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| 17:05 Uhr

Kommunalpolitik
Floriansjünger sieht Feuerwehr Weißwasser in Gefahr

Der stellvertretende Wehrleiter der Freiwilligen Feuerwehr Weißwasser, Sven Müller.
Der stellvertretende Wehrleiter der Freiwilligen Feuerwehr Weißwasser, Sven Müller. FOTO: Gabi Nitsche
Weißwasser. Stadträte verhindern mit Einstellungsstopp die Besetzung des Wehrleiterpostens. Von Gabi Nitsche

Bei der freiwilligen Feuerwehr in Weißwasser brennt es lichterloh. „Wir haben ein akutes Problem, und das haben nicht wir verursacht“, sagt Sven Müller. Der stellvertretende Wehrleiter ist in großer Sorge. „Wir haben keinen Wehrleiter mehr“, bringt er es auf den Punkt. Marcel Nestler, Berufsfeuerwehrmann bei der Werksfeuerwehr der Leag, hatte sich Anfang Februar bereit erklärt, kommissarisch die Verantwortung als Wehrleiter zu übernehmen. Und das bis zum 30. Juni 2018. In der Zeit sollte die Stadtverwaltung alle notwendigen Schritte vornehmen, um im Anschluss wieder einen hauptamtlichen Wehrleiter einzustellen. „Die Frist ist abgelaufen, und es gibt keine Lösung“, so Sven Müller enttäuscht.

 Die Schuld liege dafür nicht beim OB, betont der Floriansjünger. „Die Stadtverwaltung hat die letzten Monate anscheinend nicht genutzt, um die Einstellung rund zu bekommen. Denn es gab ja eine Bewerbung auf die öffentliche Ausschreibung. Und jetzt verhindert der Stadtrat mit seinem Beschluss zum Einstellungsstopp die Sache total.“

 Sven Müller, der seit mehr als 29 Jahren freiwillig in der Feuerwehr ist, kann das überhaupt nicht nachvollziehen. „Im Herbst haben die gleichen Stadträte noch den Brandschutzbedarfsplan beschlossen, einschließlich der Personalausgaben. Und jetzt das.“ Das sei das schlechteste Zeichen, welches die Kommunalpolitiker den ehrenamtlichen Brandschützern geben können. „Es wird überall von Respekt geredet. Wo bleibt der Respekt uns gegenüber?“, fragt Müller. Er habe Angst, dass Kameraden jetzt abspringen, denn der Motivation diene die jetzige Situation überhaupt nicht.

Oberbürgermeister Torsten Pötzsch (Klartext) bestätigt auf RUNDSCHAU-Anfrage, dass die Feuerwehr keinen Wehrleiter hat. „Jetzt bin ich als OB auch Feuerwehr-Chef“, das sehe sein Amt so vor. Nach der Stadtratssitzung vorige Woche sei er bei den Kameraden gewesen. „Denn am 30. Juni endete die Zeit für Marcel Nestler als kommissarischer Wehrleiter. Wir haben vereinbart, dass ich mich um eine Lösung bemühe bis Mittwoch und er so lange noch bleibt. Ich habe keine Lösung gefunden“, so Pötzsch.

Auch er befürchtet, die Kameraden könnten kurzen Prozess machen und alles hinschmeißen. „Deswegen habe ich mich vor der Debatte zum Haushalt noch einmal eindringlich an die Räte gewandt und hingewiesen, wie dringend notwendig eine einsatzbereite und kompetente Feuerwehr ist. Mit dem einstimmig beschlossenen Brandschutzbedarfsplan haben wir uns dazu bekannt.“

Sven Müller geht hart zu Gericht mit Rat und Verwaltung: „Die Kameraden haben ein Recht darauf, ordentlich geführt zu werden. Wir machen das ehrenamtlich, lassen alles stehen und liegen, vernachlässigen unsere Familien, um anderen zu helfen.“ Müller betont: „Es geht um die Sicherheit der Bürger.“ Und die sieht der gestandene Feuerwehrmann in Gefahr. Von neun Personalstellen bei den hauptamtlichen Kräften der Feuerwehr sind zwei Stellen nicht besetzt.   Es wäre dringend notwendig, das nachzuholen. Denn als das markanteste Defizit der Feuerwehr Weißwasser, das ein externer Gutachter den Räten bei der Erläuterung des Brandschutzbedarfsplanes aufgezeigt hatte und bei dem dieser den Handlungsbedarf unterstrich, ist der Personalmangel. Zur Erklärung: Die Wehr in Weißwasser setzt sich aus hauptamtlichen und ehrenamtlichen Kräften zusammen. Angesichts der finanziellen Misere Weißwassers wurde auch in der Vergangenheit immer wieder die Frage laut, ob bei den Hauptamtlichen reduziert werden soll. Doch nach Auffassung der Fachleute ein no-go. Nur die Freiwilligen alleine reichen nicht aus, um die Einsatzbereitschaft wie gefordert abzusichern, so die Experten.