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Externe schauen auf die Feuerwehr

Über die Ehrenmedaille für 50 Jahre Dienst in den Reihen der Feuerwehr und einen gut gefüllten Präsentkorb konnten sich Heinz Lehmann, Manfred Pollack, Hans-Dieter Fuchs und Michael Groß (v.l.) freuen.
Über die Ehrenmedaille für 50 Jahre Dienst in den Reihen der Feuerwehr und einen gut gefüllten Präsentkorb konnten sich Heinz Lehmann, Manfred Pollack, Hans-Dieter Fuchs und Michael Groß (v.l.) freuen. FOTO: Regina Weiß
Weißwasser. Im Herbst des Jahres kann es im Stadtrat von Weißwasser brandheiße Diskussionen geben. Brandheiß deshalb, weil es um die Zukunft der Feuerwehr der Großen Kreisstadt geht. Derzeit guckt ein externes Unternehmen auf die Einsatzfähigkeit der Truppe. Regina Weiß

Es gab Zeiten, da hat die Feuerwehr Weißwasser ihre Jahreshauptversammlungen an ihrem Heim-Standort in der Thomas-Jung-Straße durchgeführt. Auch Wehrleiterschulungen des Altkreises Weißwasser haben dort stattgefunden. Doch mittlerweile sind alle Wehren des Umlandes an Weißwasser vorbeigezogen, was die räumlichen Bedingungen betrifft. Nicht mehr zeitgemäß sei der Ist-Stand, hieß es am Freitagabend bei der Jahreshauptversammlung der Feuerwehr in den Räumen der Tanzschule Anke Weiße.

Doch nicht nur bei den Schulungsräumen mangelt es, eigentlich müsste auch Ein- und Ausfahrt am Feuerwehrdepot getrennt sein, um nur ein weiteres Beispiel zu nennen. Das Gebäude gehört aber nicht der Stadt, sondern dem Landkreis. "Wir haben ein offizielles Angebot vorliegen", sagt Oberbürgermeister Torsten Pötzsch (Klartext). Man wisse auch, dass man in das Haus jede Menge Geld reinstecken müsse. "Das kann nur mit Hilfe von außen geschehen", so Pötzsch. Eine andere Option wäre auch ein Neubau. Doch das alles will man erst diskutieren, wenn man den Brandschutzbedarfsplan vor sich liegen hat. Dieser muss aller fünf Jahre fortgeschrieben werden. Dafür hat sich Weißwasser Hilfe von außen geholt. "Mit den Ergebnissen und der Vorstellung rechne ich im September und ich bin jetzt schon darauf gespannt", so Wehrleiter Gerd Preußing.

OB Pötzsch geht jetzt schon mal von heftigen Diskussionen im Stadtrat aus. Den Kameraden und Stadträten - alle Fraktionen waren erstmals mit Vertretern vor Ort - macht er klar, vor welchen schwierigen Entscheidungen man steht. "Der OB haftet beim Brandschutz", so Pötzsch.

Denn die Personaldecke ist jetzt schon zu dünn. 84 Einsatzkräfte müsste die Stadt nach dem Brandschutzbedarfsplan vorhalten. "Wir sind gerade mal die Hälfte", so Preußing.

Auch die Altersstruktur sei nicht ganz problemlos. Es fehlt an Einsatzkräften zwischen 40 bis 50 Jahren. Der Altersdurchschnitt der hauptamtlichen Kräfte liegt bei 56. Drei Kameraden haben das Pensionsalter von Berufsfeuerwehrleuten bereits überschritten. "Das ist unverantwortlich", so Preußing weiter. Der Altersdurchschnitt der freiwilligen Kräfte liegt bei 43,7 Jahren, der der Atemschutzgeräteträger bei 39,1 Jahren. In der Altersgruppe 50 plus hat Weißwasser mehr Atemschutzgeräteträger, als in der Altersgruppe 20 bis 30. "Das ist bedenklich. Hier werden wir mittelfristig Probleme bekommen, wenn es uns nicht gelingt, gegenzusteuern", so Preußing.

Ein Gegensteuern, regelrecht ein Umdenken brauche es aber auch in der Gesellschaft, fordert der Wehrleiter. "Feuerwehr ist nicht selbstverständlich. Wir sind auch nicht zum Selbstzweck unterwegs." Die Wahrnehmung müsse sich wandeln, weg vom geschlossenen Serviceangebot, "das man rufen kann wie ein Taxi", hin zur breiten offenen Bewegung von Menschen vor Ort für Menschen vor Ort, zu der alle gern hinzustoßen können.