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| 18:09 Uhr

Seenland
Fahrgastschiff kommt später

Blick auf den Klittener Hafen. Auf der linken Seite soll die neue Anlanderampe für das Fahrgastschiff entstehen. Klitten ist der Standort, der die wenigsten Probleme macht.
Blick auf den Klittener Hafen. Auf der linken Seite soll die neue Anlanderampe für das Fahrgastschiff entstehen. Klitten ist der Standort, der die wenigsten Probleme macht. FOTO: Regina Weiß
Boxberg. Anladetechnik am Bärwalder See wird teurer als geplant. Komplexes Planungsverfahren.

Beim Portal „jobs oberlausitz“ wird von der Erlebnisschifffahrt Oberlausitz GmbH nach einem ausgebildeten Schiffsführer für den Bärwalder See gesucht. Doch wann der Kapitän erstmals in See stechen kann, steht derzeit noch in den Sternen. Dabei war die Jungfernfahrt vom Investor bereits für Ende März dieses Jahres geplant gewesen. Ministerpräsident Stanislaw Tillich war dafür sogar schon eingeladen worden. „Doch den MP gibt es ja auch nicht mehr“, stellt Gemeinderat und Investor Armin Hoffmann am Montagabend etwas ernüchtert fest. Vor 2019 werde das Fahrgastschiff wohl keine Runden drehen.

In der Ratssitzung hatte Helmut Perk vom Planungsbüro Sweco GmbH den aktuellen Bearbeitungsstand zu den Anlanderampen und der Helling (Werftplatz) geschildert. Diese sind nach seinen Angaben nicht die große Herausforderung, wenn es um das Bauen geht. Es gehe dabei quasi um Straßen, die schräg in den See führen und Dalben, die zum Festmachen des großen Fahrgastschiffes eingelassen werden müssen.

Aber der Weg bis dorthin hat es in sich. Die Planungsphase sei eine hochkomplexe Angelegenheit. Sie reicht vom Wind- und Wellengutachten bis hin zum Blick auf den Boden auch unter der Wasserlinie. Und da tun sich einige Probleme auf. So hat der größte See Sachsens durchaus seine Tücken. Er kann nicht nur große Wellen aufbauen, sondern sorgt durch seine Wasserkraft für einen erheblichen Transport von Sedimenten. Boxberg und Uhyst sind davon besonders betroffen. Auch die jetzt vorhandenen Anleger an beiden Uferbereichen haben mit den Anspülungen von Sand zu kämpfen. „Wenn man so etwas weiß, dann muss man das in den Planungen auch beachten. Schließlich bedarf alles auch einer Genehmigung“, so Helmut Perk gegenüber der RUNDSCHAU.

Hinzu kommt die Bodenbeschaffenheit. Mit Blick auf Boxberg sei die Böschung verdichtet. Alles, was unter der Staulamelle von 121 Metern liege, sei mit Baggern aufgeschobener Boden. Man könne zwar auch da alles bauen, aber irgendwann sei es nicht mehr bezahlbar. So um die drei Millionen Euro könnten zusammenkommen, hören die Räte in Boxberg. Undenkbar. Deshalb sind allein für den Boxberger Standort neun Varianten untersucht worden. Und eine Vorzugsvariante scheint sich herauszukristallisieren. Dafür ist es aber auch notwendig, dass man in die Böschung hineingeht, zumindest für die Rampe, die in Boxberg sehr zentral installiert werden soll und von einer Mole eingehaust wird. Die Helling „wandert“ in Richtung Hundestrand. Beides zusammen werde voraussichtlich rund 1,5 Millionen Euro kosten. Doch bis es soweit ist, soll in Boxberg eine temporäre Anlage kommen, wegen der Dringlichkeit. Diese soll dort entstehen, wo derzeit das Feuerwehrboot eingeslippt wird. Für Gemeinderat und Feuerwehrmann Gunna Sock ein Unding. „Wie kriegt dann die Feuerwehr ihr Boot in den See?“, fragt er aufgebracht. Den Weg nach Klitten mit dem Boot auf dem Anhänger schließt er aus. „Dann brauchen wir eine Dreiviertelstunde, bis wir auf dem Wasser sind“, wirft er kritisch ein.

Die temporäre Anlegestelle sei wichtig, damit das Fahrgastschiff nicht nur an einer Stelle anlegen kann. Zuerst könne nämlich in Klitten gebaut werden. Dort ist die Lage am unkompliziertesten. Links neben dem vorhanden Hafen könnte es in diesem Jahr losgehen.

Für Uhyst gilt es noch, Varianten abzugleichen, auch wenn sich hierder Bau im westlichen Bereich abzeichne; dort, wo die Zufahrt mündet und der Parkplatz vorhanden ist.

Parallel zu den Planungsarbeiten geht es bei einem solchen Projekt auch ums Geld. Boxberg ist als Folgenutzungsträger finanziell mit im Boot. Die Lausitzer und Mitteldeutschen Bergbau-Verwaltungsgesellschaft (LMBV) ist Projektträger der Maßnahme, die über Paragraf-4-Mittel (Braunkohlesanierung/touristische Folgenutzungen) zu Großteilen abgedeckt werden soll. „Und wir müssen hoffentlich nur zehn Prozent zahlen“, drückt Bürgermeister Achim Junker (CDU) die Daumen. Ob es wirklich so sein wird, kann derzeit noch keiner genau sagen. 20 Prozent stehen, zehn sind in Verhandlungen. Bis Ende Januar, so ein Vertreter der LMBV am Montagabend, soll ein Ergebnis vorliegen.