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Eingestürzte Grube reißt tiefes Loch

Das Loch klafft in einem Waldstück unmittelbar an der Grenze zu einem bebauten Grundstück auf.
Das Loch klafft in einem Waldstück unmittelbar an der Grenze zu einem bebauten Grundstück auf. FOTO: Preikschat
Kromlau. Vier Meter tief und sechs Meter im Durchmesser ist Samstag nahe einem Grundstück in Kromlau die Erde abgerutscht. Nach Erkenntnissen des Sächsischen Oberbergamtes dürfte ein eingebrochener Grubenbau die Ursache sein. Daniel Preikschat

Die Route von Geoparkführer Jürgen Siegemund ist seit dem 18. April um eine Attraktion reicher. Am Montag hat sich der Gablenzer die Erdrutschung in einem Waldstück unmittelbar an der Grenze zu einem bebauten Wohngrundstück in Kromlau näher angesehen. Für ihn ist das, was er dort erblicken konnte, zwar durchaus aufsehenerregend, aber eben auch absolut regionaltypisch. Seine Vermutung: "Hier ist offensichtlich ein Pfeilerbau Jahrzehnte nach der Auskohlung eingebrochen."

Dergleichen, so Siegemund, komme in der Region immer mal wieder vor. Zwar seien die Pfeiler der maximal vier mal vier Meter großen Braunkohleabbaugruben, von denen es bis 1959 im Raum Weißwasser sehr viele gab, seinerzeit fast allesamt entfernt worden. Aufgrund verschiedenster Ursachen, weil etwa Wurzelwerk oder Gestein im Erdreich das nicht zuließen, seien aber nicht alle diese Gruben auch tatsächlich planmäßig sofort eingestürzt. Bernhard Cramer vom Sächsischen Oberbergamt bestätigt: "In der Region rund um Weißwasser ist in der Vergangenheit intensiv Braunkohlenbergbau betrieben worden, der viele auflässige Grubenbaue und Restlöcher hinterlassen hat." Auch nach vielen Jahrzehnten könnten diese Hohlräume im Erdinnern einbrechen und zu Brüchen an der Oberfläche führen.

Das Loch in Kromlau habe sechs Meter im Durchmesser und sei vier Meter tief, so der Oberberghauptmann weiter. Der Bruch befinde sich innerhalb der alten Braunkohlengrube Freia II, innerhalb wieder überkippten Tagebaugeländes. Nach vorliegenden Unterlagen seien weitere Schächte oder andere unterirdische Hohlräume nicht bekannt. Für die naheliegende Bebauung bestehe daher "keine akute Gefährdung". Ein weiteres Abrutschen der Kippenränder oder Nachbrechen könne dennoch nicht ausgeschlossen werden. Deshalb sollten Neugierige die Absperrbänder nicht ignorieren.

Wie nun mit dem Loch verfahren wird, konnte Cramer am Montag noch nicht sagen. Seitens des Oberbergamtes werde weiter ermittelt und erkundet und erst dann darüber entschieden, ob die Absperrung möglicherweise erweitert wird. Seine Behörde habe eine polizeirechtliche Sonderzuständigkeit, wenn Gefahren abzuwehren sind, die von unterirdischen Hohlräumen, Halden oder Restlöchern ausgehen.

Einen kleineren Erdbruch hatte es im Herbst 2010 auch neben der Straße zu einem Wohngebiet in Trebendorf gegeben. Drei Meter tief und zwei Meter im Durchmesser war er gewesen und wurde von Vattenfall mit 500 Tonnen Braunkohlenasche verpresst. In Weißwasser kam es zuvor zu mehreren Straßeneinbrüchen: 2007 auf dem Jahndamm, 2004 auf der Teichstraße und Mitte der 1990er-Jahre auf dem Neuteichweg, unmittelbar vor der Bärenhütte. Vermutet wurde in jedem dieser Fälle ein Zusammenhang mit dem Altbergbau. In den 1970er-Jahren wurden in Weißwasser Altbergbaugebiete mit Sand verpresst.