessenen Lebensraum bieten zu können. Doch in Richtung des Neißetals werden die Böden frischer und reichhaltiger. „Da wachsen dann auch Eichen, Buchen und weitere Gehölze“, sagt Kruner. Beispielsweise Weißtannen. „Im Rahmen eines Forschungsprojektes hatten wir im Jahr 1999 rund 1000 junge Weißtannen aus der Zerna nördlich von Bad Muskau ins Neißetal zwischen Sagar und Skerbersdorf gepflanzt. Und sie haben sich hervorragend entwickelt“, erzählt der Forstmann. Weißtannen können aufgrund ihrer Ansprüche an nur wenigen Orten im Lausitzer Tiefland optimal wachsen. Sie gelten hierzulande als ausgesprochen seltene Waldbäume.

Blick auf eine Schirmhiebfläche zwischen Weißkeißel und Sagar. Die Altbäume schützen die jungen Kiefern vor Starkniederschlägen und Frösten.
Blick auf eine Schirmhiebfläche zwischen Weißkeißel und Sagar. Die Altbäume schützen die jungen Kiefern vor Starkniederschlägen und Frösten. FOTO: Richter-Zippack

Haben die Gehölze eine bestimmte Größe und ein bestimmtes Alter erreicht, werden sie mittels verschiedener Verfahren geerntet. Im Gegensatz zu früheren Zeiten sind Kahlschläge über zwei Hektar Größe heute genehmigungspflichtig. Über das Ausmaß der zu erntenden Flächen entscheiden letztendlich ebenfalls Standort und das dortige Kleinklima. „Waldbesitzer in Sachsen sind in ihren Entscheidungen relativ frei“, sagt Matthias Krüner. Allerdings haben sie die Pflicht zur Walderhaltung. Nicht zuletzt stünden sie in der Verantwortung, wenn es um die Verkehrssicherheit geht. So sollte der Baumbestand an Straßen, Bahntrassen und ähnlichem regelmäßig kontrolliert werden.

Alle seine 1400 Waldeigentümer kennt der Revierleiter aus Weißkeißel nicht persönlich. Immerhin vier Fünftel seien in der Region beheimatet. Zudem ist Matthias Krüner selbst Besitzer von ein paar Hektar Wald. „Diese Fläche bewirtschafte ich in meiner Freizeit“, erklärt er. Also dann, wenn nicht gerade ein anderer Waldbesitzer mit einem Problem an den Forstmann herantritt.

Hier präsentiert Revierförster Matthias Krüner einen fast 20 Jahre alten Weißtannenbestand im Neißetal zwischen Sagar und Skerbersdorf. Die Bäume müssen viele Jahre gezäunt bleiben, da die Zweige dem Wild vorzüglich schmecken.
Hier präsentiert Revierförster Matthias Krüner einen fast 20 Jahre alten Weißtannenbestand im Neißetal zwischen Sagar und Skerbersdorf. Die Bäume müssen viele Jahre gezäunt bleiben, da die Zweige dem Wild vorzüglich schmecken. FOTO: Richter-Zippack

Darüber hinaus ist Matthias Krüner als Waldpädagoge unterwegs. In im Schnitt zehn bis 15 Veranstaltungen pro Jahr weckt oder verstärkt der Weißkeißeler bei Kindern und Erwachsenen das Verständnis für den Wald. „Der Wald ist so ein hochkomplexes System, da gibt es immer Neues zu entdecken“, weiß Matthias Krüner aus seiner jahrzehntelangen Berufserfahrung.