ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 17:19 Uhr

Erzählvafé
Schwatz über damals und heute

Weißwasser. Das Erzählcafé erlebt seine Premiere mit überschaubarer Resonanz. Im August folgt Nr. 2. Von Gabi Nitsche

Erzählen soll die älteste Form sein, sein Wissen und seine Erfahrungen weiterzugeben. Wenn sich die „kleinen“ Geschichten in der „großen“ Geschichte einer Stadt wiederfinden, dann lebt die Vergangenheit. Genau darum geht es beim Erzählcafé, das von den Projektmachern von „Perspektive(n) Weißwasser“ ins Leben gerufen wurde.

Treffpunkt für die Premiere war jetzt an einem heißen Nachmittag der Stadtpavillon, und die Resonanz mit sechs Teilnehmern fiel recht bescheiden aus. Und ausgehend vom Veranstaltungsnamen wäre möglicherweise die „Kaffeemühle“ oder das Kaffeehaus Junge der verheißungsvollere Ort für ein Erzählcafé gewesen. Sei es drum.

Siegfried Habermann, Peter Priet­zel, Brigitte Hochmann, Bettina Nagajek, Heinz-Willi Richter und Erika Jokel waren jene mit Lust auf einen Schwatz über die Vergangenheit und ihre Sicht auf die Dinge von damals und heute.  Und diese Sicht fiel gänzlich unterschiedlich aus. Eben durch die eigene Brille. Hier und da war der persönliche Blick zurück auch gern mal rosa gefärbt, der aktuelle dagegen stark verdunkelt.

Der 84-jährigen Britgitte Hochmann, früher Lehrerin an der Ingenieurschule für Glas, kann man so leicht nichts vormachen. Sie ist belesen, kennt sich in Weißwassers Geschichte sehr gut aus, hat keinen verklärten Blick in die Vergangenheit, sondern einen sehr realistischen. Ihr zuzuhören macht Freude. Wenn andere über Abriss von Wohnhäusern jammern, dann sagt sie: Ja, das ist traurig, aber es musste sein. „Aber es ist viel gemacht worden in den Jahren, alles zu gestalten.“

Klar sei es nicht einfach gewesen nach der Wende, als massenhaft Arbeitsplätze verloren gingen und die Menschen wegzogen, sodass sich die Einwohnerzahl von Weißwasser bis heute mehr als halbierte. „Ich fühle mich hier wohl. Wir haben eine wunderschöne Natur und Umgebung. Und das Bemühen von vielen Leuten für die Stadt kann man nicht abstreiten. Wir haben hier viele sportliche und kulturelle Angebote.“

Immer wieder bedauern gerade Ältere, dass es das Volkshaus nicht mehr gibt. Brigitte Hochmann erinnert sich auch gern an frühere Veranstaltungen. Dennoch sagt sie: „Unabhängig von der notwendigen Sanierung – das Volkshaus würde sich unter heutigen Bedingungen eben einfach nicht mehr rechnen. Meine Tochter hat ein Café in Weißwasser und das ist schon sehr schwer …“ Viele weise Worte einer gestandenen Frau stecken darin.

Auch in dem, was Erika Jokel erzählte. 23 Jahre habe sie in Weißwasser gelebt, dann 23 Jahre in einer Gemeinde in der Nachbarschaft, nun ist sie nach Weißwasser zurückgekehrt und fühle sich sehr wohl und auch sicher. „Mich bewegt, dass die Aktivitäten, was alles los ist in Weißwasser, von vielen Menschen nicht wahrgenommen werden.“ Sie höre oft, wie sich Leute beklagen, hier sei nichts los. „In Weißwasser passiert so einiges, es macht mich traurig, wenn sich Leute so wenig für das interessieren, was andere auf die Beine stellen.“ Sie habe Freude seit vielen Jahren als Mitglied im Stadtchor, nutze die Angebote vom DRK Weißwasser. „Es gibt so viel, was man machen kann …“

Gabriele Lorenz-Rogler und Claudia Tschuch vom Projektteam machten sich viele Notizen. Am 24. August ist das Erzählcafé Nr. 2 vorgesehen. Der Ort steht noch nicht fest. Ziel ist es, die individuellen Geschichten und Erzählungen bei der Sommerakademie vom 6. bis 9. September zusammenzufassen. Das unter der Überschrift „Zukunft gestalten – Heimat (be)leben“.