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| 05:32 Uhr

Motorsport
Lausitz-Neuling holt sich in Boxberg den Sieg

21. Lausitz-Rallye am Bärwalder See (Sonntag) FOTO:
Boxberg . Die 21. Lausitz-Rallye rund um Boxberg ist Geschichte. Sie endet mit einem Sieg für Fabian Kreim und Frank Christian. Für die beiden war es der erste Start in der Lausitz. Von Regina Weiß

Springt er an oder nicht? Lars Schmidt guckt auf das Auto von Matthias Kahle. Beim ersten Startversuch passiert nichts. Beim zweiten Mal röhrt das Auto los. Na bloß gut, sonst hätte man vielleicht noch anschieben müssen, unkt die Familie rum. Das wäre dann aber mal ein Startbild bei der Lausitz-Rallye gewesen...

Den Ferienbesuch bei der Oma in Waldhufen haben die Schmidts mit dem Ausflug zur Rallye verbunden und drücken Matthias Kahle samt Co-Pilot Christian Doerr gleich 14-fach die Daumen. Leider können sie beim zweiten Wettkampftag nicht mehr dabei sein, weil sie dann auf der Autobahn wieder nach Memmingen, also Richtung Bayern, unterwegs sind.

KW, B, GTH, WSW, CB, ERZ, WB, FZ (Polen), V, Z, DD, PIR – das sind die Kennzeichen von Autos, die am zweiten Wettkampftag auf nicht mal 100 Meter Straße in Schadendorf parken. Gefühlt die halbe Republik ist in der Lausitz und im Rallyefieber. Alle Altersklassen schauen sich in der Arena in Sprey, beim Rundkurs am Bärwalder See oder bei der Wertungsprüfung Reichwalde an, wie die Autos gekonnt über den Schotter driften. Geknipst wird wie Hilde die Wilde. Und gefilmt. Nicht nur, um visuell etwas festzuhalten, sondern auch akustisch. Denn, was so mancher Auspuff von sich gibt, kann sich echt schon von Weitem hören lassen.

Sport und Show, dass ist die Mixtur, die Friedrich Jäschke, Robin Pirnack und Markus Petasch aus Wilthen nach Boxberg geführt hat. Der Erstgenannte war mit sieben Jahren das erste Mal als Zuschauer dabei. Mittlerweile ist er das 13. Mal vor Ort. Für Markus Petasch ist es Premiere. Alle sind begeistert und haben sich zum gemütlichen Zugucken auf einem Feld in Schadendorf häuslich niedergelassen. Selbst der Campingkocher musste mit. Dort wird der „Tee“ warmgemacht.

Noch besser platziert sind allerdings Doris Hoffmann und Sohn Ricky. Sie wohnen direkt an der Rallystrecke und haben sich einen „Balkon“ gebaut. Wahrlich ein Platz in der ersten Reihe. „Schließlich will man ja was davon haben, dass alle hier direkt vorbeifahren“, rufen Hoffmanns der RUNDSCHAU zu. Dass an ihrem Haus allerdings nur 50 km/h gefahren werden darf, gilt für die Piloten am dem Tag wohl nur als Empfehlung. Sonst würde man nicht auf solche Zeiten kommen, wie es Kahle/Doerr bei der Wertungsprüfung Reichwalde schaffen. Die 18 Kilometer absolvieren sie in 10:24,2. „Kein Wunder, das kennt er ja wie seine Westentasche“, so Cheforganisator Wolfang Rasper vom Rallye-Renn- und Wassersport-Club Lausitz (RRWC). Er spielt damit auf die Zeiten an, als Kahle noch hier gearbeitet und diese Wege zur Arbeit genutzt hat. Doch nicht überall ist es für den Lokalmatadoren „so einfach“.

Nach den ersten Runden am Freitag zeichnet sich eine Vierer-Spitzengruppe ab. Doch daraus wird Samstag mehr und mehr ein Zweikampf ab. Doch ein anderer als viele noch vor dem Start der 21. Auflage gedacht haben. Nicht der Norweger Anders Gröndal mit Co-Pilot Roger Eilertsen und Kahle/Doerr fighten, sondern Fabian Kreim und Frank Christian vom Skoda Deutschland Team wollen bei ihrem ersten Auftritt in der Lausitz das Zünglein an der Waage sein. Nach den Europameisterschaften, die das Team von den Azoren bis nach Lettland geführt haben, wollte Fabian Kreim unbedingt in der Lausitz starten. „Ich bin von den Strecken hier wirklich positiv überrascht. Sie sind sehr toll. Es macht extrem viel Spaß, hier zu fahren“, lobt der 26-jährige die Rallye. Und das noch dazu so viele Zuschauer zugucken, motiviere ihn als Fahrer zusätzlich. Um so mehr ärgert es ihn, dass er gerade bei der Spreyer Wertungsprüfungen richtig viel, nämlich elf Sekunden, hat liegen lassen. Gut für die Zuschauer: Denn damit macht er das Rennen, das nun zum Generationsduell bei Skoda wird, noch mal spannend. Gern würde er gewinnen, gibt er im Gespräch mit der RUNDSCHAU zu. Derweil sagt Kahle im Fahrerlager nebenan, dass er alles gibt, um den zweiten Platz ins Ziel zu fahren. Das muss man erst mal schaffen. Matthias Kahle und Christian Doerr sind in diesem Jahr keine Rallye zusammen gefahren! „Die alten Männer können’s noch“, freut sich Christian Doerr deshalb sichtlich.

Und was sagt Wolfgang Rasper, dass er nun seinen Pokal für den fünften Pokalsieg bei der Lausitz-Rallye wieder in den Schrank packen kann. „Da kann ich nur sparen“, gibt er lachend zu. Nur Anders Gröndal oder Matthias Kahle wären für die besondere Ehrung in Frage gekommen. Dann eben 2019...

21. Lausitz-Rallye am Bärwalder See (Sonntag) FOTO: