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| 12:54 Uhr

Brandschutz und Historie
Feuerwehr-Oldtimer erobern Weißwasser

Weißwasser. Historik-Treffen am 2. Juni mit über 60 Fahrzeugen. Förderverein widmet sich Thema „Gewalt gegen Rettungskräfte“.  Von Gabi Nitsche

Sie haben zwei Jahre in den Garagen ausgeharrt. Jetzt wird es Zeit, sie wieder einmal der interessierten Öffentlichkeit zu präsentieren – die historischen Fahrzeuge von Feuerwehren aus dem nördlichen Teil des Landkreises Görlitz. Frisch poliert und gewienert können die Schmuckstücke am Samstag, 2. Juni, ab 9 Uhr auf dem Weißwasseraner Kohlestauplatz bewundert werden. Denn dort findet das 4. Oldtimertreffen statt.

Vor zwei Jahren war das 135-jährige Bestehen der Bad Muskauer Wehr der Anlass für ein solches Zusammenkommen. „In diesem Jahr ist es der Förderverein der Freiwilligen Feuerwehr Weißwasser, der vor zehn Jahren gegründet wurde“, erklärt Jürgen Herzog. Er ist seit vielen Jahren hauptamtlicher Floriansjünger in Weißwasser und zählt sich zu den enthusiastischen Schraubern von zwölf Vereinen und Wehren, die sich vor einigen Jahren in der AG Feuerwehrhistorik im nördlichen Teil des Landkreises Görlitz zusammenfanden.

Auf den Gedanken, so eine Gruppe zu gründen, war Herzog mit Maik Schuster aus Gablenz und Heinz-Dieter Götteritz aus Rietschen gekommen. 2012 erlebten Fans und Technik die Premiere dieser Treffen, damals war Rietschen dann auch der erste Gastgeber.

Mit Gleichgesinnten der Wehren zum Beispiel aus Boxberg, Gablenz und auch Schleife bereitet Jürgen Herzog das bevorstehende Treffen vor. „Mehr als 60 Fahrzeuge mit Baujahren zwischen 1940 und 1990 sind dabei.“ Im Mittelpunkt stehen die TLF15 G 5, von denen Spremberg eins hat, das 65 Jahre alt ist. Wie der Organisator berichtet, werden in Weißwasser dazu Teilnehmer aus den verschiedensten Gegenden mit ihren TLF erwartet. Jürgern Herzog nennt Beispiele wie Torgelow, Rehfelde, Sächsische Schweiz. Einige werden schon am 1. Juni in der Feuerwache Weißwasser erwartet und würden dann sicherlich schon eine Runde durch Weißwasser drehen.

Am 2. Juni können die Fans historischer Technik die Schmuckstücke auf dem Kohlestauplatz bewundern, ebenso die zwölf Handdruckspritzen, die bei Vorführungen zeigen, dass sie noch bestens funktionieren. Die Kameraden legen dazu historische Uniformen an.

Mehr als die Hälfte der Oldtimer-Löschfahrzeuge startet gegen 12 Uhr zu einem Korso. „Der führt uns dann von Weißwasser über Halbendorf nach Schleife. Denn dort startet zum zehnten Mal ein SR 1- und 2-Treffen. Das passt doch super“, ist Herzog überzeugt. Von Schleife geht es voraussichtlich über Trebendorf zurück nach Weißwasser. Eigentlich sei Groß Düben geplant gewesen, aber aufgrund von Straßenbauarbeiten funktioniere das nicht und wurde abgewählt. Die Jüngsten haben sicherlich ihren Spaß mit der Atze-Feuerwehr.

Doch die Technik-Ausstellung und der Korso machen den Tag längst nicht komplett. Stichwort Förderverein. Vor zehn Jahren aus der Taufe gehoben, wollen die Mitglieder vor allem eins: die Weißwasseraner Feurwehr stärken und die Kameraden spürbar unterstützen, wenn diese ihren wichtigen und aufopferungsvollen Dienst erfüllen. Das betont Vereinsvorsitzender Jörg Lübben.

Der „brennt“ für diese Sache. Das wissen die Kameraden zu schätzen und dankten es ihm jetzt auf besondere Art und Weise. Während der Jahreshauptversammlung verliehen sie Jörg Lübben die Ehrenmitgliedschaft. Diese hohe Ehrung war bisher nur dem Gründer der freiwilligen Wehr, dem jüdischen Industriellen Joseph Schweig, zuteil geworden. Lübben setzt sich, wenn immer es notwendig ist, für die Floriansjünger ein. Ein Thema, das ihn und die Kameraden gleicherweise umtreibt, ist die Gewalt gegen Rettungskräfte. Es vergehe kaum ein Tag, an dem nicht irgendwo in Deutschland Feuerwehrleute und Rettungskräfte angepöbelt oder gar angegriffen werden. „Wir nehmen das zum Anlass, einen Thementag mit Podiumsdiskussion zu veranstalten. Mit unserer Veranstaltung wollen wir zum Nachdenken und zur Diskussion anregen“, sind sich Jörg Lübben und Wehrleiter Marcel Nestler einig. Sie wollen unter der Überschrift „Respekt? Ja, bitte!“ einen Impuls geben, aufzeigen, wo die konkreten Probleme liegen und welchen Handlungsbedarf es gibt.

Der stellvertretende Kreisbrandmeister Gerd Preußing hat es Anfang 2018 folgendermaßen formuliert: Die Ursachen, warum jetzt immer häufiger Helfer von Feuerwehren und Rettungsdiensten körperlicher oder psychischer Gewalt ausgesetzt sind, sind vielschichtig. Hierzu gehören laut Preußing veränderte soziale Strukturen in unserer Gesellschaft mit sinkender Hemmschwelle und verstärkter Bereitschaft zu Gewalt. „Hinzu kommt, dass die Repräsentanten von Organisationen und der Staatsgewalt nicht mehr uneingeschränkt geachtet und respektiert werden.“ Feuerwehrleute und Rettungsdienstmitarbeiter werden, sagt er, genauso wie die Polizei, als Vertreter dieser Staatsgewalt wahrgenommen. „Aggression und Gewalt gegen Einsatzkräfte müssen neben der strafrechtlichen Bewertung auch gesellschaftlich geächtet werden.“ Die gesellschaftliche Stellung der Einsatzkräfte als „Helfer“ darf nicht gefährdet werden. Staatsanwaltschaften und Gerichte müssen Gewalttaten und Beleidigungen gegen Einsatzkräfte zügig verfolgen und konsequent ahnden, fordert Gerd Preußing im Namen der Kameraden.