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Erst deine EC-Karte – dann meine

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Weißwasser. Ein Handtaschendieb wollte in Weißwasser mit einer gestohlenen EC-Karte Geld abheben. Der Betrug flog auf und der 33-Jährige wurde vom Jugendschöffengericht in Weißwasser verurteilt. Christian Köhler

Vom Jugendschöffengericht in Weißwasser ist ein 33-Jähriger Weißwasseraner zu neun Monaten Haft - ausgesetzt zu drei Jahren und sechs Monaten Bewährung - verurteilt worden. Eine 21-Jährige Frau ist dagegen freigesprochen worden.

Beide waren nach den Ausführungen der Staatsanwaltschaft am 23. Dezember vorigen Jahres dabei gefilmt worden, wie sie versucht haben, Geld in einer Weißwasseraner Bank abzuheben. Das Geldinstitut wiederum hatte nach dem gescheiterten Versuch die EC-Karte einbehalten, weil die Eigentümerin diese kurz zuvor hatte sperren lassen.

"Ich habe nicht gewusst, dass es nicht seine Karte ist", erklärte die junge Frau. Sie habe mit ihrem Freund noch kurz vor Weihnachten ein paar Besorgungen erledigen wollen. Dann habe sie mit ihrem Freund, den sie bis dato erst zwei Monate gekannt haben will, die Bank betreten und Geld abheben wollen. "Ich habe mir nichts dabei gedacht", gab sie an.

Ihr neuer Freund dagegen habe sich sehr wohl "etwas" dabei gedacht. "Ich bin erst im August aus der Haft entlassen worden und hatte kein Geld, um meinen Kindern etwas zu Weihnachten zu kaufen", begründete er seine Tat. Einige Tage vor Weihnachten habe sich ihm die Gelegenheit geboten, um an "Kleingeld" zu kommen, wie er sagt. An einem Block im Eichendorffweg in Weißwasser nämlich hatte eine Frau ihren Einkauf im Treppenhaus abgestellt. Während sie ihr Fahrrad in den Keller trug, nutzte der Angeklagte die Gelegenheit, sich ihre Handtasche zu greifen. "Außer der Geldbörse habe ich einen Notizblock in der Tasche gefunden, auf dem eine vierstellige Nummer stand", erzählte er im Gericht. Zwar habe er zunächst "kalte Füße" bekommen, sich einen Tag vor Heiligabend dann aber doch entschieden, über die geklaute EC-Karte Geld abzuheben. "Meine Freundin hatte von alldem nichts gewusst", erklärte er immer wieder.

"Glücklicherweise hatte die Karteninhaberin ihr Konto gleich sperren lassen", warf der Vorsitzende des Jugendschöffengerichtes, Ralph Rehm, ein. Zudem wollte er von dem Angeklagten wissen, warum dieser überhaupt in Geldnöten sei. "Ich bin rückfällig geworden", gab der 33-Jährige an, "ich nehme wieder Crystal." Dafür habe er bereits sämtliche Elektronikgegenstände aus seiner Wohnung verkauft, sich zum Teil die Drogen zusammengeschnorrt. "Und wenn Sie keine Elektronik mehr zu Hause haben?", fragte der Staatsanwalt den Dieb. Deshalb, so der Angeklagte, suche er seit einiger Zeit in unregelmäßigen Abständen die Suchtberatung auf, wolle eine Langzeittherapie beginnen.

Dabei, so entgegnete Richter Rehm, sei der Handtaschendieb bereits seit 2003 mehrmals durch Straftaten in Erscheinung getreten - unter anderem wegen Körperverletzungen, Diebstählen und Drogenbesitzes - und hatte bereits eine Haftstrafe abgesessen. "Deshalb", so der Staatsanwalt, "und weil Sie so kurz nach Ihrer Haftentlassung straffällig wurden, fordere ich eine Haftstrafe von neuen Monaten." Eine Beschaffungskriminalität sei nicht mehr auszuschließen.

Dem Antrag folgte das Gericht. Allerdings hob es die Haftstrafe gegen eine Bewährungszeit auf, wenn der Angeklagte sich einer Entzugs- und Langzeittherapie unterzieht. Die junge Frau dagegen wurde freigesprochen.