ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 02:48 Uhr

Experten geben Empfehlungen für die Stadt

Weißwasser. 2035 hat Weißwasser 100 Jahre das Stadtrecht. Eine Vision für das Jubiläum und Handlungsempfehlungen bis dahin stellte am Donnerstag das Team um Stadtplaner Professor Holger Schmidt der Öffentlichkeit in Weißwasser vor. Zuvor gab es eine zweite Planungswerkstatt, bei der sich Bürger einbringen konnten. Christian Köhler

"Wir stellen uns für die Stadt vor, dass Weißwasser zukünftig keine Insellage mehr hat", begann Professor Holger Schmidt von der TU Kaiserslautern am frühen Donnerstagabend seine Ausführungen. Vielmehr solle die Stadt künftig als lebendige Mitte in der Mitte Europas begriffen werden, hieß es weiter.

Eine ganze Woche lang hatten sich die Wissenschaftler gemeinsam mit Bürgern damit beschäftigt, ein Leitbild für die Stadtentwicklung zu entwerfen, wie Weißwasser 2035 aussehen und bis dahin entwickelt werden soll. Dazu wurden vier Themenschwerpunkte identifiziert: Weißwasser als 360-Grad-Region, der Aufbau intelligenter Netze, die Schaffung eines lebendigen Stadtkerns und die Einführung einer "Kultur des Ermöglichens". Aus den Schwerpunkten wiederum wurden Handlungsempfehlungen abgeleitet, die den einen oder anderen doch verblüfften. Vorschläge wie eine Ehrenamtsbörse, eine Verbindung zwischen Bahnhof und Waldeisenbahn oder ein Leerstandsmelder für die Stadt gehörten unter anderem dazu. Weißwasser solle sich ferner auf seine Industrietradition besinnen und einen "Weg des Glases" inszenieren, damit Einheimische ihren Kindern und Gästen erklären können, was zur Stadt und ihrer Geschichte gehört. Möglichkeitsräume für Bürger, Vereine und Institutionen sollten geschaffen und genutzt werden, ein Verfügungs- und ein Projektfonds eingerichtet werden.

Auch die Diskussion um die Mitte der Stadt wurde von den Wissenschaftlern aufgegriffen: "Unsere Mitte ist schlicht größer geworden", nannte Stephan Westermann den Kompromissvorschlag beim Namen. Am Dienstag war noch nicht ganz klar, was denn nun die Mitte Weißwassers ist. Sie wird nun begriffen als Areal zwischen Markt, Bahnhof, Saschowa-Wiese und der noch ungenutzten Brache der ehemaligen Schnitterbrauerei. "Genau dort muss die Erlebnisdichte erhöht werden, damit Bürger auch tatsächlich ins Zentrum kommen", so Holger Schmidt. Dass die Liste keineswegs vollständig ist, darauf wies Stadtplanerin Birgit Schmidt hin. Vielmehr könnten auch bereits geplante Projekte wie der Geopark damit weiterentwickelt werden.

"Warum beginnt man denn nicht jetzt mit der Umsetzung der guten Ideen?", wollte ein Weißwasseraner wissen. "Natürlich können wir damit schon beginnen", entgegnete Holger Schmidt. Vieles sei ja auch schon auf den Weg gebracht.

"Weißwasser hat sich seit 2013 bis heute gut entwickelt", lobte der Planer. Bei der ersten Werkstatt 2013 war die Stadt beispielsweise noch kein Eigentümer des Bahnhofs oder der Glasfachschule. "Das hat sich geändert und sie haben sich damit entscheidende Handlungsspielräume geschaffen", ergänzte Schmidt.

"Hier passiert seit Jahren nichts und ich frage mich, wo das alles herkommen soll?", fragte ein anderer. Bis das alles umgesetzt sei, ist er 90. Ohne Industriearbeitsplätze in der Region, so das Argument, sehe er schwarz für die Zukunft. Die Jugend ziehe weg und es mangle an Kultur- und Arbeitsplätzen.

Das konnte Oberbürgermeister Torsten Pötzsch (Klartext) so nicht stehen lassen. "Weißwasser ist nicht so schlecht, wie es viele sehen", entgegnete er. Eine Bürgerin pflichtete bei: "Wir hatten Gäste zu Besuch, denen wir die Stadt gezeigt haben", erzählte sie. Die seien ganz verblüfft, was die Stadt zu bieten habe: Eine Schwimmhalle, eine Bibliothek, einen Tierpark, eine Eisarena, ein Glasmuseum. "Und ringsum gibt es ein Weltkulturerbe und zahlreiche Ausflugsmöglichkeiten", ergänzte sie.

Olaf Schober wiederum interessierte sich dafür, wer bei der Umsetzung den Hut auf hat. Darauf antwortete Holger Schmidt: "Dazu gibt es zwei Antworten. Alle Weißwasseraner und natürlich die Stadträte und die Verwaltung." Es gehe darum, ein Gemeinwesen entstehen zu lassen, an dem alle mitwirken können.

Das gesamte Leitbild, was die Wissenschaftler nun erarbeiten, soll vom Stadtrat Ende März genehmigt werden. "Dann reichen wir es beim Bundesministerium ein", erläutert Schmidt. Dort ist Weißwasser dann neben 51 weiteren Städten in einem Zukunftswettbewerb. Allerdings kommen nur 20 Konzepte eine Runde weiter.

Zum Thema:
Erste Ergebnisse sowie sämtliche Ideen sind auf der Internetseite der Stadt Weißwasser veröffentlicht. Wie Gregor Schneider vom Wissenschaftler-Team erläutert, soll dort ein Forum für alle Interessenten entstehen. Infos gibt es unter www.weisswasser.de.