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Eine Wunde ist geheilt

Der Spielmannszug begleitete die Einweihung auf dem Platz und dann die Gäste zum Empfang zum Marstall. Auch am Samstag gab Christine Rückert den Ton an. Enkel Egon durfte dabei nicht fehlen.
Der Spielmannszug begleitete die Einweihung auf dem Platz und dann die Gäste zum Empfang zum Marstall. Auch am Samstag gab Christine Rückert den Ton an. Enkel Egon durfte dabei nicht fehlen. FOTO: Regina Weiß
Bad Muskau. Die Einladung für die Einweihung des Grenzvorplatzes bekommt bei Ingolf Hertrich einen Ehrenplatz. Der Bauleiter der Firma Nadebor Tief- und Landeskulturbau GmbH Krauschwitz zeigt stolz auf ein Wort, was in der Karte zu lesen ist: Premiumprojekt. Regina Weiß

Die Umgestaltung des Grenzvorplatzes, die im Herbst 2015 begann und rund ein Jahr dauerte - gehört zu den Vorhaben, die als Nationale Projekte des Städtebaus gefördert wurden. "Es ist wirklich was Repräsentatives", sagt der Bauleiter im Gespräch mit der RUNDSCHAU. Zum einen steht der neue Platz Stadt und Park zu Gesicht, zum anderen können sich auch die Baufirmen mit den hier erbrachten Leistungen schmücken. So ist es gar nicht verwunderlich, dass der Grenzvorplatz in so manchem Bauprospekt bildlich von sich reden machen wird.

Grenzvorplatz - dieses Wort ist seit Samstag in Bad Muskau sozusagen aus dem Vokabular gestrichen. Hermannsplatz ist jetzt der offizielle Name des Areals. Mit der Namensgebung werden drei Männer gewürdigt, die Gutes für Park und Region vollbracht haben, nämlich Hermann Ludwig Heinrich Fürst von Pückler, Traugott Hermann Graf von Arnim und Hermann Graf von Arnim Muskau.

War die Namensgebung schon kein einfacher Akt, war der Weg zum Bau ebenfalls langwierig. 2001/2002 wurden neue Grenzanlagen aufgebaut. Mit dem Eintritt von Polen in den Schengen-Raum, wurden diese ab 2007 nicht mehr gebraucht. 2008 wurden die Anlagen teilweise rückgebaut. Was zurückblieb, war alles andere als schön. Mit Landkreis und Stiftung wurden Anstrengungen unternommen, um eine Lösung zu erreichen, erinnert Bürgermeister Andreas Bänder (CDU). Bewegung erhielt das Ganze durch das Förderprogramm für die nationalen Welterbestätten. Nicht nur der Park und seine Bauwerke profitierten davon, sondern auch die Stadt. So konnte 2011 ein Architektenwettbewerb für den Platz ins Leben gerufen werden. Das Förderprogramm Nationale Projekte des Städtebaus sorgte dann für die Mittel, dass aus dem Plan Realität werden konnte. 1,6 Millionen Euro kostete das Vorhaben, 90 Prozent bekam die Parkstadt als Zuschuss. Das Geld half, "um einen erheblichen finanziellen Missstand abzustellen und die zentrale Einfahrt des Parks zu gestalten", so der Bürgermeister. Dass es manchmal etwas länger dauert, wie SPD-Bundestagsabgeordneter Thomas Jurk sagt, könne man wohl verschmerzen: "Denn das Ergebnis kann sich sehen lassen." Landrat Bernd Lange (CDU) freut sich besonders, dass Bad Muskau mit dem Platz ein Zeichen setzt. "An der Grenze muss man Begegnungsstätten schaffen und sich nicht abgrenzen. Wir können uns nur zusammen mit den Tschechen und Polen entwickeln. Abgrenzung, wie sie jetzt oft proklamiert wird, wird uns langfristig nicht helfen", so Lange.

Cord Panning, Geschäftsführer der Stiftung Fürst-Pückler-Park, spricht von einem denkwürdigen Tag. Eine schwere Wunde sei nun geheilt. Der Platz mache Lust auf mehr. Biete den angemessenen Auftakt für den Parkbesuch. Und was den Parkchef natürlich besonders freut, ist, dass Pücklers Grünzug - der Neißedamm als Verbindung zwischen Hermannsbad und Schlosspark - nun besser zur Geltung kommt.