Von Regina Weiß

Der Multicar vom Bauhof Krauschwitz fährt rückwärts. Ein Knopfdruck und der Splitt wird abgekippt. Er wird als nächstes mit Schaufeln und Harken verteilt und glatt gezogen. „Wir sind hier sozusagen beim Feinschliff“, erklärt Wilhelm Minschke, Oberstleutnant i. R. beim Besuch der RUNDSCHAU. Er kennt sich bei den Kriegsgräberanlagen in der Region Weißwasser besser aus als manch Einheimischer. Kein Wunder, ist es ihm doch eine Herzensangelegenheit, diese Stätten nicht dem Vergessen anheim fallen zu lassen. Meist fängt es mit Unkraut an, dann mit wucherndem Gestrüpp und schon ist nicht mehr viel oder gar nichts von den Ruhestätten der Gefallenen verschiedener Kriege zu sehen.

Dieses Schicksal hat auch die Kriegsgräberanlage auf dem Friedhof in Podrosche erlebt. „Hier stand eine große Tanne. Das Grün hat alles verdeckt, man hat von den Tafeln nichts mehr gesehen“, weiß Daniel Mosmann, CDU-Gemeinderat aus Krauschwitz. Dass der große Nadelbaum verschwindet, daran hat die Feuerwehr genauso ihren Anteil wie die Gemeindeverwaltung, die das Ausfräsen des Stammes organisiert hat. Somit war der Weg frei, um loslegen zu können. Mit Technik wurde der Boden aufgegrubbert. Die Einfassung, die kurz nach der Wende entstanden ist, wurde zum Vorschein gebracht und gereinigt. Steine wurden versetzt und Platten verlegt, Sträucher versetzt. Alle Helfer sind sich sicher, dass ihnen ihre Arbeit gelungen ist. Elf Männer, darunter sieben Reservisten, haben dafür seit Montag angepackt.

Dabei sah es noch im vergangenen Jahr aus, als würden diese Arbeitseinsätze, die 13 Jahre in der Oberlausitz stattgefunden haben,  die Neiße runtergehen. Doch die Reservisten-Arbeitsgemeinschaft Kriegsgräberfürsorge Sachsen fand mit der Denkmalkommission noch andere Unterstützer in der Region, denen das Thema wichtig ist. So schlafen die Helfer in der Bundeswehrkaserne, auch die Leag hilft wieder.  Und Wilhlem Mintschke hat in Sven Knischke einen Nachfolger gefunden, der sich nun den Hut aufsetzen wird. Der Reservist der Bundeswehr, der in Heidenau lebt, ist seit rund zehn Jahren bei den Arbeitseinsätzen auf den Friedhöfen dabei. Persönliches Interesse ist seine Motivation. „Hier liegen 18-, 19-Jährige begraben“, sagt er mit Blick auf die Gedenktafel in Podrosche. „So etwas darf man nicht vergessen.“ Erst recht nicht an so einem Tag, wie dem 8. Mai: An dem der bedingungslosen Kapitulation der Wehrmacht und damit des Endes des Zweiten Weltkrieges in Europa und der Befreiung vom Nationalsozialismus gedacht wird. In Folge dieses Krieges kamen schätzungsweise 80 Millionen Menschen ums Leben. 61 davon fanden ihre letzte Ruhestätte auf dem Friedhof in Podrosche. 27 davon blieben unbekannt.

Bevor der Pflegeeinsatz mit dem traditionellen Abend der Begegnung endet, findet am Donnerstag, 9. Mai, eine Andacht mit Kranzniederlegung auf dem Friedhof Podrosche statt. Pfarrerin Miriam Arndt wird bei dieser Andacht sprechen.