| 02:45 Uhr

Elternsprecherin ist pappesatt

Weißwasser. "Leider ist es der Lehrerarbeitsmarkt deutschlandweit leer gefegt und es ist schwierig, geeignete Bewerber, vor allem für unsere Bedarfsschularten Grundschule, Oberschule und Förderschulen und die Regionen jenseits von Dresden und Leipzig zu gewinnen. Der erhöhte Nachwuchsbedarf aufgrund des Generationswechsels an den sächsischen Schulen wird noch etwas zehn Jahre anhalten. Regina Weiß

"

Diese Sätze aus dem Sächsischen Kultusministerium tragen nicht unbedingt dazu bei, dass das Vertrauen von Annett Ulbrich in das sächsische Bildungssystem wieder steigt. Derzeit ist sie gelinde gesagt, pappesatt. Ihre Tochter geht in die Klasse 7/2 des Landau-Gymnasiums Weißwasser. Der erste Schultag dürfte anders verlaufen sein, als es sich die Kinder erhofft haben. Ihre Klassenleiterin ist nicht mehr da. "In der ersten Ferienwoche erhielt sie von der Bildungsagentur ein Schreiben, dass sie an die Grundschule abgeordnet wird", erzählt Annett Ulbrich der RUNDSCHAU. Die gestandene Gymnasiallehrerin für Deutsch und Geschichte soll nun an einer Grundschule unterrichten. "Dort wird eine ganz andere Methodik verwandt", wundert sich Annett Ulbrich. Was sie aber so richtig auf die Palme treibt, ist, dass dies in den Ferien erfolgte, sich die Kinder, die einen sehr guten Draht zu ihrer Klassenlehrerin hatten, gar nicht verabschieden konnten. Dass auch die Lehrerin geschockt und in Widerspruch gegangen ist, weiß Annett Ulbrich. "Es gibt auf der ganzen Seite nur Verlierer." Zu denen zählt sie auch das Gymnasium selber, das nun den Weggang einer Kollegin kompensieren muss. "Am Gymnasium herrscht Lehrermangel, Ausfälle können nicht mehr kompensiert werden. Die Kinder werden vor vollendete Tatsachen gestellt", macht sich die Elternsprecherin der Klasse Luft. "Man kann sich doch nicht alles gefallen lassen", findet sie und hat deshalb in den Ferien mit Ministerium und Bildungsagentur im E-Mail-Kontakt gestanden, um auf dieses Problem aufmerksam zu machen. "Zumindest habe ich es probiert", so die Weißwasseranerin.

Bei der Bildungsagentur erklärt man auf Nachfrage der RUNDSCHAU, dass man zu Einzelfällen keine öffentliche Aussage trifft. Abordnungen von Lehrern habe es immer wieder gegeben, so Pressesprecherin Angela Ruscher. Sie erklärt, dass die Lehrer nicht an einer Schule, sondern beim Freistaat Sachsen angestellt seien. Und dieser sucht gerade für den ländlichen Raum händeringend nach Lehrern. 217 Stellen, davon 80 in den Oberschulen, müssen im Regionalstellenbereich Bautzen (Landkreise Görlitz und Bautzen) besetzt werden. Noch laufe das Einstellungsverfahren.

"Wir haben nicht genug Lehrer", so Andrea Herda, Leiterin des Landau-Gymnasiums in Weißwasser. Mehr will und darf sie zu dem Thema gegenüber der Öffentlichkeit nicht sagen.