Als vor 75 Jahren, am 27. Januar 1945, die Rote Armee das Arbeits- und Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau befreite, ist für die rund 300 Mädchen und Frauen, die aus Auschwitz nach Weißwasser zum Arbeiten deportiert wurden, das Leiden noch nicht zu Ende. Während ein Teil zum „Todesmarsch“ in Richtung Westen aufbrechen musste, sind andere zum Lager nach Bergen-Belsen deportiert worden und wieder andere auf eine Irrfahrt mit dem Zug durch das Reich aufgebrochen.

Bergen-Belsen diente als Hauptaufnahmelager für viele tausend, vor allem jüdische Häftlinge, die im Zuge der Verlagerung der Rüstungsindustrie nach Westen dorthin transportiert wurden. Unzählige sind auf diesen Transporten ums Leben gekommen. Bis heute konnte nicht genau ermittelt werden, wie viele der 300 in Weißwasser zur Arbeit gezwungenen Frauen zwischen Februar und April 1945 gestorben sind.

Um ihrer zu gedenken haben sich 27. Januar 2020 am Kromlauer Weg am Mahnmal mehrere Weißwasseraner, Vereins- und Parteimitglieder, Stadträte und Kirchenvertreter zusammengefunden. „Solche Termine sind wichtig“, sagt Weißwassers Oberbürgermeister Torsten Pötzsch (Klartext), „denn nur wer Verständnis für die Vergangenheit hat, kann die Gegenwart und Zukunft beschreiben“. 2019 hatten Schüler der Bruno-Bürgel-Oberschule jenes „dunkle Kapitel“ der Stadtgeschichte filmisch aufgearbeitet. Mit Blick auf aktuelle rechtsextremistische Bestrebungen, Antisemitismus und erstarkender Nationalismus gehe das jeden an, so Pfarrer Martin Zinkernagel vor den Weißwasseranern, die zum Gedenken gekommen waren.