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| 13:38 Uhr

Natur
Experte: Pilzjahr 2018 ist bislang eine Katastrophe

Rietschen/Hähnichen. Die Körbe der Sammler bleiben leer. Uwe Bartholomäus hat erst einen mickrigen Pfifferling gefunden. Schuld ist die Trockenheit. Von Torsten Richter-Zippack

Pilzsucher haben es derzeit überaus schwer. Besonders im nördlichen und mittleren Teil des Kreises Görlitz bleiben die Körbe weitestgehend leer. Es wachsen einfach keine Sporengewächse.

„Das Pilzwachstum hat bisher nicht stattgefunden. Es beginnt üblicherweise Ende April. Und vernünftige essbare Pilze erscheinen ab Ende Mai. Aber 2018 ist alles ausgefallen“, resümiert der Hähnichener Pilzberater Uwe Bartholomäus. In seinem Revier im Raum Hähnichen/Rietschen seien an den sonst ergiebigen Stellen keine Birkenpilze und Rotkappen und auch keine Flockenstieligen Hexenpilze gewachsen. Selbst die giftige Frühjahrslorchel, die in anderen Jahren reichlich in den Nadelwäldern vorkommt, habe sich anno 2018 nicht gezeigt. „Bei meinen Suchen bin ich bisher lediglich auf einen verirrten Pfifferling gestoßen“, berichtet Bartholomäus. Hinzu komme noch ein Schwefelporling an einem liegenden Weidenstamm an einem Gewässer. Aber dort herrschen ohnehin andere Wuchsbedingungen als in der trockenen Kiefernheide.

Grund für die extrem magere Ausbeute bildet die Witterung. Bereits seit Anfang April dominiert mehr oder weniger Hochdruckwetter in der Region. Niederschläge sind seitdem nur ganz sporadisch gefallen. Selbst nach den Gewittergüssen war das Wasser ganz schnell wieder verschwunden. Nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes sind im Frühjahr (1. März - 31. Mai) in Sachsen lediglich 125 Liter Regen je Quadratmeter gefallen. Der Durchschnittswert beträgt 171 Liter. In der Oberlausitz ist das Defizit besonders stark zu spüren, denn Westsachsen und insbesondere das Vogtland haben teilweise enorme Niederschlagsmengen abbekommen, die ebenfalls in die Statistik mit einfließen.

Darüber hinaus war es während der drei Frühjahrsmonate etwa 2,6 Grad Celsius wärmer als im Durchschnitt. Dadurch präsentierte sich die Verdunstung sehr hoch. Erschwerend für das Pilzwachstum sind zudem die sandigen Böden, die das Wasser kaum speichern können sowie der häufige und böige Wind meist aus östlichen Richtungen.

Aufgrund der extremen Bedingungen musste Pilzberater Uwe Bartholomäus in diesem Jahr noch keine Beratungen durchführen. Außerdem wurde die geplante Pilzausstellung Mitte Juni im Rietschener Erlichthof mangels Fundstücken abgesagt. „Auch im letzten Jahr ist die Veranstaltung zum gleichen Termin ausgefallen“, erinnert sich Bartholomäus. Allerdings hatte es vor zwölf Monaten im Raum Hähnichen/Rietschen zumindest vereinzelte Pilzfunde gegeben, die der Experte notiert hat.

Immerhin: 2017 hatte sich im Laufe des Sommers und insbesondere des Spätsommers dank reichlicher Niederschläge noch zu einem hervorragenden Pilzjahr mit vollen Körben gemausert. Ob es diesmal erneut klappt, hängt einzig und allein vom Wettergott ab. Nach Meinung von Experten müsste es jetzt endlich mal einen länger anhaltenden Landregen geben. Allerdings brächte es nichts, unmittelbar nach dem Niederschlag in den Wald zu gehen. Denn die Pilze benötigen mehrere Tage, um die bei Sammlern begehrten Fruchtkörper ausbilden zu können. Solange es aber in der Region weiter trocken bleibt beziehungsweise nur ganz sporadisch regnet, können Korb und Messer getrost zu Hause bleiben.