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| 01:04 Uhr

Eishockey und Traditionen

„Lausitzer Füchse tief am Boden“ , überschrieb Matthias Dommaschk einen elektronisch übersandten Brief zum Thema Eissport in Weißwasser.



Zum Start der diesjährigen Spendenaktion formulierte Füchse-Geschäftsführer Reinert unter anderem folgendes Ziel für seine Arbeit: "Die Profimannschaft soll in der Öffentlichkeit ein Aushängeschild des Eissports werden. Die Region soll sich mit dem Team identifizieren können, die Menschen sollen stolz auf das Team sein." Aktuell wird wieder deutlich, wie weit Anspruch und Wirklichkeit gerade in Weißwasser auseinander liegen.
„Wir sind ein Team - gemeinsam für den Eissport in Weißwasser“ hieß das Motto der Spendenaktion. In einer wirtschaftlich arg gebeutelten Region kam eine respektable Spendensumme zusammen, doch muss man sich im Nachhinein doch wieder fragen, ob nicht nur wiedermal der größte Sponsor des Eishockeys in Weißwasser, nämlich die Zuschauer verarscht wurden.
Über Jahre hinweg gehörten die Füchse immer zu den Clubs in der jeweiligen Liga mit den höchsten Etats. Die Füchse-GmbH veröffentlichte kürzlich die Zahlen für die Oberligasaison 2003/04. Aus denen geht hervor, dass in dieser Spielzeit rund 1,64 Millionen Euro ausgegeben wurden, sportlich aufgestiegen ist man bekanntlich aber nicht. Auch dieses Jahr erklärte Renè Reinert, dass die Gehälter der Füchse-Spieler mit zu den höchsten der Liga zählen - doch warum eigentlich„ Weshalb schaffen andere Vereine mit bedeutend weniger finanziellen Mitteln als diese in Weißwasser zur Verfügung stehen regelmäßig sportlich und wirtschaftlich erfolgreicher zu sein“
Die Füchse haben das Glück, dass der Verein erstklassige Fans hat. Der Zuschauerschnitt und auch das Ergebnis der Spendenaktionen sprechen dafür eigentlich für sich - vielleicht bekommt aber auch endlich mal die andere Seite hin, ebenfalls erstklassig zu sein. Der Verein muss endlich einmal professionell geführt werden, nur immer die Leute zu ersetzen ohne die Abläufe zu ändern funktioniert einfach nicht - damit hat man, wie jetzt wieder deutlich zu sehen ist - keinen Erfolg.
Auch die Mannschaft muss mal begreifen, dass sie für einen Traditionsclub spielen, dessen Ansehen sie Spiel für Spiel und Jahr für Jahr immer weiter herabsetzen. Weißwasser sollte nicht der Club sein, bei dem man als Spieler ein leichtes Leben hat, also viele Partys feiern kann und dafür noch fürstlich bezahlt zu werden und wenn's auf dem Eis nicht so läuft, muss auch niemand mit Konsequenzen zu rechnen… Aber so ist vielleicht inzwischen die Realität.
Spieler mit einer Söldner-Mentalität wird es immer wieder geben, nur muss man diese nicht nach Weißwasser holen.
Auch der Nachwuchsbereich kann nach den neuerlichen Trainerentlassungen wohl kaum mehr für positive Schlagzeilen sorgen. Der seit Jahren sichtbare Abwärtstrend wird sich nun wohl noch beschleunigen - den Nachwuchsmangel konnte man vielleicht noch teilweise durch erfahrene Trainer ausgleichen, doch nun? Vereine wie Dresden haben gleich zugeschlagen - so ist bei den Eislöwen seit dieser Saison Andreas Heinrich Cheftrainer im Nachwuchsbereich. Letztes Jahr stand er noch in Weißwasser bei den Schülern in der Bundesliga hinter der Bande. Sie beendeten damals als Tabellenführer die Hauptrunde… So baut man die direkte Konkurrenz auf!
Man darf also auf die Zukunft des Weißwasseraner Eishockeys mehr als gespannt sein.
Gerüchten zufolge soll die Kapitaldecke wohl nur noch bis zum Jahreswechsel reichen. Ob das den Tatsachen entspricht wird sich zeigen. Nach
der Oberligasaison hatte die Füchse-GmbH bereits Verbindlichkeiten in Höhe von rund 180 000 Euro ausgewiesen. Im Letzten Jahr war das Etat-Loch laut Füchse-Verantwortlichen auch sechsstellig und durch die Entschuldung des Stammvereins fallen bekanntlich auch Sponsorengelder der Stadtwerke weg. Nicht dass dann in Kürze der Stammverein zwar schuldenfrei, die GmbH jedoch dafür mal wieder insolvent ist.