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Fahrradklingeln statt Dampfwolken

Mit dem Fahrrad fahren, wo einst die Züge dampften: Zwischen Czorneboh und Bieleboh ist das möglich.
Mit dem Fahrrad fahren, wo einst die Züge dampften: Zwischen Czorneboh und Bieleboh ist das möglich. FOTO: Uwe Menschner
Cunewalde. Das ist Strukturwandel in Reinkultur: Wo früher Eisenbahnlokomotiven ihre Dampfwolken ausstießen, ertönt künftig das helle Läuten von Fahrradklingeln. So geschah es auf der Trasse der früheren "Kreisbahn" zwischen Görlitz und Königshain, und so geschieht es künftig auch im Cunewalder Tal zwischen Bautzen und Löbau. Uwe Menschner /

Am vergangenen Freitag wurden im "schönsten Tal der Oberlausitz" - so zumindest das Selbstverständnis der Gemeinde Cunewalde - im Beisein des sächsischen Ministerpräsidenten Stanislaw Tillich (CDU) die ersten beiden Abschnitte für den Radweg auf der früheren Eisenbahnstrecke Bautzen-Cunewalde-Löbau offiziell ihrer Bestimmung übergeben. Zwischen den früheren Haltepunkten Halbendorf (Stadt Schirgiswalde-Kirschau) und Cunewalde konnte bereits seit Juni 2012 "inoffiziell" geradelt werden. Frisch fertiggestellt hingegen wurde der 4,3 Kilometer lange Abschnitt zwischen Cunewalde und Obercunewalde. "Und für den dritten Abschnitt, der bis Kleindehsa (Gemeinde Lawalde, Landkreis Görlitz) führen soll, steht der Baubeginn für Juni in Aussicht", so der Cunewalder Bürgermeister Thomas Martolock (CDU). Der abschließende 4. Bauabschnitt soll im kommenden Jahr bis an die Tore Löbaus herangeführt werden. Die Gesamtlänge beträgt dann knapp 15 Kilometer. Die Anbindung an das Löbauer Zentrum scheitert an der Ortsumfahrung der B 178, die die Stadt wie ein Riegel umgürtet.

Ursprünglich sollte der Radweg bereits zur Landesgartenschau im Vorjahr in Löbau fertig sein. "Dass daraus nichts geworden ist, hat die Freude zwar ein wenig getrübt, doch wenn ich etwas geschenkt bekomme, warte ich auch gern etwas länger", hatte Bürgermeister Thomas Martolock bereits in seiner Festrede zum Cunewalder Neujahrsempfang Augen zwinkernd erklärt. Die Kosten für die bereits fertiggestellten Abschnitte in Höhe von 1,07 Millionen Euro tragen komplett der Freistaat Sachsen und die EU.

In die Freude über den Radweg mischen sich bei vielen Cunewaldern allerdings noch immer Wehmut über den Verlust der direkten Bahnanbindung an die benachbarten Städte Bautzen und Löbau. Die Strecke war im Jahre 1890 zunächst von Großpostwitz bis Obercunewalde in Betrieb gegangen, erst 1928 wurde die Erweiterung bis Löbau abgeschlossen. Der letzte Reisezug verkehrte im Jahre 1997, der Güterverkehr war bereits 1995 eingestellt worden. Bemühungen des Ostsächsische Eisenbahnfreunde e.V. um einen Museumsbetrieb auf der Strecke scheiterten, der Abbau der Gleise erfolgte 2008.