| 18:21 Uhr

Ehrenamt
Ermunternde Worte vom Bundespräsidenten

Wolfgang Kotissek engagiert sich jahrzehntelang mit dem Sorbischen Folkloreensemble Schleife für den Erhalt von Traditionen und Brauchtum.
Wolfgang Kotissek engagiert sich jahrzehntelang mit dem Sorbischen Folkloreensemble Schleife für den Erhalt von Traditionen und Brauchtum. FOTO: Gabi Nitsche / LR
Halbendorf. Wolfgang Kotissek aus Halbendorf war beim Neujahrsempfang im Schloss Bellevue. Von Gabi Nitsche

Wolfgang Kotissek (66) ist noch immer ganz angetan von dem, was er Montag und Dienstag im Schloss Bellevue in Berlin erlebte. Der Halbendorfer gehörte zu 70  Bürgern aus allen Bundesländern, die sich um das Gemeinwohl in besonderer Weise verdient gemacht haben und deswegen zum Neujahrsempfang von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier eingeladen waren. „Es war super“, so Kotissek. Schon die Informationsveranstaltung am Montagabend, bei der alle erfuhren, wie der Empfang ablaufen wird und bei der die Räumlichkeiten gezeigt wurden. „Bei der Einweisung haben wir alles kennengelernt und freundliche Mitarbeiter erlebt.“

Für Wolfgang Kotissek stand fest, wenn er eingeladen wird als Dankeschön für all das, was er seit fast vier Jahrzehnten für und mit dem Sorbischen Folkloreensemble Schleife und damit für den Erhalt von Traditionen und Brauchtum leistet, dann betritt er Schloss Bellevue in Tracht.  Dass Kotissek Frank-Walter Steinmeier auf Sorbisch einen guten Tag wünschte, habe diesen keineswegs verwundert. „Nachdem ich ihm mein Geschenk – eine CD mit der neuen Chronik des Ensembles – übergab, fragte mich der Bundespräsident, was denn ,Herzlich willkommen’ auf Sorbisch heißt.“

Wolfgang Kotissek, der von Tochter Diana begleitet wurde, knüpfte viele neue Kontakte. „Durch meine Tracht fiel ich natürlich auf und wurde oft gefragt, was das für eine Bekleidung ist.“ So berichtete er vom Ensemble  und von dem, was sich Tänzer, Sänger und Musiker auf ihre Fahnen geschrieben haben – das sorbische Kulturgut zu erhalten und dafür zu sorgen, dass es am Leben bleibt. Viele luden ihn ein und wollten sich mit ihm fotografieren lassen.

Zum Empfang gehörte auch ein festliches Mittagessen. „Wir waren eine nette Runde mit Brandenburgern und Sachsen, haben uns gut unterhalten, auch mit der Mitarbeiterin aus dem Präsidialamt. Und geschmeckt hat es super.“ Die Menükarte mitzunehmen, war ausdrücklich erlaubt. „Es gab Eintopf vom Federvieh, dann Filet und Roulade vom Fleckvieh mit Wurzelwerk und Kartoffelplätzchen und Kaffee, dunkle Schokolade und Baisier“, zitiert Kotissek. „Am Ende bin ich noch einmal zum Tisch des Bundespräsidenten, hab mich bedankt und ihn auf der Menükarte um eine Unterschrift gebeten.“ Wolfgang Kotissek habe nicht nur ein freundliches ,Auf Wiedersehen’ geerntet, sondern: „Er hat gesagt, er findet das toll, was wir für den Erhalt der sorbischen Kultur machen.“

Inzwischen ist Wolfgang Kotissek wieder zu Hause. Doch er weiß immer noch nicht, wem er die Einladung zu verdanken hat. Als diese Mitte Dezember in der Post war, sei das ein erhebendes Gefühl gewesen und die Freude groß. Das Einzige, was er dann herausfand, war, dass die sächsische Staatskanzlei 20 Vorschläge machen durfte und davon letztlich vier vom Bundespräsidenten ausgewählt wurden. Wolfgang Kotissek ging nicht damit hausieren, das wäre nicht seine Art. „Aber als ich zur Vorstandssitzung am 8. Januar sollte, hab ich gesagt, das geht nicht, ich bin beim Bundespräsidenten. Meine Kollegin Manuela Mohr meinte darauf: Das ist ja mal eine tolle Entschuldigung.“ Vergangenen Freitag und Samstag bei den Ensembleproben wussten es dann schon viele, sie hatten es in der LR gelesen oder im Radio gehört und ihm herzlich gratuliert.

38 Jahre war der jetzt 66-Jährige Ensembleleiter, gab den Vorsitz 2017 ab, gehört weiterhin dem Vorstand an. Der Nachwuchsausbildung gehört schon viel länger sein Herz, sagt er. Über den Daumen gepeilt habe er bestimmt 20 Kindern oder Jugendlichen das Geige- oder Dudelsackspielen vermittelt. Kotissek spielt seit eh und je die dreisaitige sorbische Geige und auch Dudelsack. Er pflegt die Instrumente des Vereins, repariert auch Geigen, unterrichtet den Nachwuchs – Ida (11), Jos und Sophie (beide 16) an der Geige und Greta (12) am Dudelsack.

Das Ensemble ist für Wolfgang Kotissek viel mehr, als nur ein Hobby. „Es ist ein Vermächtnis. Ich hab es mit aufgebaut, es ist gewachsen, viele sind durch dick und dünn gegangen, haben Niederlagen überwunden, Höhepunkte gefeiert.“ Davon stehen in 2018 mehrere an: am 3. März die große Veranstaltung „Bräuche, Trachten, Traditionen“ und das Internationale Dudelsackfestival Mitte Juni, beides in Schleife.

„Es gibt viel zu tun“, reibt sich Kotissek die Hände. Er ist keiner, der darüber stöhnt. Und er habe sich auch nicht zurückgezogen, als seine Frau 2016 verstarb, obwohl sie doch beide noch so viel für ihren Ruhestand geplant hatten. Auch sie gehörte zum Ensemble, genau wie seine zweite Tochter Melanie nach wie vor. „Das Leben geht weiter. Gisi würde es nicht anders machen“, ist der Halbendorfer überzeugt.