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| 19:04 Uhr

Muskauer Park
Das Probesitzen folgt im Oktober

Detlef Mudrack und Erik Schwerdtner von der Firma Gala Bau beim Setzen der Granitstufen für die Exedra-Bank.
Detlef Mudrack und Erik Schwerdtner von der Firma Gala Bau beim Setzen der Granitstufen für die Exedra-Bank. FOTO: Regina Weiß
Bad Muskau. Die Exedra-Bank im Bad Muskauer Badepark steht zum Teil auf historischen Fundamenten. Von Regina Weiß

Das Ziel ist alles. „Der Einweihungstermin für die Exedra-Bank war zuerst da“, erinnert sich Holger Daetz, Betriebsleiter der Stiftung Fürst-Pückler-Park Bad Muskau. Die Rede ist vom 27. Oktober dieses Jahres – drei Tage vor Pücklers 233. Geburtstag. Da wird das imposante und besondere Sitzmöbel der Öffentlichkeit übergeben. Doch bis es soweit ist, haben noch die Bauleute das Sagen. Am Donnerstag ist die Exedra-Bank ihrer Fertigstellung ein beachtliches Stück nähergekommen. Es wurden die Stufen gesetzt, die zu der auf einem Podest ruhenden Bank führen. Deshalb hatte die Stiftung zu einer Stippvisite vor Ort eingeladen.

Wer im Badepark schmulen geht, sieht nun, dass es sich bei dem Bankprojekt wirklich um ein Besonderes handelt. Das Halbrund ist gut zu erkennen. Mit Ziegeln wurde es gemauert. Doch vom roten Baumaterial ist schon nichts mehr zu sehen. Der erste Putz ist drauf. Ein Handputz wird folgen. „Es geht um traditionelle Bautechniken“, erläutert Jürgen Schönwalder, Geschäftsführer der Garten- und Landschaftsbau GmbH (Galabau) Döbern. Erik Schwerdtner, Detlef Mudrack und Steffen Lehmann sind an diesem Tag vor Ort, um die Granitstufen an die richtige Stelle zu bringen und sie dort zu betonieren. Schlesischer Granit wird dafür verwendet, genau wie für die Abdeckung des Sockels. Damit geht es in der nächsten Woche weiter.

Bevor im Juli mit den Bauarbeiten gestartet werden konnte, wurde untersucht und abgestimmt. Fundamente wurden gefunden, aber auch Überreste aus vergangenen Zeiten: Estrich und jede Menge Schutt. Kein Wunder. Unter den von Arnims entstand nahe der Bank ein Tennisplatz. Zu DDR-Zeiten wurden Parkplätze für das Parkfest gebraucht. Dafür wurde Fläche aufgefüllt. Deshalb muss das im rückwärtigen Teil der Bank auch angepasst werden. „Hier ist allerhand aufgeschüttet worden“, so Holger Daetz und verweist auf die Bäume, von denen Wurzelwerk nicht ansatzweise zu erkennen ist. Doch Anpassung wie auch Wegegestaltung rund um die Bank sowie die Blumenflächen vor derselben stehen für 2019, möglicherweise erst für 2020 an.

Aber zurück zur Bank. Fürst Pückler und Architekt Schinkel standen wegen der Ausführung der Sitzgelegenheit damals im regen Schriftverkehr. Man solle ja nicht ins Oval abgleiten beim Bau, so der Hinweis aus Berlin. Doch das Halbrund war auch nicht ganz so rund, wie sich beim Blick auf die Fundamenten zeigt, sagt Jürgen Schönwälder schmunzelns. Umso mehr legen sich Handwerker heute ins Zeug, damit alles gut aussieht. „So eine Bank baut man nur einmal im Leben“, sagt der Galabau-Chef. Zum Teil steht sie auf den historischen Fundamenten. Im September werden die Arbeiten am Stein sozusagen abgeschlossen sein. Dann macht sich der Holzbildhauer ans Werk, um Sitzfläche, Schwingen und Greiffüße aus Eichenholz aufzubauen und anzubringen. Die Entwürfe haben die am Bau Beteiligten schon bewundern können. „Fantastische Arbeiten“, so Bürgermeister Andreas Bänder (CDU). Als Vorstandsmitglied vom Park-Förderverein zeigt er sich über den Baufortschritt sehr erfreut. Damit kann der Verein sein viertes Projekt abschließen. Werde jeder Löwe auf der Schlossrampe extra gezählt, sind es sogar schon fünf Projekte. Rund 30 000 Euro haben die Aktivitäten des Vereins und seiner Förderer und Helfer für die Bank beigesteuert. Die Kosten für sie tendieren gerade gen 80 000 Euro. Dass auch deshalb, weil die Vasen, die die Bank einst schmückten, nicht so einfach im Handel nachbestellt werden können. Die sieben Exemplare werden von Töpfern handgefertigt.

Wie viele Personen auf der mehr als elf Meter langen Sitzfläche Platz nehmen können, wird sich im Oktober zeigen. Am Donnerstag lagen Schätzungen bei 15 bis 16. Auf alle Fälle haben sie einen tollen Blick auf die frisch sanierte Villa Bellevue. Dort sollen bald wieder Mieter einziehen.

Grundlage für die Exedra-Bank waren spezielle Sitzmöbel der römischen Kaiserzeit. wie große halbkreisförmige Steinbänke aus Pompeji und Hierapolis. Im 19. Jahrhundert wurden sie in die Gestaltung der Landschaftsgärten eingebunden. Exemplare gibt es in Potsdam, Babelsberg und Weimar.