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| 16:23 Uhr

Jahreshauptversammlung der Feuerwehr Krauschwitz-West
Feuerwehr-Aufgaben werden vielfältiger

 Jörg Koschkar (l.) ist 2017 neu in die Krauschwitzer Wehr eingetreten.
Jörg Koschkar (l.) ist 2017 neu in die Krauschwitzer Wehr eingetreten. FOTO: Christian Köhler
Die Kameraden in Krauschwitz-West blicken auf 2018 zurück. Schaulustiger behindert die Arbeiten der Retter bei Verkehrsunfall. Von Christian Köhler

Es ist eine Oktobernacht, als von Weißwasser aus kommend ein Auto mit einem Pkw zusammenrasselt, der gerade aus der Geschwister-Scholl-Straße in Krauschwitz an Bendels-Kreuzung abbiegen will. Als die Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr Krauschwitz-West gegen 1.30 Uhr am Unfallort eintreffen, ist auf dem ersten Blick nur ein demoliertes Fahrzeug zu sehen. „Das andere haben wir auf einem angrenzenden Feld entdeckt“, berichtet Dirk Enax von der Feuerwehr während der Jahreshauptversammlung der Wehr am Freitag. Bei der anschließenden Rettung am sehr frühen Morgen – der Einsatz dauerte bis 7.30 Uhr – „ist uns sehr aufgestoßen, dass mehrere Personen als Schaulustige unsere Arbeit behindert haben“, so Enax. Die Polizei hatte in jener Nacht einen Mann davon abhalten müssen, die Arbeiten der Rettungskräfte nicht weiter zu stören. „Darauf hin zerstörte er Ausrüstungsgegenstände von uns“, berichtet Enax weiter.

Der Fall zeigt, dass die Arbeit der Feuerwehren im Altkreis Weißwasser nicht nur vielfältiger werden, sondern sich die Retter auch immer öfter mit Randgeschehnissen beschäftigen müssen, die alles andere als erfreulich sind. „Die Belastung wird immer größer“, bestätigt Enax. Während in 2017 gut 30 Einsätze der Ortswehr angestanden haben, sind es 2018 vor allem wegen Sturmschäden Anfang des Jahres 25. „Neben neun Brandeinsätzen, 14 technische Hilfeleistungen und zwei Verkehrsunfällen leisteten die Kameraden insgesamt 229,6 Arbeitsstunden ab“, berichtet Ortswehrleiter Sebastian Otto.

Allerdings gibt es nicht nur Negatives zu berichten. So „konnten wir zwei gut ausgebildete Kameraden für unsere Wehr gewinnen“, berichtet der Ortswehrleiter. Darauf allerdings wollen sich die Krauschwitzer nicht ausruhen. Insgesamt 695 Ausbildungsstunden stehen zu Buche. Zudem haben die Feuerwehrleute an der internationalen Übung im Rahmen des Integrationsprojektes der Feuerwehr Bad Muskau und Gablenz mitgewirkt. „Man muss generell sagen“, so der Krauschwitzer Gemeindewehrleiter Holger Liermann, „dass die Zusammenarbeit der Ortswehren in Krauschwitz und den umliegenden Gemeinden sehr gut funktioniert.“ Das bestätigt auch der Ortswehrleiter, der davon berichtet, dass man im vergangenen Jahr gemeinsame Ausbildungen absolvierte – so etwa Lehrgänge mit Krauschwitz-Ost, der Feuerwehr in Sagar oder Skerbersdorf.

„Auch unsere Alters- und Ehrenabteilung ist nach wie vor eine große Stütze für unsere Wehr“, richtet sich Otto an die Kameraden. Sie übernimmt Aufgaben wie etwa die jährliche Kontrolle der Hydranten oder Verpflegungsaufgaben bei vielen Anlässen. Ein besonderer Höhepunkt bei der Versammlung am Freitag ist zudem die Auszeichnung von Gudrun Schöngart. Die Krauschwitzerin ist seit 50 Jahren im Dienst der Feuerwehr.

Mit Kritik richtet sich darüber hinaus der Ortswehrleiter an die Gemeindeverwaltung, bei der sich „starke Defizite in der Umsetzung ihrer Aufgaben“ zeigt. Bürgermeister Rüdiger Mönch (Freie Wähler) erklärt, dass die Gemeindeverwaltung unzählige Aufgaben erfüllen muss. Er bittet daher „um Verständnis, wenn nicht alles sofort umgesetzt werden kann“. Nach der abgewählten Fusion von Krauschwitz mit Bad Muskau durch die Bürger, so Mönch, „wird es für uns als Verwaltung nicht einfacher“. Die Gemeinde befinde sich auf Konsolidierungskurs, lasse sich durch eine externe Beratungsfirma aufzeigen, wo weitere Sparpotenziale liegen. „Das soll aber nicht zu Lasten der Feuerwehr gehen“, verspricht er. Dass die Gemeinde es geschafft hat, in diesem Jahr einen Transporter über eine EU-Förderung zu beschaffen, „der nicht nur der Feuerwehr, sondern allen zugute kommt“, sei ein großer Erfolg. Zudem solle die neue Bekleidung für die Ortswehren im Frühjahr kommen.

Dass der Freistaat stärker in die Feuerwehren investiert und damit das Ehrenamt weiter stärkt, freut auch den stellvertretenden Kreisbrandmeister des Landkreis Görlitz Gerd Preußing. Immerhin hatte der Kreis alle Wehren angeschrieben und die Bedarfe abgeklopft, die sich in den vergangenen Jahren angehäuft haben. „Dabei ist eine Investitionssumme von etwa 32 Millionen Euro herausgekommen“, berichtet Preußing. Umso erfreulicher sei es da, dass „im Vergleich zu 2017 sich die zur Verfügung gestellten Gelder fast verdoppelt haben“. Während sich nach Angaben von Gerd Preußing die Fördermittel für die Wehren im Landkreis noch auf 1,9 Millionen Euro eingependelt haben, haben 2018 insgesamt 3,6 Millionen Euro für Investitionen zur Verfügung gestanden. „Und wir konnten alle 76 gestellten Förderanträge bewilligen“, sagt er. Das sei eine Kraftanstrengung gewesen, denn erst im Sommer wurde das Budget erhöht.

Erstmalig gab es 2018 zudem eine 50 Euro Pauschale für jeden aktiven Kameraden vom Land. „Dazu zählt der Stichtag 31. Dezember“, erklärt Gerd Preußing. Zusätzlich gebe es zwei Mal 1000 Euro vom Land als Untersützung für den Erwerb eines Lkw-Führerscheins. Von den 53 Gemeinden im Kreis könnten so 106 Führerscheine gefördert werden, „aber wir haben 2018 nur 50 Anträge erhalten“, so Preußing. Für Krauschwitz resümiert er: „Die Wehr ist auf einem guten Weg. Wir müssen aber enger zusammenrücken, denn mehr Köpfe werden wir nicht.“