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Finanzielle Nachbarschafts-Hilfe nötig

Weißkeißel. Im Sommer ist es 17 Jahre her, dass sich die Weißkeißeler, obwohl ihnen nicht zum Feiern zumute war, mit einem Fest von ihrer Schule verabschiedet haben. Damals ging eine 230-jährige Schulgeschichte zu Ende und die jüngsten Weißkeißeler ab dem Jahr 2000 in die Grundschule Sagar. Regina Weiß

Diese hat zwar zu Teilen "erst" mehr als 40 Jahre auf dem Buckel, aber einen erheblichen Sanierungsbedarf. Das weiß man im Krauschwitzer Amt seit Längerem und bemüht sich deshalb um machbare (Förder-)Wege.

Einen solchen hat man mit "Vitale Dorfkerne und Ortszentren im ländlichen Raum" kurzfristig aufgetan. Die positive Nachricht konnte der Krauschwitzer Bürgermeister Rüdiger Mönch (CDU) seinen Räten am Dienstag verkünden. 710 000 Euro gibt es aus diesem Topf. Dem gegenüber stehen Sanierungskosten von rund 950 000 Euro, wie Planerin Anne Petrick am Donnerstag sagte. Das passierte im Gemeinderat Weißkeißel. Denn auf die Hilfe des Nachbarn sind die Krauschwitzer angewiesen, wollen sie das Schulprojekt stemmen.

"Wir wären sehr, sehr dankbar und froh, wenn sich Weißkeißel beteiligen würde", so Kämmerin Maren Helbig. Sie hat ausgerechnet, was das in Euro bedeuten würde. Grundlage dafür sind die Einwohnerzahlen der Orte. So verbleiben 169 000 Euro bei Krauschwitz und 61 249 Euro bei Weißkeißel. Die Eigenmittel waren noch einmal reduziert worden, weil sich beispielsweise der Förderverein der Schule am geplanten Bolzplatz beteiligt.

Nun liegt es an den Weißkeißelern. Die Ratssitzung am Donnerstag diente der Meinungsbildung. Entschieden werden soll im März. Darüber geredet wird schon länger, wie Bürgermeister Andreas Lysk (parteilos) erinnerte. Als ihn sein Amtskollege erstmals ansprach, hatte Lysk auch seine Bedenken. Schließlich ist es kein Gebäude der Gemeinde Weißkeißel. "Ich hatte aber auch schon eine Mutter im Büro stehen, die dann gefragt hat, wo ihr Kind künftig in die Schule geht. Da habe ich tief Luft geholt", so Lysk. Schließlich stand in Rede, dass Krauschwitz die Grundschule Sagar künftig nur noch einzügig laufen lässt und die Schulvereinbarung mit Weißkeißel aufkündigt. Dann wären für Weißkeißels Kinder nur die Grundschulen in Weißwasser in frage gekommen. "Doch unsere Kinder gehören auf eine Dorfschule", so Lysk.

Sollte der Gemeinderat dem Krauschwitzer Ansinnen zustimmen, dann fordert Weißkeißel Gegenleistungen. So soll in der Schulvereinbarung die Kündigungsfrist von einem auf zehn Jahre erhöht werden, um eine Sicherheit zu haben. Außerdem wird festgelegt, dass Krauschwitz das Geld zweckgebunden erhält. Dies soll ein Vertrag regeln, der sicherlich auch der Rechtsaufsicht vorgelegt werden muss.

Gemeinderat David Buder (Freie Wählergemeinschaft) überzeugte das nicht. Aus seiner Sicht gebe es überhaupt keine rechtliche Handhabe, bekomme doch Krauschwitz über die Schlüsselzuweisungen zweckgebundenes Geld vom Freistaat für seine Schulen. 130 000 Euro sind es für die Grundschule und diese gehen laut Kämmerin für den laufenden Betrieb drauf oder werden für Anschaffungen benötigt.

"Dass man euch nicht hilft, ist eine Sauerei", redete sich Gemeinderat und SPD-Bundestagsabgeordneter Thomas Jurk in Rage. Damit meinte er nicht die Gemeinden, die das Ganze nun lösen sollen, sondern das Land. Nun müsse man im Interesse der Kinder, aber nach dem Motto "friss oder stirb" handeln. Denn mit der nun angestrebten Sanierung werden nur die notwendigsten Sachen, aber die Schule nicht zukunftsfit gemacht, merkte Jurk an. Dafür wären 2,4 Millionen Euro notwendig gewesen, hatte Planerin Anne Petrick nach Untersuchung von drei Varianten herausgefunden. Ein Verbindungsbau hätte Haupthaus und Nebengebäude verbunden. Die Turnhalle wäre abgerissen worden. "Doch als klar war, dass anders als beim Konjunkturpaket die Fördermittel nun mit der Gießkanne verteilt werden, da war der Traum leider geplatzt", so Mönch.

Geplant ist nun, Brandschutztüren und einen zweiten Rettungsweg einzubauen. Das Geländer sowie die alte Heizungsanlage werden erneuert. Rohrdurchführungen und Elektronanlagen werden auf den neuesten Stand gebracht. Die Südwest-Fassade erhält Jalousien und das Nebengebäude neue Fenster und eine Dachdämmung. An der Turnhalle werde wenig gemacht.

"Das Thema Brandschutz ist nicht wegzudiskutieren", so Lysk mit Blick auf die Probleme, die in Sagar gelöst werden müssen.

"Wir haben nicht schlecht gewirtschaftet", erklärt Mönch die Zwickmühle der Kommune. Stecken doch zwei Kredite in der Oberschule Krauschwitz. Weiteres Geld darf sich die Gemeinde nicht mehr pumpen. Denn das macht sie schon für ihre täglichen Geschäfte. Der Kassenkredit beträgt 950 000 Euro.

Da war es nicht verwunderlich, dass Maren Helbig fast feuchte Augen bekam, als Kämmerer Rico Jung über die finanzielle Situation von Weißkeißel sprach. Trotz eines schwierigen Jahres 2016 - Stichwort Gewerbesteuer-Rückzahlung - kommt der Ort gut über die Runden. Derzeit beträgt sein Vermögen 388 000 Euro.