| 16:10 Uhr

Kreistag
Erweiterung des Landratsamtes beginnt mit Überraschung

Blick auf den Erweiterungsbau des Landratsamtes. Noch ist es nur im Modell zu sehen.
Blick auf den Erweiterungsbau des Landratsamtes. Noch ist es nur im Modell zu sehen. FOTO: Regina Weiß
Görlitz. Bausubstanz auf der Salomonstraße bröckelt. Mittwoch Thema im Kreistag.

Wie die Erweiterung des Landratsamtes in Görlitz aussehen wird, kann sich jeder in einer kleinen Ausstellung in den Räumen der Kreisverwaltung ansehen. Eine Verbindung aus historischer Bausubstanz und modernen klaren Linien soll Platz für 350 Verwaltungsmitarbeiter bieten. Im „Keller“ soll Platz für über 200 Parkplätze sein.

Doch das ist Zukunftsmusik. In der Gegenwart macht die Geschichte dem Projekt vor Baubeginn zu schaffen. Es geht um das vom Landkreis gekaufte Haus Salomonstraße 11/12. Bauherr war einst der Lederhändler Ludwig Wilhelm Heinrich. Von der Stadt Görlitz wird das Haus als baugeschichtlich und straßenbildprägend bedeutungsvoll eingeschätzt. Der Bau, der um   1899 datiert ist, zeigt heute noch Reste seiner einstigen Schönheit. Doch ohne Pflege hat der Zahn der Zeit erheblich zugebissen. Die Bausubstanz ist stark vernachlässigt worden. Ein Umstand, der dem Landkreis im wahrsten Wortsinn auf die Füße fallen könnte.

In einem kürzlich stattgefundenen Pressegespräch in der Kreisbehörde heißt es dazu, „wir müssen aufpassen, dass es nicht vorher umfällt“. Das sagt Landrat Bernd Lange (CDU). Dass das Bauwerk, das der Kreis 2017 für seine Erweiterungspläne erworben hat, so malade ist, überrascht alle, heißt es in der Runde. Nach einer Begehung steht fest, dass hier schnellstens Handlungsbedarf vonnöten ist. Deshalb muss die Salomonstraße als erstes im genannten Bereich gesperrt werden. Nicht schön für die Anwohner, wo doch auch Parkplätze wegfallen. Wie lange die Sperrung erfolgen wird, kann derzeit noch niemand sagen. Vielleicht gibt es am Mittwoch dazu nähere Informationen. Dann wird das Thema Landratsamtserweiterung im Kreistag besprochen.

Neben der bröckelnden Bausubstanz bietet die Erweiterung weitere Herausforderungen. Derzeit werde am Architektenwettbewerb gearbeitet. War der beim Ausbau der ersten Etappe des Landratsamtes zehn Seiten stark, so steuert der neue auf 25 Seiten zu. Damit es nicht etwa im Nachgang zu Querelen kommt, wird sich der Landkreis einen externen Berater hinzuziehen, der da mit draufguckt, kündigt Lange an.

Zudem befindet man sich in der Vorplanung. Ende des Jahres, so kündigte es Dieter Peschel, Leiter des kreislichen Bauamtes an, soll die Entwurfsplanung stehen. Derzeit schreibt man die einzelnen Fachplaner aus. „Dann werden wir auch genau wissen, wo wir bei den Kosten enden.“ Bis jetzt geht Lange von Baukosten von rund 25 Millionen Euro für die Gebäude aus, die aus verschiedenen Töpfen gefördert werden sollen. Lange unterstreicht, dass man viel Wert auf die Kostenkontrolle legen wird. Dabei werde man das anders handhaben als beim ersten Bau. Das Controlling soll so gestaltet sein, dass man auch in der Zeit des Bauens reagieren kann.

Im März 2017 hatte der Kreistag den Beschluss gefasst, das Landratsamt am Standort Bahnhofstraße 24 in Görlitz zu erweitern. Die Verwaltung wurde beauftragt, zunächst in einem Wettbewerbsverfahren einen Architekten zu ermitteln. 69 Büros hatten sich um die Teilnahme beworben. 48 Architekturbüros, darunter auch internationale, reichten ihre Entwürfe ein. Daraus waren zwölf Entwürfe hervorgegangen, die zur weiteren Bearbeitung in der zweiten Phase ausgewählt wurden. Ein Preisgericht entschied sich für den Entwurf des Architekturbüros S.E.K. Architektinnen aus Berlin einstimmig durch. Die Fertigstellung des neuen Verwaltungscampus ist für 2021/2022 vorgesehen.

Die Sitzung des Kreistages beginnt am Mittwoch um 16 Uhr in der Aula des Beruflichen Schulzentrums in Görlitz.

Blick auf das problematische Gebäude Salomonstraße. Hier besteht dringender Handlungsbedarf, so sieht es das Landratsamt.
Blick auf das problematische Gebäude Salomonstraße. Hier besteht dringender Handlungsbedarf, so sieht es das Landratsamt. FOTO: Regina Weiß