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| 15:50 Uhr

Weißwasseraner Stadtspitze warnt die Stadträte
Für die Betreibung der Eisarena Weißwasser fehlt Geld und Personal

 Die Eisarena in Weißwasser wird auf absehbare Zeit mehr Kosten verursachen. Und obendrein fehlt auch noch Personal. Nur selten ist die Eisarena sowie die Eisfläche, wie hier kurz vor dem Training der Lausitzer Füchse in dieser Woche, menschenleer.
Die Eisarena in Weißwasser wird auf absehbare Zeit mehr Kosten verursachen. Und obendrein fehlt auch noch Personal. Nur selten ist die Eisarena sowie die Eisfläche, wie hier kurz vor dem Training der Lausitzer Füchse in dieser Woche, menschenleer. FOTO: Christian Köhler
Weißwasser. „Die Absicherung der DEL 2-Spiele ist in Gefahr“, warnt Weißwassers Oberbürgermeister Torsten Pötzsch (Klartext). Derweil steigen schon seit 2015 die Zuschüsse der Stadt an die Eisarena. Ein Ende ist nicht abzusehen. Von Christian Köhler

Mit einem Hilferuf hat sich Weißwassers Oberbürgermeister Torsten Pötzsch (Klartext) an die Stadträte gewandt: „Die Absicherung der DEL 2-Spiele ist in Gefahr.“ Nur durch den freiwilligen Einsatz – auch der Stadtspitze – wäre die ordnungsgemäße Betreibung nicht mehr möglich, so Pötzsch. „Mittelfristig ist ein weiterer Eismeister einzustellen“, sagt er.

Vorgaben der Liga

Hintergrund ist, dass die Statuten der DEL vorschreiben, dass zu jedem Spiel ein Eismeister an der Bande zur Verfügung stehen muss, um das Eis zu präparieren, kurzfristig notwendige Reparaturen an Toren, am Eis oder an der Bande vorzunehmen. Andererseits muss bei auftretenden Schäden, zum Beispiel eine zerbrochene Fassaden- oder Plexiglasscheibe oder eine defekte Sicherung, sofort reagiert werden, wozu ein zweiter Eismeister erforderlich ist. Kommt es zum Ernstfall und ein Profi-Spiel muss abgebrochen werden, kommen enorme Kosten auf die Stadt zu: Erstattung der Kosten des Gästeteams, der Schiedsrichter, Ticket-Rückgabe der Zuschauer, Einbußen des EHC Lausitzer Füchse und nicht zu vergessen der Imageschaden für die Stadt.

Insgesamt, so erklärt Eisarena-Leiter Milton Tauche, beschäftigt die Stadt drei Eismeister, die im Schichtbetrieb arbeiten. Allerdings, wie jüngst geschehen, wenn einer der drei über Wochen krank ist, müssen sich die zwei verbliebenen reinteilen, den täglichen Betrieb zwischen 7 und 23 Uhr absichern. „Und wenn ich krank oder im Urlaub bin, gibt es keine Vertretung“, erklärt Tauche das Dilemma. Torsten Pötzsch ergänzt: „Arbeitsrechtlich ist es nicht zulässig, dass die Mitarbeiter rund um die Uhr vor Ort sind. Wir brauchen hier eine Lösung.“

Die harten Zahlen

Die fromme Idee, als Ende 2014 Stadtkämmerer Rico Jung vorschlug, die Betreibung der Eisarena ab 2015 vom Eissport Verein ESW in städtische Hände zu übertragen, „weil wir es günstiger können“, ist nicht aufgegangen. Das nämlich legen Zahlen nahe, die Milton Tauche bereits im vergangenen Sommer den Stadträten vorrechnete. Lag 2015 der Zuschuss-Bedarf für die Eisarena der Stadt bei 565 000 Euro, lag er 2017 bereits bei 791 000 Euro. Andreas Friebel (Klartext) beziffert im Sommer 2018 den städtischen Zuschuss des vergangenen Jahres auf rund 850 000 Euro. „Die Abrechnung ist allerdings noch nicht fertig“, räumt Milton Tauche ein.

Die Gründe für Mehrkosten

Als Hauptursache nennt der Leiter Lohnsteigerungen des Personals, die nicht durch zusätzliche Kräfte verursacht werden, sondern durch Tarifsteigerungen des öffentlichen Dienstes. Hinzu kommen teurere Betriebskosten für Strom, Wasser und Abwasser. In Summe kostete 2018 allein der Strom für die Eisarena über 200 000 Euro. Ab 2019 ist der Strompreis von 4,41 Cent pro Kilowattstunde auf 5,574 Cent gestiegen. Mehrkosten sind also vorprogrammiert.

