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Fantasievoll gestaltete Schönheiten

Sorbische Ostereier von ihr.
Sorbische Ostereier von ihr. FOTO: Gabi Nitsche
Schleife. Das Eiermalen ist Erika Röseberg-Zosels Lebenselixier. Die 80-Jährige aus Weißwasser sammelt aber genauso leidenschaftlich Ostereier-Kunstwerke. Gabi Nitschel

Für das Sorbische Kulturzentrum (SKC) in Schleife ist es immer einer der Höhepunkte im Jahr, eine Oster-Sonderausstellung zeigen zu können. In diesem Jahr dreht sich alles um "Lebenswerk und Sammlerleidenschaft" von Erika Röseberg-Zosel aus Weißwasser. Eine "ganz wundervolle" Ausstellung ist es laut SKC-Chefin Sylvia Panoscha.

Siegfried Neumann setzt diese Schau mit einem "Ritterschlag" seiner Mutter durch die Sorben gleich. Denn in der Vergangenheit galten seiner Meinung nach nur diese als Koryphäen der Ostermalerei. Er freue sich sehr für seine Mutter, so der 60-jährige, der älteste ihrer drei Söhne.

Über 700 Ostereier lassen sich seit Freitag in den Schleifer Glasvitrinen bewundern. Egal ob diese von Huhn, Gans, Emu, Strauß oder Wachtel stammen - eine farbenfrohe und künstlerische Vielfalt lässt den Betrachter in Verzückung geraten. Wobei die sorbisch verzierten Eier in der Mehrzahl sind.

Erika Röseberg-Zosel ist unheimlich stolz, dass sie all das einmal zeigen darf. "Herzlichen Dank, dass Sie mich zu dieser Ausstellung überredet haben", wandte sie sich an Sylvia Panoscha. Der Anlass war der 80. Geburtstag der Künstlerin. Für sie bedeute die Ostereiermalerei ihr Leben. "Es gibt ja nicht nur Freude im Leben. In meinen 80 Jahren hatte ich auch Sorgen, große Sorgen und Probleme. Das Eiermalen hat mir über vieles hinweggeholfen." Sie fügt hinzu: "Ich bin in mein Zimmer gegangen, habe gemalt, und dann war ich glücklich." Daran habe sich bis heute nichts geändert. Sie sei froh, immer noch ein ruhiges Händchen, gute Augen zu haben und darüber "dass in meinem Gehirnkästchen auch noch alles in Ordnung ist".

Auslöser ihrer Mal-Leidenschaft war ein sorbisches Osterei, ein Geschenk einer Nachbarin für die damals Elfjährige. Das Mädchen war begeistert von den Motiven auf dem Ei und versuchte sich selbst im Verzieren. Ihre Mutter übernahm das Färben, erinnert sie sich. Etwas älter geworden, waren es Ostereier in der Wachs-Batiktechnik, die sie gestaltete. Dafür nutzte sie die wenige Freizeit zwischen dem Aufziehen dreier Jungs und dem Beruf, erzählt sie Freitagabend.

Sie habe im Laufe der Jahre ihr Können immer weiterentwickelt und das "einsam in meinem Kämmerlein", denn unter ihren Freunden oder Bekannten waren damals keine Sorben. In Kontakt mit besagten "Koryphäen" sei sie erst gekommen, als sie sich am sorbischen Ostereier-Wettbewerb in Bautzen beteiligte. Viele Preise und vordere Plätze erlangte die Weißwasseranerin fortan.

Da hatte sie ihre Söhne längst mit dem Mal-Virus angesteckt. Sohn Reinhard habe ihr sogar ein ums andere Mal "das Wasser abgegraben". "Er erlangte den ersten Platz, ich den dritten", gibt Erika Röseberg-Zosel preis und winkt schmunzelnd ab.

Mit viel Liebe zum Detail, Freude und Stolz, so beschrieb es Sylvia Panoscha, habe die 80-Jährige Ostereier von ihrer Familie in der Ausstellung arrangiert. Dazu gehören außergewöhnliche Arbeiten in der Kratztechnik ihres Sohnes Siegfried Neumann, ein liebevoll gekratztes Eichhörnchenei ihrer Schwiegertochter Katja Schmidt-Röseberg, Bossiertechnik-Eier ihres Sohnes Olaf Röseberg, mit Blumenmotiven verzierte Gänseeier ihres Ehemanns, ein sehr gelungenes Bossiertechnik-Gänseei ihres Enkels Erik und sehr beeindruckende Preisträgerkollektionen in der mehrfarbigen Wachsbatiktechnik ihres Sohnes Reinhard Neumann.

Erika Röseberg-Zosel selbst beherrscht perfekt die Wachs-Batik- und -bossiertechnik, wie die ovalen Kunstwerke in Schleife bezeugen.

Doch nicht nur das. Internationale Ostereiermärkte weckten auch die Sammlerleidenschaft in ihr. So gelangte sie zu Ostereiern zum Beispiel aus Finnland, Rumänien, der Ukraine und China.

