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Erst Schule, dann Kartoffelacker

So wie früher Kartoffeln angebaut wurden, machten es die Grundschüler: Kartoffel fallen lassen, Erde antreten, Kartoffel fallen lassen ...
So wie früher Kartoffeln angebaut wurden, machten es die Grundschüler: Kartoffel fallen lassen, Erde antreten, Kartoffel fallen lassen ... FOTO: Nitsche
Trebendorf. Projekttage zu den unterschiedlichsten Themen sind fest verankert im Leben der Grundschule Schleife. Der jüngste fand für die Klasse 4 a auf dem Schuster-Hof in Trebendorf statt. Alles drehte sich um die "Alte Schule". Gabi Nitsche

Unter dem Dach der sanierten Feldscheune vom Schuster-Hof ist die Klasse 4 a mitten in der Schulstunde. Die Mädchen und Jungen haben es sich in den alten Schulbänken so bequem gemacht, wie es diese zulassen. Genauso erging es vor Jahrzehnten ihren Urgroßeltern. Auf den Tischen Schiefertafeln und Fibeln von früher. Vor ihnen steht Harry Frischke, "bewaffnet" mit einem Zeigestock.

Nachdem gemeinsam sorbisch gesungen wurde, die Kinder sich mit der Sütterlinschrift auseinandersetzten und mit dem Abakus rechneten, ist jetzt Zeit für Sorbisch. "Wer gehört denn alles in eine Familie?" fragt der Lehrer. Schon schnellen die Arme hoch, die Kinder zählen auf: Mutter, Vater, Tante ... Natürlich auf Sorbisch. Holger Thomas vom Sozialen Netzwerk und Franziska Robel vom Domowina-Regionalbüro in Schleife, soufflieren dem Lehrer. Immer wieder fallen ihnen neue Fragen ein. Die Schüler sind mit Begeisterung dabei.

Genauso wie Harry Frischke. Der ehemalige Oberschullehrer, der nach der Wende in der Erwachsenenbildung tätig war, hatte seit neun Jahren nicht mehr unterrichtet. Er erinnert sich an seine Schulzeit als Kind und wie die Trebendorfer Schule abbrannte.

Alexa meldet sich: "Die Kinder wurden im Kastanienhof unterrichtet." Lehrer Frischke bestätigt das. Die Kinder aus vier verschiedenen Klassenstufen hatten damals nur zwei Räume, wo die Klappbänke dicht an dicht standen. "Ja das waren damals sehr einfache Bedingungen." Vom Rande aus beobachtet Kathrin Jansen, die echte Lehrerin der 4 a, ihre Schüler und freut sich, wie gut diese ihre Sorbischkenntnisse anwenden.

Dann geht es raus auf den Kartoffelacker. Denn: "Feldarbeiten nach den Schulstunden gehörten früher einfach dazu." Mitglieder von der Domowina-Ortsgruppe haben ganze Vorarbeit geleistet. Mit historischer Maschine brachten sie Löcher für die "Mutterkartoffeln" in den umgeackerten Boden. "In der warmen Erde wachsen dann die Kinderkartoffeln", erklärt Angelika Balzke. Flott bindet sie sich und einigen Kindern jeweils eine Plachta, eine Schürze aus Sackleinen, um, in der die vorgekeimten Kartoffeln getragen werden. Sie zeigt, wie man diese am besten pflanzt: "Einfach in das Loch fallen lassen, leicht drauftreten, damit sie in der Erde verschwindet, weitergehen, wieder eine fallen lassen und immer so weiter." So macht Schule noch mal so viel Spaß.