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| 19:23 Uhr

Zuwachs fürs Seenland
Weißwasser: Flutung des Hermannsdorfer Sees beginnt

Seit Freitagvormittag wird der Hermannsdorfer See bei Weißwasser mit Grubenwasser aus dem aktiven Tagebau Nochten geflutet. 
Seit Freitagvormittag wird der Hermannsdorfer See bei Weißwasser mit Grubenwasser aus dem aktiven Tagebau Nochten geflutet.  FOTO: Torsten Richter-Zippack
Weißwasser. Der nächste Lausitzer Alttagebau wird geflutet: Seit Freitag strömt Wasser in den Hermannsdorfer See bei Weißwasser. Von Torsten Richter-Zippack

Noch ähnelt die Grube, in der sich der Hermannsdorfer See füllen soll, eher einer Mondlandschaft als einem attraktiven Gewässer. Kiefern und Birken stehen zwischen Absenkungen und Aufschüttungen. An den tiefsten Stellen hat sich trotz der Dürre noch ein wenig Wasser vom letzten Gewitterguss gehalten. Doch dieses Bild wird sich bald erheblich ändern. Denn am Freitag, um Punkt 10.45 Uhr, haben der Görlitzer Landrat Bernd Lange (CDU) und Leag-Vorstand Uwe Grosser den Hahn aufgedreht. Jetzt strömt über einen rund 1,2 Kilometer langen Zuleiter das Wasser in den künftigen See. Mit Blick auf die lang anhaltende Trockenheit stellt Uwe Grosser klar, dass der Bergbaukonzern niemandem das wertvolle Nass wegnehme. „Es handelt sich ausschließlich um Grubenwasser.“ Dieses strömt zunächst in eine Anlage unweit von Spree und Spreestraße und wird dort behandelt. Anschließend erfolgt der Transport über eine knapp 13 Kilometer lange Rohrleitung bis zum offenen Zuleiter, der wiederum in den südöstlichen Hermannsdorfer  See einmündet.

Landrat Bernd Lange (CDU) ist vom warmen Flutungswasser so begeistert, dass er gleich ein spontanes Bad im Zuleiter des neuen Sees nimmt. 
Landrat Bernd Lange (CDU) ist vom warmen Flutungswasser so begeistert, dass er gleich ein spontanes Bad im Zuleiter des neuen Sees nimmt.  FOTO: Torsten Richter-Zippack

Nach Angaben von Ingolf Arnold, Leiter Geotechnik bei der Leag, wird das neue Gewässer eine Wasserfläche von 256 Hektar einnehmen und bis 25 Meter in die Tiefe reichen. Seit gestern werden bis zu zehn Kubikmeter Wasser pro Minute eingeleitet, die dank einer drei Meter starken Tonschicht nicht versickern können. Arnold rechnet bis zur Mitte des nächsten Jahrzehnts, bis die Flutung abgeschlossen sein wird, insgesamt rund 24,3 Millionen Kubikmeter vor. Allerdings müsse dem Gewässer anschließend noch über Jahrzehnte Wasser zugeführt werden, um Verluste, beispielsweise durch Verdunstung, auszugleichen. Erst um das Jahr 2060, so rechnet Leag-Wasserexperte Dr. Thomas Koch, werde das Einzugsgebiet mit einer Größe zwischen 1100 bis 1200 Hektar selbstständig funktionieren. Nach und nach solle ein System aus Zuflüssen mit einer Gesamtlänge von 17 Kilometern etabliert werden.

Bis zum Jahr 2004 wurde Kohle im Bereich des künftigen Sees gefördert. Anschließend erfolgte die Schüttung des Seebeckens sowie der Uferkanten. Nicht zuletzt modellierten die Bergleute zwei Inseln und eine Halbinsel. Komplett vollendet ist das Gewässer aber noch nicht. Demnächst beginne die Errichtung eines fast zwei Kilometer langen Dammes für den Hochwasserschutz. „Anderenfalls besteht die Gefahr, dass bei Hochwasser die nahe B 156 überschwemmt wird“, erklärt Arnold.

Eines wird es am Hermannsdorfer See jedenfalls definitiv nicht geben, und zwar einen Badestrand. „Das Gewässer bleibt komplett dem Naturschutz vorbehalten“, stellt der Görlitzer Landrat Bernd Lange klar. Schließlich bildet die Fläche ein neues Refugium für zahlreiche seltene Pflanzen- und Tierarten. Im Südbereich haben die Bergleute extra eine Flachwasserzone angelegt, in der Vögel ungestört rasten und nebenan auch brüten können. Direkt anschließend befinden sich die Neuen Jeseritzen, ein von der Leag initiiertes Moor, das den Ausgleich für die überbaggerten Jeseritzen fast an gleicher Stelle bildet. „Alle umgesetzten Pflanzen sind auch angewachsen“, erklärt der Biologe Dr. Wolfgang Böhnert, der seit vielen Jahren für die Leag die Umweltbeobachtungen tätigt. Jetzt habe zwar die Dürre manchen Gewächsen zugesetzt, so sei der Sonnentau vertrocknet. „Aber im nächsten Jahr ist er wieder da“, verspricht Böhnert.

Wer die Flutung des Hermannsdorfer Sees mitverfolgen will, kann dazu den Panorama-Aussichtspunkt am Radweg, der vom Schweren Berg nach Nochten führt, nutzen. Ansonsten befindet sich das Gewässer im Bergbaugebiet der Lausitzer Energie Bergau AG und darf nicht betreten werden.

Leag-Vorstand Uwe Grosser, Landrat Bernd Lange sowie Leag-Entwässerungsspezialist Steffen Garbsch (v.r.) lassen das erste Wasser in den Zuleiter zum Hermannsdorfer See fließen.
Leag-Vorstand Uwe Grosser, Landrat Bernd Lange sowie Leag-Entwässerungsspezialist Steffen Garbsch (v.r.) lassen das erste Wasser in den Zuleiter zum Hermannsdorfer See fließen. FOTO: Torsten Richter-Zippack