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| 15:45 Uhr

Bad Muskau
Erfolgsgeschichte Waldeisenbahn

Ein Höhepunkt der Waldeisenbahn war die Eröffnung der Strecke zum Schweren Berg zu Ostern 2017.
Ein Höhepunkt der Waldeisenbahn war die Eröffnung der Strecke zum Schweren Berg zu Ostern 2017. FOTO: LR / Torsten Richter-Zippack
Weißwasser. Die Bahngesellschaft begeht 25. Jahrestag ihrer Gründung in Weißwasser. Von Torsten Richter-Zippack

Am 15. Februar 1993 hatten sich Vertreter von Kommunen, Vereinen und Privatpersonen zusammengetan, um gemeinsam eine Vision Realität werden zu lassen. Und zwar die Wiederbelebung der Waldeisenbahn Muskau (WEM). Seitdem ist ein Vierteljahrhundert vergangen. Heiko Lichnok, Geschäftsführer der damals gegründeten Gesellschaft zur Betreibung der Waldeisenbahn Muskau mbH, bezeichnet das damals ins Leben gerufene Vorhaben als eine Erfolgsgeschichte. „Wir haben etwas Einzigartiges geschaffen. Die Bahn sorgt für die Attraktivität unserer Region, sie prägt die ganze Gegend.“

Heute umfasst die WEM-Gesellschaft ein 20 Kilometer langes Streckennetz, zwölf Bahnhöfe und drei Haltepunkte, mehr als 40 Fahrzeuge sowie zehn Vollzeitangestellte und mehrere Teilzeitkräfte. Pro Jahr kommen rund 13 000 gefahrene Kilometer zusammen. Im Rekordjahr 2017 wollten mehr als 53 000 Gäste mitfahren. „Wir sind schon froh, wenn wir in zwölf Monaten um die 45 000 Mitfahrende begrüßen dürfen“, resümiert Lichnok.

Dabei gestaltete sich der Neubeginn der einstmals Gräflich Arnimschen Kleinbahn während der politischen Wende alles andere als einfach. Nach der Einstellung des Zugverkehrs vor genau 40 Jahren erfolgten der Abbau der Strecken und ein Verkauf der entsprechenden Fahrzeuge. Doch bereits in den 1980er-Jahren fanden sich mehrere Enthusiasten zusammen, die die Kleinbahn zu neuem Leben erwecken wollten. Im Jahr 1991 entstand der Aufbaustab des damaligen Landkreises Weißwasser mit Landrat Erich Schulze an der Spitze. Nur zwölf Monate später ging der erste Streckenabschnitt zwischen Weißwasser und Kromlau in Betrieb, drei Jahre später folgte die Eröffnung der Trasse nach Bad Muskau. Schon anno 1992 begann der touristische Fahrbetrieb. Diese enormen Leistungen, so resümiert Heiko Lichnok, ruhen zu einem erheblichen Anteil an den in den 1990er-Jahren eingesetzten Menschen im Rahmen von Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen (ABM). „Wir hatten teilweise über 100 ABMler gleichzeitig hier“, hat Lichnok recherchiert. Kein Wunder, dass es zur Jahrtausendwende mit der Bahn bergab ging, als die Fördermaßnahmen extrem zusammengestrichen wurden. Fast schon legendär waren die damaligen Arbeitsbedingungen. Die damalige Fahrzeug-Instandhaltung befand sich in einer dunklen, zugigen und unbeheizten Halle, in der früher der Ton abgeladen worden war. „Die Mitarbeiter hatten keine Toilette. Dafür gab es ein Waschbecken, das allerdings nur im Sommer in Betrieb war. Im Winter wurden die Hände im Schnee gereinigt“, erzählt Lichnok. Während dieser schweren Zeit übernahm er anno 2001 den Geschäftsführerposten bei der Waldbahn-Gesellschaft.

Bald ging es durch diverse Förderprojekte zügig bergauf. „Wir wurden quasi aus der Steinzeit in die Neuzeit gebeamt“, beschreibt Heiko Lichnok diesen Prozess. Im Jahr 2010 übernahm die WEM die Verantwortung für die alte Tonbahn, die die Mühlroser Tongrube mit Weißwasser verband. Zur Wende befand sich dieser Abschnitt in einem miserablen Zustand, selbst die Gleise waren kaum noch erkennbar. „Zum Glück hat der Waldbahn-Verein die Befahrbarkeit wieder hergestellt“, sagt Lichnok. Letztlich packten die Eisenbahn-Enthusiasten beim tagebaubedingten Abbau der Strecke selbst mit an. Mit den so generierten Einnahmen wurde dringend benötigte neue Technik angeschafft. Letztlich erreichten die Eisenbahner eine Umverlegung der Tonbahn, die seit Ostern 2017 den Aussichtsturm am Schweren Berg ansteuert.

In den kommenden Jahren stehe die weitere Sanierung des Streckennetzes im Vordergrund, kündigt Lichnok an. Denn die Strecken seien in den 1990er-Jahren aus bereits gebrauchtem Material aufgebaut worden, das inzwischen in die Jahre komme.

Der weiteren Unterstützung vonseiten des Landkreises Görlitz können sich die Waldeisenbahner indes sicher sein. „Mit der Waldeisenbahn geben wir unseren Bürgern Steuergeld zurück“, erklärt Landrat Bernd Lange (CDU). Das sei nicht immer der Fall. Er betont, dass die WEM-Gesellschaft ein funktionierendes Netzwerk sowie Zusammenhalt benötige, aber keine Scheuklappen. „Es müssen weitere Touristiker und Partner eingebunden werde“, fordert Lange. Mit dem Verkehrsverbund ZVON klappe dies sehr gut, wie dessen Geschäftsführer Hans-Jürgen Pfeiffer betont. Denn mit verschiedenen ZVON-Fahrkarten könnten Gäste auch mit der Waldeisenbahn fahren. „Im Gegenzug erhoffen wir uns mehr Gäste in unseren Fahrzeugen“, sagt Pfeiffer. Und Olaf Urban, Vorsitzender des WEM-Vereins, dessen 70 Mitglieder nachhaltig die kleine Bahn auf ihrer 600-Millimeter-Spur unterstützen, lobt ausdrücklich die Zusammenarbeit mit der WEM-Gesellschaft: „Einen besseren Geschäftsführer als Heiko Lichnok können wir uns gar nicht vorstellen.“

Beide engagieren sich seit 17 Jahren für die Muskauer Waldeisenbahn: Landrat Bernd Lange (l.) und WEM-Geschäftsführer Heiko Lichnok.
Beide engagieren sich seit 17 Jahren für die Muskauer Waldeisenbahn: Landrat Bernd Lange (l.) und WEM-Geschäftsführer Heiko Lichnok. FOTO: LR / Torsten Richter-Zippack