Politischer Schlagabtausch

Der Vorwurf, den 2018 etwa SPD-Stadtrat Ronald Krause erhob, dass mit dem Verantwortungswechsel der Zuständigkeit im Rathaus die Eisarena-Kosten „aus dem Ruder gelaufen“ sind, kann Milton Tauche nicht bestätigen. War nämlich 2015 noch Rico Jung für die Eisarena zuständig – er wurde im OB-Wahlkampf von Krause unterstützt –, fällt seit 2016 die Verantwortung für das Objekt in das Referat des Oberbürgermeisters. „Es ist wie bei einem Autokauf“, nennt Tauche ein Beispiel, „am Anfang fallen keine Reparaturen an, die Überprüfung der Technik gehört zur Garantieleistung.“ Nach einiger Zeit läuft die Garantie aus, fallen nötige Instandhaltungen an, „die sich nicht aufschieben lassen, will man das Millionen-Objekt langfristig nutzen.“

„Ich formuliere mal eine kühne These“, hält Andreas Friebel noch 2018 dem SPD-Vorwurf entgegen: „Die Zahlen für 2015 wurden schön gerechnet. Und vielleicht hätten wir nie die richtigen Zahlen bekommen, wenn die OB-Wahl anders ausgegangen wäre.“ Tatsächlich, so berichtet Milton Tauche auf Nachfrage, hat die Stadt bei der Übernahme der Eisarena die eventuell zu viel erhaltenen Vorsteuern für 2013 und 2014 dem ESW vertraglich zugesichert. Ein hoher fünfstelliger Betrag wird dafür jetzt erst fällig. Die Abschreibungen, die die Stadt für Eisarena in den Haushalt einstellen muss, sind ferner seit 2016 gestiegen.

Reparaturen fallen zusätzlich an

TÜV und Revisionen, etwa der Brandmeldeanlage, der Eismaschinen oder der Kälteanlagen, sind gesetzlich vorgeschrieben und für eine mittelfristige schadensfreie Nutzung erforderlich. „Eine unserer Eismaschinen ist in die Jahre gekommen“, nennt Tauche ein Beispiel. Eine Neuanschaffung, wie 2018 beantragt, ist im Haushaltsentwurf gestrichen worden. Ersatzteile werde es aber auf lange Sicht nicht mehr geben. „Irgendwann wird es unwirtschaftlich, sie zu reparieren.“ Weitere Überprüfungen der technischen Anlagen kosten Geld, „verhindern aber deutliche Mehrkosten, wenn etwas kaputt geht“, sagt der Eisarena-Leiter. Größere Investitionen, um die Betriebskosten zu senken – wie etwa die Umrüstung der Beleuchtung auf LED –, würden schnell sechsstellige Beträge kosten.

Einnahmen für die Eisarena sind am Limit

Als die Stadt Niesky ihre Eishalle umbaute, konnte Weißwasser durch das Vermieten der Arena an die Tornados zusätzliches Geld einnehmen. Das ist nun Geschichte. „Die Eisarena ist trotzdem voll ausgelastet“, sagt Milton Tauche. Eine Steigerung der Einnahmen, trotz höherer Gebührenordnung seit 2018, werde schwerlich möglich. „Man kann sicher die Gebühren bis zur Kostendeckung anheben, aber welcher Verein kann sich dann eine Eiszeit leisten?“, fragt Tauche. Immerhin: Mit der Übernahme des Schlittschuhverleihs nimmt die Stadt rund 20 000 Euro ein. Aber auch hier pegelt sich die Einnahme auf dem Niveau ein.

Was dem Eisarena-Personal wichtig ist

„Es muss klar sein, dass wir hier kein Geld zum Fenster rausschmeißen“, sagt Milton Tauche, „wir arbeiten natürlich wirtschaftlich.“ Als Weißwasseraner liege ihm die Eisarena am Herzen. In vergleichbaren Arenen, darauf hat Torsten Pötzsch im Stadtrat aufmerksam gemacht, „arbeiten acht Mitarbeiter“. „Mir ist klar, dass wir das nicht können, aber ein weiterer Eismeister sowie eine Schreibkraft würden zumindest die dringensten Probleme lösen“, so Tauche.

Er setze darauf, dass die Stadträte sich ihrer Verantwortung bewusst sind – gerade mit Blick auf die anstehende Haushaltsdebatte. „Alle waren für den Neubau der Eisarena, jetzt muss man zu den anfallenden Kosten stehen.“ Und die werden nicht mehr weniger.

 Milton Tauche ist seit 2016 Leiter der Eisarena in Weißwasser
Milton Tauche ist seit 2016 Leiter der Eisarena in Weißwasser FOTO: Christian K“hler