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| 13:24 Uhr

Aus dem Stadtrat
Durchaus denkbar: Solebad im Eiskeller

 Das Gelände der Brauerei samt Niederländischer Hof soll sich entwickeln. Die Notsicherung ist bereits erfolgt. Für die Eiskeller (links) ist eine kurörtliche Entwicklung durchaus denkbar.
Das Gelände der Brauerei samt Niederländischer Hof soll sich entwickeln. Die Notsicherung ist bereits erfolgt. Für die Eiskeller (links) ist eine kurörtliche Entwicklung durchaus denkbar. FOTO: Regina Weiß
Bad Muskau . Bad Muskau nimmt die kurörtliche Entwicklung wieder ins Visier. Förderkonstellation ist günstig.

Der Eiskeller auf dem Gelände der Brauerei in Bad Muskau hat in den zurückliegenden Wochen ein neues Dach bekommen. Damit ist für die Zukunft erst mal gesichert, dass Wasser und Wind keine weitere Angriffsfläche haben. Eis aus dem Eichsee oder dem Bergschen See waren dort einst gelagert worden, um den Bedarf für die Bierbrauerei abzusichern. Später wurde der Eiskeller als Garage genutzt und versank dann wie das gesamte Areal in einen Dornröschenschlaf.

Das neue Leben für den Eiskeller könnte weniger mit dem Bier, dafür mit Sole und Moor – den Bad Muskauer Heilmitteln – zu tun haben. Davon geht jedenfalls Professor Karl-Ludwig Resch, Präsident des Sächsischen Heilbäderverbandes, aus. Als Fachmann hatte er die Aufgabe, eine Konzeption zur Entwicklung von neuen Produktangeboten zu entwickeln. Die wichtigsten Erkenntnisse daraus hat er am Mittwoch dem Stadtrat Bad Muskau vorgestellt. Maßgabe sei, alles Schritt für Schritt aufzubauen. Nicht Therme oder Saunalandschaft dürften am Anfang stehen, sondern ein zusätzliches Angebot, das man denen offerieren kann, die sowieso nach Bad Muskau kommen. Die Rede ist von den Gästen des Parks. „Denen muss man mehr anbieten, was sie nutzen können“, so Resch. Was letztlich auch helfen würde, den Aufenthalt in der Parkstadt zu verlängern. Denn derzeit liegt der Durchschnitt bei rund zwei Tagen – zu wenig, sagen die Touristiker.

Resch sagt, der Anfang soll mit kurörtlichen Ergänzungs- und Schnupperangeboten gemacht werden. „Es geht darum, den Kurort erlebbar zu machen.“ Wer weiß denn schon, dass die Neißestadt ein „Ort mit Moorkurbetrieb“ ist. Ein prädikatisierter noch dazu. Der Gast müsse also erstens mit der Nase drauf gestoßen werden und zweitens die Heilmittel ausprobieren können. Dabei habe laut Resch der Eiskeller die größte Entwicklungschance. Dort wäre Solebad, Dreikammer-Sole-Sauna, Rasul, fürstliche Grotte und Relax-Zone mit Licht und Musik denkbar. Doch es gehe noch niederschwelliger. Ein Sole-Inhalations-Pavillon, Solebrunnen oder eine Moortretanlage bedürfen nicht der Rieseninvestitionen, sorgen aber für eine Präsenz der Heilmittel.

Natürlich kosten auch die Geld. Doch Resch macht den Bad Muskauern Mut, denn die Konstellation, aus dem ersten Konzept auch Umsetzbares zu erzeugen, stünden derzeit besonders gut. So wird die Leitbild-Fortschreibung von Bad Muskau gefördert. Außerdem messe Sachsen der Profilierung der Kurorte künftig mehr Bedeutung bei. Diese Optionen bieten laut Resch die Chance, die Idee weiterzuentwickeln. Hinzu kommt laut Bürgermeister Andreas Bänder (CDU), dass entsprechende Fördermodalitäten im Landkreis Görlitz günstiger seien als in anderen Landesteilen. Und zu guter Letzt gehe es auch darum, das Gesamtpaket Brauereigelände zu entwickeln. Deshalb werde das Resch-Konzept auch bei der Sitzung des Stiftungsrates am 6. Juni im Muskauer Park eine Rolle spielen. Derzeit befindet sich das Gelände im Besitz des Freistaates. Soll sich im Eiskeller etwas entwickeln, sind auch Grundstücksfragen zu klären. Bänder versichert der RUNDSCHAU, dass viele Gespräche bereits im Hintergrund laufen.

„Lassen Sie uns morgen anfangen“, zeigt sich CDU-Stadtrat Siegmar Nagorka begeistert. Heidi Knoop (Die Linke) gibt allerdings zu bedenken, dass das die Verwaltung allein nicht stemmen könne. „Und aus den 2,50 Euro aus unserem Haushalt ist das auch nicht möglich.“ Ein hauptamtlicher Projektmanager wäre das mindeste, so Knoop. Doch der dürfe sich nicht erst was zum Managen suchen. Soll heißen, es geht vorerst um einen gefälligen Anfang. „Ich bin auf jeden Fall optimistisch, dass es klappen kann“, erklärt Bänder. Und meint damit eine Frist von zwei bis drei Jahren. 2017 hat der Stadtrat einen Maßnahmeplan für die kurörtliche Entwicklung mit fünf Punkten festgeschrieben. Diese lauten: Sicherung der natürlichen Heilmittel (Moor/Sole) mit Errichtung einer zentralen Mooraufbereitungsanlage; Schaffung eines bedarfsgerechten Angebotes für den ruhenden Verkehr (Parkhaus etc.); Anlage und Sanierung von Wanderwegen (Terrainkurwege); Konzeptentwicklung für ein Kurmittelhaus am Standort Niederländischer Hof/Brauerei. Für Letzteres hat man den ersten Schritt gemacht.

 Das Gelände Brauerei samt Niederländischer Hof soll sich entwickeln. Die Notsicherung ist bereits erfolgt. Für die Eiskeller (links) ist eine kurörtliche Entwicklung durchaus denkbar.
Das Gelände Brauerei samt Niederländischer Hof soll sich entwickeln. Die Notsicherung ist bereits erfolgt. Für die Eiskeller (links) ist eine kurörtliche Entwicklung durchaus denkbar. FOTO: Regina Weiß