ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 01:24 Uhr

Es war doch nicht nur ein kleiner Klaps

Weißwasser. „Ich möchte mich bei der Familie Kurz* entschuldigen und ich verspreche, dass so etwas nicht wieder vorkommt!“ Mit diesen Worten vor der Urteilsverkündung am Amtsgericht in Weißwasser wollte der 30-jährige Markus Birnbaum* sein Verhalten am 18. Juni 2010 am liebsten ungeschehen machen.

An jenem Tag war er kurz vor Mittag von seiner 11-jährigen Stieftochter Lea Woll* angerufen worden. Weinend bat sie ihn zur Heinrich-Heine-Straße in Weißwasser zu kommen, weil sie Angst hatte, allein nach der Schule nach Hause zu gehen. Mit seinem Fahrrad fuhr er deshalb zur Turnhalle. Dort traf er auf drei Mädchen aus Leas Klasse. Er wusste über die Spannungen der Mädchen untereinander bescheid und stellte diese deshalb gleich zur Rede.

Weil sie ihm aber nichts sagen wollten, gab er Sandra Kurz* einen leichten Klaps auf den Hinterkopf. "Es war eine Dummheit von mir. Ich hätte das normalerweise nicht tun dürfen", so Markus B. in seiner Aussage vor Gericht. Aber wegen des Mobbings gegen seine Stieftochter in der Schule war er so aufgebracht, dass er selbst vor Gericht über diese Zustände erregt war. Richterin Sybille Adamsky musste ihm deshalb deutlich machen, dass hier nicht die Verhältnisse in der Schule zur Debatte stehen. Er habe einfach nicht das Recht, ein Kind zu schlagen.

Danach wurden die Mädchen als Zeugen vernommen. Zunächst schilderte Sandra K., wie es zum Streit zwischen den Mädchen gekommen war. Beide haben sich dabei heftig und lautstark beschimpft.

Die beiden anderen Mädchen sind dazwischen gegangen und haben sie auseinander gebracht. Nachdem der Stiefvater von Lea gekommen war, hat "er mich angeschrien und ins Gesicht geschlagen." Wie oft, daran konnte sie sich nicht mehr erinnern. Aber sie wusste genau, dass er sie erneut geschlagen hat, nachdem sie sich bei Lea entschuldigt hatte. Markus B. ging nach Sandras Aussage zu ihr, gab ihr die Hand und entschuldigte sich im Gerichtssaal bei dem Mädchen. Seine Stieftochter Lea aber hatte die Schläge mit der Hand in das Gesicht von Sandra unmittelbar gesehen und somit die Schuld des Angeklagten in ihrer Aussage bewiesen.

Die beiden anderen Mädchen konnten nur sehen, wie Sandra weinend hinter der Tanne vorkam, hinter der sich Lea nach dem Streit versteckt hatte.

Damit hatte sich der Vorwurf der vorsätzlichen Körperverletzung bestätigt. Das Gericht verurteilte Markus B. zu einer Geldstrafe von 60 Tagessätzen zu je 10 Euro. Er trägt auch die Kosten des Verfahrens.

Zum Schluss mahnte Richterin Adamsky die Mädchen zu einem vernünftigen Umgang miteinander in der Klasse.

Das Urteil ist bereits rechtskräftig. *Namen geändert

Marlies Tieke/mtk1