ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 18:54 Uhr

Denkmalschutz
Einmalig für die Lausitz und darüber hinaus

 Ein Blick auf die sorbischen Grabsteine. 50 Stück wurden vor dem Vergessen gerettet und haben einen neuen Platz auf dem Friedhof in Rohne gefunden.Künftig wird es zwischen den Steinen weiß blühen: die Farbe der Auferstehung.
Ein Blick auf die sorbischen Grabsteine. 50 Stück wurden vor dem Vergessen gerettet und haben einen neuen Platz auf dem Friedhof in Rohne gefunden.Künftig wird es zwischen den Steinen weiß blühen: die Farbe der Auferstehung. FOTO: Regina Weiß
Rohne. Sorbische Grabsteine auf dem Rohner Friedhof sind geweiht. Denkmale für die Nachwelt erhalten. Von Regina Weiß

Das Osterlicht leuchtet hell. Es leuchtet am Morgen vom Ostersonntag mit der Sonne um die Wette. Gerade haben die Menschen das Osterevangelium gehört. „Die Osterkerze ist ein Zeichen unserer Zuversicht. Gebt das Licht einander weiter“, fordert Pfarrerin Jadwiga Mahling auf. Später wird das weitergegebene Licht in Form von Kerzen als ein Zeichen vor den alten Grabsteinen stehen, die auf dem Friedhof in Rohne eine neue Heimat gefunden haben.

Seit Ostersonntag sind die 50 historischen Grabsteine als eigener Komplex auf der Rohne Begräbnis­stätte wieder vereint und geweiht. „Ein neuer Gedenkort ist entstanden“, unterstreicht die Pfarrerin. Hier könne man die sorbischen Vorfahren ehren. „Väter, Mütter und Kinder, die vor uns waren.“ An diesem besonderen Ort können neue Wurzeln geschaffen werden, „aus der Hoffnung für die Zukunft entstehen kann.“

Entstanden sei zudem ein Ort, der einmalig ist in der Lausitz, sogar in der Welt. Denn nirgendwo gibt es so viele sorbische Grabsteine aus dem 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts wie in Rohne. Die Grabplatten zieren nicht nur sorbische Bibelsprüche, sondern Verse, die ihren Ursprung in der frommen Volksdichtung haben.

 Schleifes Pfarrerin Jadwiga Mahling hat die Grabsteine geweiht. Kolesko hat das Ganze musiklisch umrahmt.
Schleifes Pfarrerin Jadwiga Mahling hat die Grabsteine geweiht. Kolesko hat das Ganze musiklisch umrahmt. FOTO: Regina Weiß
 Schleifes Pfarrerin Jadwiga Mahling hat die Grabsteine geweiht. Kolesko hat das Ganze musiklisch umrahmt.
Schleifes Pfarrerin Jadwiga Mahling hat die Grabsteine geweiht. Kolesko hat das Ganze musiklisch umrahmt. FOTO: Regina Weiß

Das sei wirklich eine absolute Besonderheit, sagt auch Trudla Malinkowa. Als Mitarbeiterin des Sorbischen Instituts in Bautzen hat sie sich sehr intensiv mit der Geschichte des alten sorbischen Friedhofs und seiner Grabsteine befasst. Das Ganze mündete in einem Buch, das bereits 2011 erschienen ist.

Im selben Jahr ebenfalls Ostersonntag konnte ein erstes sichtbares Zeichen für den Erhalt dieser Begräbniskultur gesetzt werden. Denn damals konnten die ersten zwölf Grabsteine eingeweiht werden. Als ein Zeichen für die zwölf Monate eine Jahres hatte man sich für die Anzahl der Steine entschieden, außerdem gehörten vier zur Familie der Nachfahren von Hanso Njepila. Dem Halbbauern und Schriftsteller aus Rohne.

Acht Jahre später kann der Ortschaftsrat sein Versprechen einlösen, diese besonderen Denkmäler der Öffentlichkeit für eine dauerhafte Präsentation zu übergeben, so Ortsvorsteher Matthias Jainsch. Auch er freut sich, dass die Anlage so geworden ist, wie er sich das einst vorgestellt hat. 1982 begann die Zeit, den alten Friedhof und seine Geschichte dem Vergessen zu entreißen. 62 Grabsteine und Fragmente konnten sicher gestellt werden. Der älteste Stein rührt aus dem Jahr 1873 her, der jüngste ist 100 Jahre alt.

Viele Kindergräber zeugen davon, dass es zur damaligen Zeit im Dorf nicht einfach war, die Kleinen groß zu kriegen. „Sie erzählen auch von Epidemien, die in Rohne Opfer kosteten“, so Trudla Malinkowa.

 Die Grabsteine wurden vor ihrem Aufstellen konserviert. Ostersonntag wurden zu ihren Füßen Kerzen aufgestellt. Sie waren am Osterlicht entzündet worden.
Die Grabsteine wurden vor ihrem Aufstellen konserviert. Ostersonntag wurden zu ihren Füßen Kerzen aufgestellt. Sie waren am Osterlicht entzündet worden. FOTO: Regina Weiß
 Die Grabsteine wurden vor ihrem Aufstellen konserviert. Ostersonntag wurden zu ihren Füßen Kerzen aufgestellt. Sie waren am Osterlicht entzündet worden.
Die Grabsteine wurden vor ihrem Aufstellen konserviert. Ostersonntag wurden zu ihren Füßen Kerzen aufgestellt. Sie waren am Osterlicht entzündet worden. FOTO: Regina Weiß

Matthias Jainsch erinnert in seiner Dankesrede daran, dass viele Unterstützer ihren Anteil daran hatten, dass diese besondere Gedenkstätte überhaupt entstehen konnte. Bei einem Vor-Ort-Termin 2010 habe man sozusagen Nägel mit Köpfen gemacht und danach den damals gefassten Plan in die Tat umgesetzt. Jetzt will Matthias Jainsch nur noch die Infotafel vor der Anlage bestücken, damit auch jene etwas über das neu gestaltete Feld auf dem Friedhof in Rohne erfahren, die hier nicht zu Hause sind.

„Was wir aus diesem Erbe machen, liegt an uns“, so der Rohner Manfred Hermasch. Dass die Steine nur unweit ihres alten Platzes auf einem neu gestalteten Gelände stehen, sieht er als gutes Zeichen.

 Ein Blick auf die sorbischen Grabsteine. 50 Stück wurden vor dem Vergessen gerettet und haben einen neuen Platz auf dem Friedhof in Rohne gefunden.Künftig wird es zwischen den Steinen weiß blühen: die Farbe der Auferstehung.
Ein Blick auf die sorbischen Grabsteine. 50 Stück wurden vor dem Vergessen gerettet und haben einen neuen Platz auf dem Friedhof in Rohne gefunden.Künftig wird es zwischen den Steinen weiß blühen: die Farbe der Auferstehung. FOTO: Regina Weiß