Wunden heilen manchmal verdammt langsam. Und manche Wunden heilen auch nie.

Der Zweite Weltkrieg, der von deutschem Boden ausging und der dorthin mit voller Wucht zurückkehrte, steht für beides. Väter, Mütter, Kinder ließen ihr Leben. Familien wurden für immer auseinander gerissen. Heimat ging verloren. Bomben und Granaten zerstörten Zuhause, Landschaft und Bauwerke. Manche gibt es nur noch auf Bildern. Andere warteten Jahrzehnte auf einen Wiederaufbau.

Das Muskauer Schloss ist ein beredtes Beispiel dafür. Am 30. April 1945 wurde es durch Brandstiftung zerstört. 50 Jahre war es danach Ruine. Daran erinnert heute nur noch ein Bild am Eingang zum Neuen Schloss.

Gedenken an Befreiung in Zeiten von Beschränkung

75 Jahre ist es nun her, dass der Zweite Weltkrieg zu Ende gegangen ist. Auch in Zeiten von Corona will man daran erinnern. Am Freitag, den 8. Mai, wird es anlässlich des 75. Jahrestages der Befreiung, auf dem Weißwasseraner Friedhof am Sowjetischen Ehrenmal von zwölf bis 13 Uhr eine Gedenkveranstaltung mit Baumpflanzung geben.

„Aufgrund der Richtlinien für Versammlungen mit Blick auf die Corona-Schutzverordnung ist darauf hinzuweisen, dass sich maximal 50 Personen im gekennzeichneten Areal aufhalten dürfen, vor Ort eine Mund-Nasen-Bedeckung zu tragen ist, sowie die Mindestabstände einzuhalten sind“, teilt Wulf Stibenz, Referent des Oberbürgermeisters, mit.

Laut Heidi Knoop vom Linken-Ortsvorstand der Region Weißwasser, sei es wichtig, sich an jene zu erinnern, die die Hauptlast Krieges und des Sieges über den Hitlerfaschismus getragen haben.

Deshalb wollen die Linken mit vielen Mitgliedern an dieser Gedenkveranstaltung teilnehmen. Neben Oberbürgermeister Torsten Pötzsch (Klartext) wird auch Linken-Landtagsabgeordnete Antonia Mertschink sprechen.

Erinnern im kleinen Rahmen

Wäre es nach den Linken gegangen, sollte das Gedenken in diesem Jahr noch größer ausfallen. Als an Corona noch nicht zu denken war, stellte sie deshalb im Kreistag Görlitz den Antrag „Der Kreistag beauftragt den Landrat, aus Anlass des 75. Jahrestages der Befreiung vom Nationalsozialismus und der Beendigung des Zweiten Weltkrieges, dieses bedeutende historische Ereignis am 8. Mai 2020 mit einer oder mehreren angemessenen Veranstaltungen zu würdigen.“

Als Fürsprecher trat auch der Grünen-Kreisrat Thomas Pilz auf. Er schlug vor, in dem Zusammenhang einen regionalen Bezug herzustellen und das Gedenken nach Großschweidnitz zu verlagern.

Die ehemalige Landesanstalt war unter den Nationalsozialisten eine Station in den Tod. Zudem habe es KZ-Außenlager im Landkreis Görlitz gegeben, Todesmärsche hätten hier stattgefunden. Doch letztlich wurde dieser Antrag mit der Mehrheit der Stimmen von CDU, AfD und Freien Wählern abgelehnt.