Mit jedem gesammelten Ei verbindet die 80-Jährige eine Geschichte. Entweder erzählt diese von demjenigen, der das Ei gestaltete. Oder sie erinnert sich an Episoden, wie ein Ei in ihre Sammlung gelangte. Am Freitagabend plauderte Erika Röseberg-Zosel ein bisschen aus dem Nähkästchen. So würde sie zum Beispiel nie mehr den ersten Kontakt mit einer Verziererin vergessen, die die sorbische Ritztechnik anwandte. "Als ich die ganz natürlichen Muster sah, liefen mir die Tränen vor Freude, so schön war das anzusehen." So machte sich die Weißwasseranerin vor vielen Jahren ans Werk und sagte sich: "Verflixt noch mal, du musst das doch fertigbringen", erinnert sie sich. Und sie brachte es fertig. Dabei lasse sie ihrer Fantasie freien Lauf. Ihre Liebe zur Natur spiegelt sich dabei wieder. Blaumeisen sitzen auf kleinen Zweigen, Schmetterlinge fliegen umher und andere Lebewesen oder Pflanzen auf Eiern machen diese zu etwas ganz Außergewöhnlichem. Die filigranen Muster und Motive zeugen von Erika Röseberg-Zosels Fingerfertigkeit.

Den Grund, warum sie im Laufe der Jahre die Wachs-Bossier-Technik - hierbei werden die Motive mit farbigem Wachs auf die Eier aufgetragen - immer stärker anwandte, verriet sie am Freitag: "Ich hatte Probleme mit der Westfarbe. Du konntest zwei Stunden die Eier färben, und es wurde trotzdem nichts. Und die Eier waren auch nicht mehr das, was sie mal waren." Denn die Qualität hänge vom Futter ab, was die Hühner bekommen.

Eine Erfahrung gibt sie an diesem Abend ebenfalls weiter: "Es ist kein sorbisches Ei, wenn man diese typischen Motive nicht einhält: Sonnenrad, Wolfszähnchen. Dazu setze ich Ecken und flechte Blüten ein." Sie bevorzugt größere Eier zum Verzieren, da habe sie mehr Fläche, um ihrer Kreativität freien Lauf zu lassen. Das zeigt sie in Schleife mit ihren aktuellen Kunstwerken auf Emu-, Nandu- und Gänseeiern sowie einem Schwanenei.

Zurück zu ihrer Sammlerleidenschaft. Aus anfänglichem Eiertausch entwickelten sich langjährige Freundschaften. "Vor zwanzig Jahren rief mich eine Frau an und bat um Eier. Ich packte die schönsten sorbisch verzierten Batikeier ein und schickte sie ihr. Sie fragte, was es kostet. Darauf ich: Wenn sie selbst verzieren, dann reden wir nicht über Geld. Schicken sie mir auch Eier." So machten es die Frauen viele Jahre. Inzwischen habe die Bekannte ihr Augenlicht verloren. Ihr zu Ehren hat Erika Röseberg-Zosel deren gestaltete Ostereier jetzt mit ausgestellt.

Dann sei da auch Karin Poindl. Sie und Erika Röseberg-Zosel kennen sich von früher aus Weißwasser, verloren sich eines Tages aus den Augen, weil Poindles nach Berlin zogen. "Letztes Jahr rief sie mich an, da fiel ich fast vom Stuhl. Und heute ist sie hier, und darüber freue ich mich sehr." Karin Poindl war jedoch nicht mit leeren Händen gekommen. In einer Vitrine sind deren "tierische Schmuckstücke" platziert: braune Hasen, Schneehasen, kleine Küken und eine Gans. Und alles sind Ostereier.

Besuchern wie Simone Urbank aus Halbendorf gefiel das. Es sei mal etwas anderes, sagte sie, die ebenfalls die sorbische Eiermalerei aus dem Effeff beherrscht.

Wenn die Ausstellung Ende April wieder abgebaut wird, "dann kommen die ganzen Eier nicht etwa in Kisten", kündigt Erika Röseberg-Zosel schon einmal an. Zuhause warten fünf Glasschränke dafür. "X-mal am Tag komme ich an diesen vorbei, gucke auf die Eier und erfreue mich daran." Genauso ergehe es ihr, wenn sie selbst Hand anlegt und Stund um Stund geradezu in Perfektion Ostereier kunstvoll verziert. "Das ist mein Hobby, aber eigentlich viel mehr. Es füllt mich aus." Das Malen gibt ihr innere Ruhe und Gelassenheit, das Betrachten des fertigen Eies Zufriedenheit.

Zum Thema:
Die Oster-Sonderausstellung der Sammlerin und Ostereiergestalterin Erika Röseberg-Zosel ist bis zum 30. April zu sehen. Geöffnet ist das Sorbische Kulturzentrum dienstags bis freitags von 10 bis 17 Uhr, sonntags von 13 bis 17 Uhr. Ostern wird geöffnet Karfreitag, Ostersonnabend, Ostersonntag und Ostermontag jeweils von 13 bis 17 Uhr. Der Eintritt ist für Kinder frei, für Erwachsene beträgt er einen Euro.