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| 19:23 Uhr

Kommunalpolitik
Erster Kassensturz ist perfekt

Wirtschaftsprüfer Rainer Dröse-Seidler.
Wirtschaftsprüfer Rainer Dröse-Seidler. FOTO: Gabi Nitsche
Weißwasser. Vor fünf Jahren ist Weißwasser noch etwa 167 Millionen Euro schwer gewesen.

Die Stadträte kamen jüngst nicht umhin, fünf Jahre zurückzublicken, als die Stadt noch super dastand. Weißwasser war zu diesem Zeitpunkt rund 167 Millionen Euro „schwer“. „Das Bilanzbild von 2013 ist hervorragend.“ Das war das Fazit von Rainer Dröse-Seidler. Er leitet die wetreu Steuerberatungsgesellschaft Kiel und war beauftragt worden, für die Stadt Weißwasser die Eröffnungsbilanz 2013 zu prüfen. Ein Muss für jede Kommune, nachdem der Freistaat Sachsen 2004 beschlossen hatte, dass von der kameralistischen auf die doppische Haushaltsführung umgestellt werden muss. Erstmals sollte es den Kommunen auf diese Weise möglich sein, ihr Vermögen darzustellen und nicht nur, was ein- und ausgegeben wird. Als Stichtag galt der 1. Januar 2013.

Bevor der Norddeutsche die Räte mitnahm auf eine Reise durch ein Dickicht von Zahlen, machte er der Verwaltung, besonders Kämmerer Rico Jung und dessen Team, ein Kompliment: „Das Prüfergebnis: ohne Beanstandung. Ich habe sehr gute, strukturierte Unterlagen vorgefunden. Das hat unsere Arbeit sehr erleichtert.“

Die Umstellung auf die doppelte Haushaltsführung hatte die Verwaltung nicht mal schnell mit Links erledigt. Eine umfangreiche Inventur war angesagt von all ihrem Hab und Gut  – Grundstücke, Gebäude, Straßen, Wege, Infrastruktur, Kulturdenkmäler, Maschinen und technische Anlagen, Ausstattungen und vieles mehr. Doch das Wie spielte jetzt keine Rolle mehr, nur das Ergebnis. Das errechnete Anlagevermögen macht für 2013 rund 77,5 Millionen Euro aus. Dazu kommt das so genannte Finanzanlagevermögen in Höhe von etwa 70,1 Millionen Euro. Als „Perle“ darunter bezeichnete der Prüfer die Wohnungsbaugesellschaft mbH,  deren Hauptgesellschafter die Stadt Weißwasser ist.

Interessant auch die Zahl des Umlaufvermögens – also Vorräte (rund 3,9 Mio), Forderungen (2,43 Mio), liqide Mittel (12,4 Mio knapp) und so weiter – knapp 18,8 Millionen Euro.

Rainer Dröse-Seidler war sich der schweren Kost für die Stadträte bewusst und meinte: „Es ist, echt gesagt, nicht einfach zu verstehen. Aber es ist gut, es einmal gehört zu haben.“ Da sprach der Experte gerade vom Weißwasseraner Kapital, „der Differenz zwischen Vermögen und Schulden“, und der Summe von rund 148 Millionen Euro. Die Verbindlichkeiten aus Kreditaufnahmen umfassten 15,1 Millionen Euro. SPD-Stadtrat Ronald Krause schloss sich stellvertretend für die Räte dem anfänglichen Lob des Wirtschaftsprüfers gegenüber der Kämmerei an. „Ich weiß um die immense Arbeit“, unterstrich der frühere Finanzbürgermeister. Oberbürgermeister Torsten Pötzsch (Klartext) schloss sich dem an und verwies auf das „Gesamtwerk, an dem alle Bereiche aus dem Haus beteiligt waren.“ Es sei ein langer Weg gewesen. „Die nächsten Jahre werden genauso heftig werden. Jedes Jahr sollen hier zwei Abschlüsse vorgestellt werden“, kündigte der OB an.

Denn das Jahr 2013 war nur der Anfang. Auf dieser Eröffnungsbilanz bauen sich nun die Abschlussbilanzen der Folgejahre auf. Rainer Dröse-Seidler wünschte der Verwaltung, dass Weißwasser auch weiterhin so gut dastehe wie 2013, räumte aber ein, dass ja in den vergangenen Jahren viel passiert sei. Weißwasser habe eine neue Eisarena gebaut und andere Investitionen vorgenommen.

Die jüngsten Beispiele sind der Ersatzneubeu für die Kita Regenbogen mit über vier Millionen Euro und der neue Hort für die Geschwister-Scholl-Grundschule mit einem Umfang von knapp 2,2 Millionen Euro. Straßen und Wege wurden saniert. Im Oberlausitzer Sportpark (OSP) ging es sichtbar voran. Negativ dagegen wirkten und wirken sich die unverhofft fällig gewordenen Vattenfall-Steuer-Rückzahlungen ans Finanzamt aus. Rund zehn Millionen Euro musste Weißwasser dafür hinblättern. Die finanziellen Auswirkungen beschäftigen Verwaltung und Stadtrat mehr denn je. Weißwasser muss zwingend den Haushalt konsolidieren. Über das Wie wird seit Monaten debattiert; bei der Einwohnerversammlung zu dieser Thematik am 16. April auch mit den Bürgern. Sie hatten bereits im Juni 2017 Mitspracherecht und Einsicht in ein Spargutachten gefordert, das die Stadt für 45 000 Euro extern beauftragte. Es enthält auch Steuererhöhungen, und die haben die Bürger abgelehnt.