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Oberlausitz
Felsklettern auf sicheren Füßen

Zittau.. Das Landratsamt Görlitz erlässt eine Allgemeinverfügung für das Zittauer Gebirge. Neue Kletterfelsen sollen jetzt nicht mehr erschlossen werden. Von Uwe Menschner

Der Landkreis Görlitz hat eine Kletterkonzeption für das Zittauer Gebirge erarbeitet und in Form einer Allgemeinverfügung rechtsgültig gemacht. Damit schafft er Rechtssicherheit für das Klettern an allen 130 vom Deutschen Alpenverein (DAV) aufgelisteten Kletterfelsen im kleinsten Mittelgebirge Deutschlands. Dies war insbesondere in Bezug auf die 50 Felsen nötig, die nicht in den aktuell gültigen Kletterführern für das Zittauer Gebirge aufgeführt sind.

„Laut Bundesnaturschutzgesetz zählen offene Felsbildungen zu den geschützten Biotopen, die nicht zerstört oder erheblich beeinträchtigt werden dürfen“, erläutert Landrat Bernd Lange (CDU). Dies betreffe auch das Felsklettern. Das Sächsische Naturschutzgesetz schaffe allerdings die Möglichkeit, dass das Klettern unter anderem im Zittauer Gebirge „im bisherigen Umfang“ möglich bleiben soll, solange es auf schonende Art und Weise erfolgt. Die Kletterfelsen, für die diese Ausnahmeregelung zutrifft, müssten in den jeweils geltenden Kletterführern aufgelistet sein. Dies sei jedoch nur bei 80 der insgesamt 130 genutzten Felsen der Fall.

„Um eine solche rechtliche Klarheit zu schaffen, trat der DAV im Jahr 2009 mit dem Wunsch an die Naturschutzbehörde heran, ein ‚Kletterkonzept Oberlausitz‘ zu erarbeiten“, so der Görlitzer Landrat.  Im Zuge mehrerer Studentenarbeiten der Hochschule Zittau/Görlitz seien in den Folgejahren zunächst Entscheidungshilfen für ein solches Konzept erstellt worden. Dabei wurde festgestellt, dass das Klettern an Einzelfelsen stark zurückgegangen ist und aktuell keine erheblichen Beeinträchtigungen durch den Klettersport zu verzeichnen sind. Lediglich die stark frequentierten Klettersteige weisen demnach bedenkliche Abriebschäden auf und an manchen Standorten ist die Zuwegung unklar, so dass sich unnötig viele Trampelpfade gebildet haben. „Daher haben sich DAV und Naturschutzbehörde auf die Festlegung von Zuwegungen geeinigt, um das Aufsuchen der Kletterfelsen zu lenken und somit Trittschäden zu vermeiden“, betont Landrat Bernd Lange. Neue Kletterfelsen sollen aufgrund der landschaftlichen Bedeutung der Felsenlandschaft und des Biotopschutzes nicht ausgewiesen werden.

Die Ursprünge des Kletterns im Zittauer Gebirge reichen bis ins späte 19. Jahrhundert zurück. Die erste nachweisbare Besteigung fand am 10. November 1875 auf dem Nördlichen Uhustein statt. Es folgten der Schalkstein, der Jonsdorfer Mönch und der Spitzstein. Albert Goldammer beschrieb 1936 in seinem Buch „Bergsteigen in Sachsen“ erstmals 40 Kletterfelsen mit 58 Aufstiegen im Zittauer Gebirge. In einem 1952 herausgegebenen Kletterführer des Zittauer Gebirges hatte sich diese Zahl bereits auf 53 Klettergipfel mit 128 Aufstiegen erhöht (Quelle: DAV-Sektion Zittau). In der Folgezeit kamen ständig weitere Gipfel hinzu, sodass schließlich die Zahl von etwa 130 Kletterfelsen erreicht war, die jetzt nicht mehr weiter ansteigen soll. Im August 2017 hat der DAV Zittau sein „Informationssystem für Klettersportler im Lausitzer- und Zittauer Gebirge“ online gestellt, das unter fizig.de im Internet abrufbar ist.