Schon die alten Germanen machten solch Frühlingsfeuer für die ganze Dorfgemeinschaft und oft wurde dabei ein Fest gefeiert. Daraus entwickelten sich in den verschiedenen Gegenden verschiedene Traditionen, die zum Teil noch heute gepflegt werden. Bei manchen der Frühlingsfeuer wurde des Winters als Person gedacht und als Strohpuppe verbrannt. Oder andere böse Dämonen, auch hexenähnliche, wurden stellvertretend für alles Böse als Puppen verbrannt. Der Zeitpunkt war auch verschieden: In einigen Gegenden ist das Frühlingsfeuer zu Ostern, bei uns in der Oberlausitz in der Walpurgisnacht, also am 30. April. Der 1. Mai ist der Namenstag der heiligen Walpurgis, die für die Feuer am Vorabend nur den Namen hergegeben hat. Aber am Vorabend des 1. Mai war auf Bergen, besonders auf dem Blocksberg, also auf dem Brocken, ein großes Hexentreffen, wie es Goethe im Faust beschrieben hat. Da tanzten die Hexen ums Feuer herum!

Stellte man sich im Mittelalter die Hexen als böse Geister vor, so wurden in der Neuzeit zunehmend Personen als mit dem Teufel im Bunde stehend empfunden. Diese Hexenlehre war Teil der kirchlichen Lehre, die auch von Luther vertreten wurde. Dies ging als Straftatbestand in die weltlichen Gerichte ein und so wurden im 16. und 17. Jahrhundert etwa 50 000 Frauen (in Skandinavien überwiegend Männer) auf großen Holzhaufen öffentlich verbrannt. Diese Grausamkeiten sind eine schwere Schuld der Kirche und der öffentlichen Massenhysterie.

Vor diesem Hintergrund erschrecke ich jedes Jahr, wenn "Hexen" bei den herrlichen Frühlingsfeuern verbrannt werden. Aufgeklärte Menschen und auch Christen wissen doch, dass es keine bösen Geister gibt und dass eigene Bosheiten nicht kleiner werden, wenn andere Menschen verbrannt werden. Nichts rechtfertigt die öffentliche Verbrennung einer Puppe, denn sie ist doch ein Symbol für einen lebendigen Menschen!

Also lasst die Frühlingsfeuer lodern und tanzt um sie herum!