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| 03:28 Uhr

Filmemacher kämpft gegen Umweltsünden

Thomas Jacob war ein erfolgreicher Filmemacher in der DDR. Er hat auch nach der Wende als Regisseur mit zahlreichen Schauspielstars gearbeitet. Der 69- Jährige interessiert sich für gesellschaftliche Prozesse, prangert Missstände an und scheut sich nicht vor Auseinandersetzungen. Er wollte als Gemeindevertreter seine Gemeinde Märkische Heide aktiv mitgestalten, verließ das Gremium aber wegen unüberbrückbarer Differenzen. Thomas Jacob legt dennoch weiter den Finger in Wunden.

Können Sie noch ruhig schlafen?
Ja natürlich.

Obwohl Sie zahlreichen Leute ziemlich Kopfschmerzen bereiten? Sie haben schließlich den Asbestskandal in ihrer Gemeinde öffentlich und sich damit nicht nur Freunde gemacht.
Ich kann doch bei Umweltsünden nicht tatenlos zusehen, nicht wegschauen, wenn Müll in den Wald gekippt wird. Und ich kann es nicht ertragen, wenn die dafür verantwortlichen Leute nicht zur Verantwortung gezogen werden. Wenn die Verwaltung nichts unternimmt, mache ich das halt als Bürger. Ich verstehe nicht, dass der Bürgermeister nicht wütend wird, wenn Asbest in Wege in der Gemeinde eingebaut wird. Zudem ärgert mich, dass der Bürgermeister nicht von sich aus die Initiative ergriffen hat, um das Asbestproblem nicht zum Skandal werden zu lassen. Stattdessen mussten wir Bürger dafür sorgen, dass das Umweltvergehen öffentlich wurde. Auch die Gemeindevertretung bezieht keine klare Position. Er distanziert sich genauso wenig wie der Bürgermeister von diesem Umweltskandal, den ein Gemeindevertreter als Geschäftsführer der zuständigen Baufirma zu verantworten hat.

Was sind Ihrer Ansicht nach die Gründe für ein derart reserviertes Verhalten?
Zu viele Menschen in unserem Land sind desinteressiert an gesellschaftlichen Prozessen, hinterfragen vieles nicht. Schon während der DDR-Zeit haben viele Leute geglaubt, was die Obrigkeit erzählt und sich keine eigenen Gedanken gemacht - so wie heute auch. Dass sich vor allem die Jugend so wenig für Politik interessiert, ist für mich eine große Enttäuschung. Junge Leute haben in der heutigen Spaßgesellschaft offenbar mit sich selbst genug zu tun.

Das ärgert Sie?
Na klar. Die Leute müssten kämpferischer sein, viel mehr auf die Straße gehen, sich gegen Umweltsünden und andere Missstände wehren. Ich würde mir wünschen, dass sich mehr Bürger für Gerechtigkeit und soziale Politik engagieren.

Und warum tun viele Menschen das nicht in ausreichendem Maß?
Weil sie merken, dass sie zwar ihre Meinung sagen können, sich aber nichts ändert. Es geht in Deutschland immer nur um wirtschaftliche Interessen, so wie aktuell auch beim Nachtflugverbot am neuen Flughafen BER. Menschliche Belange interessieren die Politiker immer nur vor Wahlen. Zu dieser bitteren Erkenntnis bin ich auch während der Diskussion um Windkraftanlagen in unserer Gemeinde gekommen. Wir Bürger können unsere Rechte einfach nicht durchsetzen. Deshalb sind viele Leute politikverdrossen.

Sie haben mit Christoph Sehmsdorf und Anderen den Verein Pro Spree und Wald vor ein paar Jahren gegründet, warum?
Wir hatten die Hoffnung, etwas bewegen zu können. Die Bürger haben uns in den Gemeinderat gewählt, wollten, dass wir ihre Interessen dort vertreten. Wir können doch nicht tatenlos zuschauen, wie unsere Kulturlandschaft gewissenlos durch Windkraftanlagen zerstört wird und Windräder immer näher an Wohnhäusern gebaut werden. Es gibt alternative Standorte für Windparks, etwa in stillgelegten Tagebauen oder auf ehemaligen militärischen Flächen. Auf keinen Fall darf die Windkraftlobby das Gesicht unserer Dörfer weiter zerstören wie bisher.

