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| 12:48 Uhr

Schlossweihnacht
Pücklerreich wandelt sich zum Märchenschloss

Festlich: das  illuminierte Neue Schloss Bad Muskau zur Schlossweihnacht.
Festlich: das illuminierte Neue Schloss Bad Muskau zur Schlossweihnacht. FOTO: amz
Bad Muskau. Advent im Bad Muskauer Wahrzeichen setzt auf Besinnlichkeit.

Zahlreiche Besucher hat die neunte Schlossweihnacht im und um das Neue Schloss im Muskauer Park in ihren Bann gezogen. Ein festlich illuminiertes Wahrzeichen, viele Attraktionen, keine kommerziellen Händler – das ist bei den Gästen auf große Resonanz gestoßen.

Als am Vortag des zweiten Advent mit dem Einbruch der Dämmerung die Menschen zum Neuen Schloss strömen, fällt vor allem ein Wort: Märchenschloss. Tatsächlich präsentiert sich der Pücklersche Bau festlich illuminiert. Zahllose Lichter lassen das imposante Gebäude richtig zur Geltung kommen.

„Unser Elektriker Rainer Hallaschk hat wieder ganze Arbeit geleistet“, lobt Dietmar Damzog von der Stiftung „Fürst-Pückler-Park Bad Muskau“, die das Spektakel organisiert. Hinzu gesellen sich Hunderte kleine Fackeln rund um das Schloss. Nicht wenige Besucher sagen, dass diese Szene durchaus aus dem Grimm’schen Märchenbuch stammen könnte.

Mehr noch: Bereits zum zweiten Mal präsentiert sich die große Fichte neben dem Schloss mit bunten Lichtern festlich geschmückt. „Damit verfolgen wir eine Pückler-Idee“, erklärt der Bad Muskauer Parkdirektor Cord Panning. „Denn in den ‚Andeutungen über Landschaftsgärtnerei‘ berichtet der Fürst über den Jagdpark bei Weißwasser, wo er zu Weihnachten eine Fichte komplett schmücken ließ“, sagt Panning. „Diesen Gedanken haben wir zur Schlossweihnacht aufgegriffen.“

Im Innenhof des Neuen Schlosses herrscht ein reges Gewimmel. Links und rechts bieten mehrere Stände ihre Waren feil. Dabei handelt es sich um Vereine und weitere Pro­tagonisten aus der Region. Beispielsweise die „Powerfrauen“ aus Weißwasser. „Wir verkaufen heute wieder Punsch, auch alkoholfreien für Kinder. Die Erlöse kommen einem guten Zweck zugute“, verrät Powerfrau Christina Piche. Seit dem Jahr 2009, damals fand die erste Schlossweihnacht statt, seien genau 16 271 Euro an Spenden zusammengekommen. Diesmal werde das Geld in die sogenannte „Exedra-Bank“ investiert, die im Herbst 2018 anlässlich Pücklers 233. Geburtstag (30. Oktober) im Badepark eingeweiht werden soll.

Einen Scheck über 500 Euro überreichen die Mitarbeiterinnen des Energieunternehmens EnviaM an Parkdirektor Panning. Auch diese Summe fließe in die halbrunde formschöne Bank, kündigt der Fachmann an. Das Exemplar erfahre eine komplett neue Gestaltung. Wo sich das Original befindet, könne indes wohl niemand mehr so genau sagen.

Zur Schlossweihnacht zugegen ist auch die Astrid-Lindgren-Schule aus Weißwasser. Angeboten werden von den Schülern liebevoll angefertigte Deko-Artikel, beispielsweise Eulen und Igel aus Ton, Anhänger, Teelichter und vieles mehr. „Mit dem Erlös wollen wir endlich um unseren Bolzplatz einen hohen Zaun errichten“, sagt Madeleine Troll, Vorsitzende des Fördervereins der Einrichtung. Die Schüler würden schon sehnsüchtig darauf warten. Bislang fliege der Ball öfter mal dorthin, wo er eigentlich nichts zu suchen hat.

Auch im Schloss selbst geht es hoch her. Beispielsweise bei Familie Klenner. Die Bad Muskauer haben in der zweiten Etage ihre Garteneisenbahn aufgebaut. Die Züge rollen, manche sogar mit Musik, und erfreuen die Herzen der Besucher. Franz Klenner, so verrät sein Bruder Manfred, baue seit mehreren Jahren den alten Bad Muskauer Bahnhof nach. Wann das Modell vollendet sein soll, sei unklar.

Reger Betrieb herrscht auch im Schlosscafé, das der „Freundeskreis Historica Bad Muskau“ organisiert. Erstmals sind dazu die Besucher in den Festsaal des Schlosses eingeladen. Nach Angaben von Regina Barufke vom Verein warten 30 verschiedene Kuchen, natürlich alle von den Frauen selbst gebacken, auf die Gäste. Wer es herzhaft mag, greift indes zur „Fettbemme“, für die Kinder gibt es eine Bastelstraße.

Warum die Schlossweihnacht bei den Besuchern so gut ankommt, erklärt Bürgermeister Andreas Bänder so: „Es geht dabei nicht um das Kommerzielle. Geboten werden stattdessen Kultur und Kulinarik von Leuten aus der Region. Diese einzigartige Atmosphäre tut der Seele einfach gut.“ Und wer möchte nicht mal in einem Märchenschloss zu Gast sein? Fürst Pückler hätte sicherlich nichts dagegen gehabt.

(amz)