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| 01:25 Uhr

Endlich entdeckt: Das echte Fürst-Pückler-Eis

Im Hotel Kristall in Weißwasser ist das Pücklereis ab sofort zu haben, die Vorbereitungszeit dauert jedoch rund eine Stunde. Im Bild die Köche Eric Gersdorf (Azubi, 1. Lehrjahr), Anett Popel, und Janine Hanusch (v. l.) mit dem neuen Buch.
Im Hotel Kristall in Weißwasser ist das Pücklereis ab sofort zu haben, die Vorbereitungszeit dauert jedoch rund eine Stunde. Im Bild die Köche Eric Gersdorf (Azubi, 1. Lehrjahr), Anett Popel, und Janine Hanusch (v. l.) mit dem neuen Buch. FOTO: André Kurtas
Weißwasser.. Beim Fürst-Pückler-Eis denkt man heute an ein Schichteis in den Farben braun, rot und weiß beziehungsweise gelb. André Kurtas

Das „Gefrorene von geschlagener Sahne mit Früchten nach Fürst Pückler,“ so die Bezeichnung der Sahne-Eis-Spezialität in der vermutlich ersten Erwähnung sah in Wirklichkeit jedoch ganz anders aus. Sein heutiges Aussehen verdankt das Fürst-Pückler-Eis einer längeren, durchaus widersprüchlichen Weiterentwicklung durch verschiedene Köche und Konditoren, die es mit den Gepflogenheiten der klassischen Gastronomie nicht so genau nahmen (und nehmen).
Diese Entwicklung ist zum Gegenstand der kürzlich erschienenen, unterhaltsam-literarisch aufbereiteten Analyse mit dem Titel „Das Fürst-Pückler-Eis - Geschichte, Geschichten und Rezepte“ geworden. Autor des Buches ist der Weißwasseraner Bernd-Ingo Friedrich. Er nennt zum Schluss seines Buches auch das Rezept, das man nach dem derzeitigen Stand der Dinge als das Originalrezept ansehen muss. „Es gibt leider keine andere Möglichkeit, als die Ersterwähnung des Pücklereises in der Kochliteratur zum Ausgangspunkt aller Überlegungen zu machen. Weder Pückler selbst noch seine Zeitgenossen haben diesbezügliche Äußerungen hinterlassen“ , so der Weißwasseraner.
Deshalb hat der Autor der Broschüre mit Hilfe des Internets sowie zahlreicher Bibliothekare, Antiquare, Sammler und wohl zum ersten Mal und mit Erfolg die einschlägige Kochliteratur durchgesehen. „Es stellte sich heraus, dass das ursprüngliche, dem Fürsten Pückler von ,Louis Ferdinand Jungius, Mundkoch Sr. Majestät des Königs von Preußen 1839' in seiner vollständigen und umfassenden theoretisch-praktischen Anweisung der gesamten Kochkunst gewidmete Eis ganz anders aussah als jenes, welches wir heute kennen. Das ursprüngliche Fürst-Pückler-Schichteis hatte nämlich die Farben Grün, Rot und Gelb - was zu dem Fürsten ja auch viel besser passte“ , so Friedrich. Schnitten, Waffeln, Torten, Schokoladenüberzüge und dergleichen seien Schnickschnack, die mit dem Pückler eis nie etwas zu tun hatten. Das ergebe sich allein schon aus der Technologie des Kühlens mit Eis, wie sie im neunzehnten Jahrhundert ausnahmslos angewendet wurde.
Daraus ergibt sich nun gewissermaßen ein Kuriosum - wie das bei dem Fürsten, der sich ja in jeder Beziehung einer Einordnung in bestimmte Schubladen entzieht, nicht anders zu erwarten war: Das Rezept von Jungius wäre selbstverständlich allen anderen vorzuziehen, doch es wird sich wohl kaum noch gegen jenes Bild durchsetzen können, das der Feinschmecker heute von dem Pücklereis hat. Und so wird es in Zukunft weiter viel unterschiedliches „echtes Pücklereis“ geben, darunter nun aber auch dieses eine, das seinen Namen wirklich verdient.

Service Das Buch
  Zwei Leseproben aus der Broschüre, herausgegeben von der Stiftung Fürst-Pückler-Museum Park und Schloss Branitz, sind auf der Internetseite www.kulturpixel.de zu finden. Dort ist auch die derzeit einzige Möglichkeit zum Bezug des Heftes angegeben.
Das Buch ist zu beziehen über: Stiftung Fürst-Pückler-Museum Park und Schloss Branitz, Gutshof Robinienweg 5, 03042 Cottbus, Telefon: 0355 / 75 15 225.