Sie sind Sprecher der Volksinitiative "Rettet Brandenburg", einem Zusammenschluss von Bürgerinitiativen im Land Brandenburg. Wer macht dort mit?
Etwa 50 Bürgerinitiativen sind dort vertreten. Wir fordern etwa den Schutz der Natur, einen Mindestabstand von zwei bis drei Kilometer zwischen Windrädern und Wohnhäusern, vor allem einen Dialog statt Bevormundung. Ein Dialog mit der Politik findet nicht statt. Mit zahlreichen Aktionen machen wir Druck auf die Landesregierung, auch auf kommunale Entscheidungsträger.

Mit welchen Erfolg?
Wir versuchen, Brandenburger Bürgerinitiativen zu motivieren,

der Windkraftlobby nicht kampflos das Terrain zu überlassen. Zudem haben wir drei geplante Windparks in der Gemeinde Märkische Heide verhindert und uns in meinem Wohnort Glietz zwei Mal erfolgreich gegen den Bau einer Broilermastanlage gewehrt. Es gab sehr große Solidarität vieler Bürger, aber leider nicht von unserem Bürgermeister Dieter Freihoff, der die Investoren unterstützte.

Kämpfen lohnt sich also?
Auf jeden Fall. Wer sich nicht wehrt, hat schon verloren. Ich kann doch nicht hinter der Gardine sitzen und zuschauen, wie sich Andere engagieren. Und durch kämpfen bleibt man jung.

Sie haben drei Jahre lang im Gemeinderat gekämpft, sind dann aber als Gemeindevertreter zurückgetreten, warum?
Weil ich nicht das erreichen konnte, was ich mir erhofft hatte. Ich wollte andere Gemeindevertreter anregen über Probleme nachzudenken, bevor sie eine Entscheidung treffen. Das war aber nicht möglich. Ich habe menschliches Verhalten in dem Gremium vermisst.

Dennoch verfolgen Sie fast jede Gemeindevertretersitzung als Gast, stellen dort unbequeme Fragen, die nicht jedem gefallen.
Ich spüre schon die Reaktionen, merke, dass Andere von meinen Fragen genervt sind.

Waren Sie auch früher schon so kämpferisch?
Ja. Ich wollte mich schon in der DDR in gesellschaftliche Prozesse einbringen, etwas für die Umwelt tun. Doch die Gefahr, als Regimekritiker kaltgestellt zu werden, war mir zu groß. Die Hoffnung, dass sich etwas ändert, hatte ich immer, erst recht nach der Wende. Ich habe aber schnell gemerkt, dass es im Westen nur um Oberflächlichkeit und um das schnelle Geld geht. Selbst als Filmemacher konnte ich mich nicht wie erhofft in die Gesellschaft einbringen. Medien sind oft nur Scheinwelten.

Zahlreiche Filme in Ost und West tragen ihre Handschrift. Sie haben etwa "Die Frau im roten Kleid" und "Mein Traum von Afrika" gedreht, auch Regie bei den Stubbe- Folgen und zahlreichen "Polizeiruf 110"- Serien geführt, zudem während der Bergdoktor-Serien mit zahlreichen Schauspielstars gearbeitet. Ihre Filme haben sie nicht nur in Deutschland, sondern in vielen Ländern, auch in Afrika gedreht. Hat Ihre Arbeit Sie geprägt?
Ich denke schon. Sie hat auf jeden Fall meinen Horizont erweitert. Ich hatte ja mit so vielen unterschiedlichen Menschen zu tun, musste mich immer wieder auf neue Herausforderungen einstellen, mich ständig beweisen. Das schärft natürlich den Blick fürs Leben.

Mit Thomas Jacob sprach

Andreas Staindl

Alle Interviews können Sie noch einmal nachlesen unter www.lr-online.de/interview

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Thomas Jacob ist Jahrgang 1943, in Dresden geboren und in Großenhain aufgewachsen. Er ist Regisseur und Drehbuchautor, war ein erfolgreicher Filmemacher in Ost und West. Der Vater zweier Söhne ist geschieden. Er kaufte 1984 ein Haus in Glietz (Gemeinde Märkische Heide) - seinem festen Wohnsitz seit 1992.