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Eishockey-Urgestein stellt Trainerarbeit ein

Hartwig Schur auf der Trainerbank. Der 67-Jährige macht den Platz frei und übergibt seine Arbeit in gute Hände, wie er sagt.
Hartwig Schur auf der Trainerbank. Der 67-Jährige macht den Platz frei und übergibt seine Arbeit in gute Hände, wie er sagt. FOTO: Preikschat
Weißwasser. Als Spieler bestritt er mehr als 100 Länderspiele und holte zig Meistertitel. Als Trainer bildete er Hunderte Nachwuchsspieler aus. 55 Jahre stand Hartwig Schur auf dem Eis. Nun verabschiedet sich der Weißwasseraner. Daniel Preikschat

Einen schöneren Anblick kann sich Hartwig Schur noch immer kaum vorstellen: Ein Bambini-Spieler läuft mit der Scheibe aufs Tor zu, nimmt vor dem Schuss noch mal den Kopf hoch - und versenkt das Ding im Dreiangel. Genau so, wie er es im Training gelernt hat. Ebenso oft in seiner langen Zeit als Trainer musste Schur aber auch schon mit ansehen, wie der spielentscheidende Penalty nicht reinging. "Da bricht für so einen kleinen Jungen natürlich eine Welt zusammen. Der muss dann auch mal gedrückt werden."

Hartwig Schur bräuchte lange, um die Namen all der Eishockeyschüler aufzuzählen, die er in dieser Weise irgendwann schon mal trösten und wieder motivieren musste. Hunderte seien es gewesen im Laufe von mehr als 35 Jahren Trainerarbeit. Zumindest ihre Spitznamen wüsste er auch heute alle noch. Viele von ihnen haben mittlerweile schon ihre Kinder zu ihm in die Trainingsgruppe geschickt, andere sich längst einen Namen gemacht als Profi-Spieler. Pierre Pfarsky, Florian Proske, Mirko Lüdemann, Jörg Wartenberg, Danny Albrecht, Marcel Linke, Thomas Götz … Die gemeinsam erspielten Titel ergeben eine "stolze Bilanz", so Schur. Mit ihm als Trainer wurden Nachwuchsteams aus Weißwasser nach der politischen Wende sieben Mal deutscher Meister, vier Mal Vize-Meister und vier Mal Dritter.

Als Spieler Trainer gelernt

Doch was macht einen zum Meister-Spieler? Sieht man das Potenzial dafür schon im Kind? Diese Fragen haben Schur schon beschäftigt, als er selbst noch trainiert wurde. Noch während seiner - ebenfalls sehr erfolgreichen - Zeit als Verteidiger bei der SG Dynamo Weißwasser und im DDR-Nationalteam ließ sich der gelernte Betriebsschlosser in den 1970er-Jahren per Fernstudium zum Trainer ausbilden.

1978 ging es dann los für ihn. In der Grundschule 8 in Weißwasser wurde eine Jungenklasse nur mit Nachwuchs-Eishockeyspielern eingerichtet, die Talente vorher im Sportunterricht "gesichtet", wie Schur sagt. Ob jemand "aufgeweckt" ist, sehe man ziemlich schnell. Auf Reaktionsschnelligkeit und gutes Koordinationsvermögen komme es an.

Trainiert werden konnte damals im Freiluft-Stadion und auf der Eisschnelllaufbahn, die später mit der Eishalle überbaut wurde. Schur konnte immer am besten mit den Jungs arbeiten, die den Puck nicht immer gleich "weghauen" wollten. Das Schießen sei einem Spieler leichter beizubringen als das Führen der Scheibe, die Fähigkeit, das Spiel zu machen. Das sei natürlich auch anstrengend. "Ein guter Eishockeyspieler muss immer auch ein guter Athlet sein", sagt Schur. Die Aussicht auf die Spieleinheit zum Abschluss des Trainings war immer die beste Motivation, damit sich seine Spieler vorher schinden. "Je besser sie vorher trainiert haben, desto länger durften sie nachher spielen", sagt Schur wissend lächelnd.

Der 67-Jährige erinnert sich gern an die alten Zeiten. Heute finde der Eissportverein kaum mehr noch genügend Nachwuchs. Man müsse ihn regelrecht einsammeln, dabei viel Fahrdienst leisten. Zu DDR-Zeiten dagegen wollten viel mehr Kinder das Eishockeyspielen lernen, als man ausbilden konnte. "Und dann waren die Kinder früher auch noch fitter". Der Sportunterricht damals war eben noch ein ganz anderer als heute, und er fiel auch nie aus.

Mit künstlicher Hüfte trainiert

Hartwig Schur stand zuletzt mit künstlicher Hüfte auf dem Eis. Zunehmend anstrengend waren auch die langen Fahrten zu den Auswärtsspielen bis nach Krefeld, Düsseldorf oder Bayern. Ruhiger wolle er es angehen lassen an seinem Lebensabend, den Fuchsbau nur noch als Zuschauer besuchen. Körperliche Ertüchtigung habe er genug in seinem großen Garten. "Da sind noch einige große Bäume zu fällen."